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Häuserkampf in Ostjerusalem

Wie ein jüdischer Aktivist arabische Häuser aufkauft, um eine Teilung der Stadt unmöglich zu machen

Immobilien an Juden zu verkaufen, ist für Palästinenser streng verboten, es drohen hohe Strafen. Doch was, wenn ausgerechnet von jüdischer Seite ein besonders guter Preis geboten wird? Es geht dabei auch um die Zukunft eines palästinensischen Staates. 

Von Benjamin Hammer
Am 15.02.2019

Das kleine Haus in der Dalman-Straße im Ostjerusalemer Viertel Scheich Dscharrah hat schon bessere Zeiten gesehen. Die graue Fassade ist unverputzt, der Garten klein und etwas dunkel. Trotzdem soll das Haus für umgerechnet fast drei Millionen Euro verkauft werden. Die Besitzer hatten die Kaufinteressenten um Angebote gebeten. Im Bieterverfahren hatten zwei Parteien immer höhere Angebote vorgelegt. Auf der einen Seite die palästinensische Familie, die in dem Haus zur Miete wohnt. Auf der anderen Seite der jüdische Israeli Arieh King. Er steht hinter einem Fonds, mit dem gezielt Häuser in arabischen Vierteln von Ost-Jerusalem aufgekauft werden.

Drei Millionen für dieses Haus. Natürlich ist das verrückt. Wir haben den Besitzern gesagt: Für diesen Preis werden wir es nicht kaufen.

— Arieh King, Aktivist

Die palästinensische Familie muss nun versuchen, die hohe Geldsumme für das kleine Haus aufzubringen. Möglicherweise – spekulieren israelische Medien – wird sie dabei von der palästinensischen Autonomiebehörde unterstützt. In Ostjerusalem tobt ein Kampf um Immobilien. Israel beansprucht auch den Ostteil Jerusalems und hat das Gebiet in den 80er-Jahren annektiert. Ein Schritt, den die internationale Gemeinschaft nicht anerkennt. Auch die Palästinenser beanspruchen Ostjerusalem und hoffen, dass das Gebiet eines Tages die Hauptstadt eines eigenen Staates wird. Der israelische Aktivist Arieh King lebt mit seiner Familie in einem arabischen Viertel in Ostjerusalem. Für ihn ist klar: Ganz Jerusalem sei eine jüdische Stadt.

Unser Ziel ist, mit Häusern einen Gürtel um die Altstadt von Jerusalem aufzubauen. Wir machen das, damit wir jeden Gedanken an eine Aufteilung der Stadt im Keim ersticken. Wenn wir hier sind, wird es unmöglich, die Gegend um den Tempelberg zu einer Hauptstadt der Araber zu machen.

— Arieh King, Aktivist

Die palästinensische Autonomiebehörde will verhindern, dass jüdische Aktivisten wie Arieh King Erfolg haben. Ein Gesetz untersagt es Palästinensern, Häuser an „den Feind“ zu verkaufen. Vor ein paar Monaten wurde ein Palästinenser mit amerikanischem Pass in Ramallah festgenommen. Er soll dabei geholfen haben, eine Immobilie an Israelis zu verkaufen. Der Mann wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Die US-Regierung protestierte. Mittlerweile ist der Mann wieder auf freiem Fuß. Der palästinensische Architekt Omar Yousef hat für die Linie der palästinensischen Autonomiebehörde Verständnis. Er läuft durch das muslimische Viertel der Altstadt von Jerusalem. Auf einem Balkon telefoniert ein jüdischer Siedler. Vor dem Haus: Überwachungskameras, israelische Grenzpolizisten und vier große, israelische Flaggen. Für Omar Yousef, der an der Al-Kuds-Universität lehrt, ist der Mann auf dem Balkon kein friedlicher Nachbar.

Jerusalem wird angegriffen und das erklärt, warum solche extremen Gesetze und extremen Verurteilungen herauskommen.

— Omar Yousef, Architekt
Omar Yousef hat für die harte Linie der palästinensischen Autonomiebehörde Verständnis. Foto: BR | Benjamin Hammer

Der Architekt fordert, dass die Palästinenser den Ostteil verwalten – was die israelische Regierung und Aktivisten wie Arieh King jedoch kategorisch ablehnen. „Ich glaube, wenn man den palästinensisch-israelischen Konflikt nicht in Jerusalem löst, dann wird er gar nicht gelöst. Das ist ein Mikrokosmos, der symbolisch für den ganzen Konflikt steht.“ Jerusalem, sagt Omar Yousef, sei weder eine palästinensische, noch eine jüdische Stadt.

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Kommentare

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9 thoughts on “Häuserkampf in Ostjerusalem”

    Florian, Mittwoch, 20.02.19, 10:30 Uhr

    "Der palästinensische Architekt Omar Yousef hat für die Linie der palästinensischen Autonomiebehörde Verständnis. Er läuft durch das muslimische Viertel der Altstadt von Jerusalem. Auf einem Balkon te ...

    „Der palästinensische Architekt Omar Yousef hat für die Linie der palästinensischen Autonomiebehörde Verständnis. Er läuft durch das muslimische Viertel der Altstadt von Jerusalem. Auf einem Balkon telefoniert ein jüdischer Siedler. Vor dem Haus: Überwachungskameras, israelische Grenzpolizisten und vier große, israelische Flaggen. Für Omar Yousef, der an der Al-Kuds-Universität lehrt, ist der Mann auf dem Balkon kein friedlicher Nachbar.“

    Martina, blöde Frage: Warum ist er kein friedlicher Nachbar? Weil er telefoniert?
    Hieran siehst Du die absurde Berichterstattung.

    Der Verkauf von Immobilien an Juden wurde durch Jordanien während der „Illegalen“ (?) Besatzung bis 1967 als Kapitalverbrechen eingestuft.
    Willst Du die heutige Bedrohung mit Todesstrafe rechtfertigen?

      Marco, Donnerstag, 21.02.19, 17:27 Uhr

      Der "Jewish National Fund" verbietet, dass Menschen die nicht jüdisch sind einmal vom Jüdischen Nationalfond erworbenes Land kaufen, bestellen oder leasen dürfen? Finden Sie das genauso kritisch oder ...

      Der „Jewish National Fund“ verbietet, dass Menschen die nicht jüdisch sind einmal vom Jüdischen Nationalfond erworbenes Land kaufen, bestellen oder leasen dürfen? Finden Sie das genauso kritisch oder mal wieder einseitig auf die Araber einhauen? Der Jüdische Nationalfonds hat Araber von deren Land vertreiben lassen. Wo ist ihre Kritik daran?

      Können Sie sich vorstellen, dass es der nicht jüdischen Mehrheit in Palästina nicht gefallen hat, dass die Zionisten mit Organisationen, wie dem Jewish National Fund, versuchten möglichst viel Land in Palästina zu erwerben und die nicht jüdische Bevölkerung zu vertreiben? War das legal und OK? Können Sie verstehen, dass sich die Palästinenser von den Absichten der Zionisten bedroht fühlten? Würden Sie gerne aus Ihrer Heimat vertrieben werden und ihren Besitz weggenommen bekommen? Dann denken Sie mal nochmal über den Konflikt nach, bevor Sie sich hier völlig einseitig positionieren!

      martina, Donnerstag, 21.02.19, 18:27 Uhr

      hallo florian. ich habe niemals die todesstrafe gerechtfertigt. das habe ich auch gesagt. ehrlich gesagt, ist es mir egal was unter der besatzung von jordanien dort passiert ist. es klingt für mich me ...

      hallo florian. ich habe niemals die todesstrafe gerechtfertigt. das habe ich auch gesagt.
      ehrlich gesagt, ist es mir egal was unter der besatzung von jordanien dort passiert ist. es klingt für mich merkwürdig, das du das als argument hier reinziehst.
      den text den du zitierst ist einfach die wahrheit. jüdische flaggen sind dort normal, auch palästinensische. auch israelische grenzpolizei. alles normaler alltag.
      es kommen beide seiten zu wort, eben auch arieh king, den blendest du aber aus.
      sollen jetzt immer am anfang zwei bilder nebeneinander kommen, wenn es um eine strittige frage in jerusalem geht, damit es ausgeglichen ist?
      dabei frage ich mich, was hättest du gesagt, wenn das „bruchhaus“ als anfangsbild gekommen wäre. hättest du dann wieder gesagt: arme palästinenser?
      gruß

    Florian, Samstag, 16.02.19, 14:13 Uhr

    Ich versuche es noch einmal. Axel Stolpe hat hier nachgefragt, inwieweit der Bericht korrekt berichtet. Dazu bringt er Argumente. Der Verkauf von Häusern an Juden (!) ist durch die Fatah mit der Todes ...

    Ich versuche es noch einmal.
    Axel Stolpe hat hier nachgefragt, inwieweit der Bericht korrekt berichtet. Dazu bringt er Argumente.
    Der Verkauf von Häusern an Juden (!) ist durch die Fatah mit der Todesstrafe bedroht. Auch das verdient der Erwähnung.
    Es stellt sich schon die Frage, wie die Fatah hier handelt.

      martina, Sonntag, 17.02.19, 21:18 Uhr

      hallo florian. ja die handlung der fatah sind nicht kritikfrei, auch hier nicht. und todesstrafe geht gar nicht. aber auch du nimmst keine stellung zu dem satz: Auf der anderen Seite der jüdische Isra ...

      hallo florian. ja die handlung der fatah sind nicht kritikfrei, auch hier nicht. und todesstrafe geht gar nicht.
      aber auch du nimmst keine stellung zu dem satz: Auf der anderen Seite der jüdische Israeli Arieh King. Er steht hinter einem Fonds, mit dem gezielt Häuser in arabischen Vierteln von Ost-Jerusalem aufgekauft werden….Ganz Jerusalem sei eine jüdische Stadt. woher hat der fonds soviel geld? dahinter könnte auch zb der israelische staat stecken mit geld.
      das finde ich eben auch sehr kritikwürdig. man versucht mit geld ganz jerusalem „jüdisch“ zu machen. so nach dem motto, welche partei mehr geld hat, dem gehört die stadt. ist das für dich in ordnung?
      vielleicht hast du ja ein beispiel wo jüdische besitzer an palastinensische bürger verkaufen?
      egal welche seite das macht, das ist für mich widerlich. und diesen kommentar wünschte ich mir von dir und axel.
      deswegen finde ich, das der artikel beide seiten sehr gut beschreibt. ich kann da keine einseitigkeit erkennen.
      gruß

    Axel Stolpe, Freitag, 15.02.19, 8:32 Uhr

    Ist schon ein komischer Überschrift. Als es geht um ein Haus. Das soll verkauft werden. Einmal haben Juden geboten und zum anderen die palästinensische Mieter. Richtig? Die Palästinenser haben den Zus ...

    Ist schon ein komischer Überschrift. Als es geht um ein Haus. Das soll verkauft werden. Einmal haben Juden geboten und zum anderen die palästinensische Mieter. Richtig? Die Palästinenser haben den Zuschlag erhalten. Also ist das Haus palästinensisch. Oder sehe ich das falsch. Das Bild was wir sehen, ist nicht das Haus was verkauft wurde, sondern eine andere Immobilie! Komische Berichterstattung.

      martina, Freitag, 15.02.19, 22:51 Uhr

      hallo axel. das bruchstückhaus sieht man hier sehr wohl im artikel. es geht in dem artikel aber darum, warum solche bruchhäuser solche preise erzielen. zu diesem warum hast du aber gar nix gesagt.... ...

      hallo axel.
      das bruchstückhaus sieht man hier sehr wohl im artikel.
      es geht in dem artikel aber darum, warum solche bruchhäuser solche preise erzielen.
      zu diesem warum hast du aber gar nix gesagt….
      deswegen finde ich deinen kommentar als komisch!
      gruß

      Axel Stolpe, Montag, 18.02.19, 20:02 Uhr

      Warum solche hohen Preise erzielt werden? Ganz einfach, das Land ist jeden Preis wert. Würde es nicht von palästinensische Seite verboten sein, an Juden zu verkaufen, würde jedes Stück Land an Juden v ...

      Warum solche hohen Preise erzielt werden? Ganz einfach, das Land ist jeden Preis wert. Würde es nicht von palästinensische Seite verboten sein, an Juden zu verkaufen, würde jedes Stück Land an Juden verkauft werden. Sie zahlen die höchsten Preise. Dieses Grundstück ist in den Augen der Juden auch 4 oder 5 Millionen Dollar wert.

      martina, Dienstag, 19.02.19, 17:26 Uhr

      hallo axel. und das soll kein bericht wert sein? wenn versucht wird, palästinensischen besitz in jerusalem auszuschalten. ich würde das auch als palästinensische regierung verbieten. stell dir vor, je ...

      hallo axel.
      und das soll kein bericht wert sein?
      wenn versucht wird, palästinensischen besitz in jerusalem auszuschalten.
      ich würde das auch als palästinensische regierung verbieten.
      stell dir vor, jedes haus zb in hamburg, das zum verkauf stünde würde von chinesen gekauft werden. über lang oder kurz wäre ganz hamburg im chinesischen besitz. statt chinesen kann man jede religion, dedes volk, jedes land einsetzen.
      das ist gruselig!
      gruß