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Gute Daten, schlechte Daten

Neusten Statistiken zufolge wirken die Corona-Impfungen in Israel – dennoch bleibt die 7-Tage-Inzidenz auf Rekordniveau

Die Regierung steht unter Druck: Mit den Erfolgsdaten der Impfkampagne steigt die Erwartung, dass der Lockdown gelockert wird. Schon am Sonntag soll es soweit sein. Manche Experten sind entsetzt. Und Krankenhäuser sollen sich jetzt auf sehr junge Corona-Patienten vorbereiten. 

Von Benjamin Hammer
Am 18.02.2021

In Tel Aviv bekommen Israelis nach der Impfung auch schon mal ein Stück Pizza gereicht. Mit der Aktion will die Stadtverwaltung die Impfmoral steigern. Mittlerweile hat beinahe die Hälfte der Bevölkerung eine erste Dosis bekommen. Bei den über 60-Jährigen hat ein Großteil auch die zweite Dosis bekommen. Die Zahl der älteren Israelis mit schweren Verläufen von Covid-19 oder gar Todesfällen sinkt rapide. Immer neue Studien der israelischen Krankenkassen belegen, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer – der in Israel nahezu ausschließlich eingesetzt wird – wirkt. So sieht es auch der Epidemiologe Ran Balicer von der Krankenkasse Clalit.

Unsere Forschungsergebnisse sind tatsächlich dramatisch. 94 Prozent der Geimpften sind vor Symptomen von Covid-19 geschützt. Dieser Wert hat eine große Ähnlichkeit mit den klinischen Studien von Pfizer. Zu Beginn dachten wir, dass wir diese Werte im echten Leben niemals erreichen können, zum Beispiel, weil der Impfstoff einmal nicht richtig gekühlt wurde. Aber nein, unsere Ergebnisse sind den klinischen Ergebnissen sehr ähnlich. Und das sind gute Nachrichten.

— Ran Balicer, Epidemiologe
In Israel sind bereits mehr als vier Millionen Menschen geimpft worden. Foto: dpa | picture alliance

Auch eine andere Krankenkasse liefert vielversprechende Daten: Laut Maccabi gab es in einer Gruppe von über 500.000 Geimpften keinen einzigen Todesfall im Zusammenhang mit Covid-19. Bei so vielen vermeintlich guten Nachrichten steigt auch der Druck auf die Politik, den Lockdown weiter zu lockern. Die Regierung ist fest entschlossen, Geimpften Privilegien einzuräumen.  Israels Premierminister Benjamin Netanjahu stellte im Fernsehkanal 12 den sogenannten Grünen Pass vor, der ab Sonntag zum Einsatz kommen soll.

Menschen mit einem Grünen Pass sollen zum Beispiel Kinos oder Fußballspiele besuchen dürfen. Später werden damit auch Restaurantbesuche und Flüge ins Ausland möglich sein. Diejenigen, die keinen Grünen Pass haben, werden das nicht machen können. Damit möchte ich die geimpften Menschen schützen. Und alle anderen ermuntern, sich impfen zu lassen.

— Premier Benjamin Netanjahu
Premier Netanjahu hat diese Woche den Grünen Pass für Corona-Geimpfte vorgestellt. Foto: dpa | picture alliance

Das klingt erst mal gut. Auch für Netanjahu, der sich im Wahlkampfmodus befindet. Aber hinter den Kulissen herrscht teilweise Entsetzen über die Pläne der Regierung. Denn trotz der guten Studienlage gibt es noch keine Gewissheit darüber, ob Geimpfte das Virus zum Beispiel weitergeben können. Außerdem wird der Lockdown teilweise für alle gelockert – auch für jene ohne Impfung. Auch die dürfen ab Sonntag in Einkaufszentren gehen. „Was zur Hölle geschieht hier?“, fragt eine Kommentatorin der Zeitung Yedioth Acharonot. Die Zahl der neu nachgewiesenen Infektionen liege weiterhin bei Tausenden pro Tag – wie vor dem Lockdown, der nun gelockert werde. Was die Regierung vorhabe, sei unglaublich. Nachman Ash, der Corona-Beauftragte der Regierung, sieht das ähnlich. In israelischen Medien tauchte ein Mitschnitt einer Kabinettssitzung auf.

Erst vor einer Woche haben wir über die Szenarien gesprochen, die eintreten könnten, wenn wir den Lockdown auf verantwortungslose Weise lockern. Ich verstehe nicht, wie das alles so schnell vergessen wird. Hätte mir vor zwei Monaten jemand gesagt, dass wir in dieser Situation den Einzelhandel öffnen, hätte ich gedacht, er sei verrückt.

— Nachman Ash, Corona-Beauftragter der Regierung

Die 7-Tage-Inzidenz in Israel gehört weiterhin zu den höchsten der Welt. Wissenschaftler warnen, dass sich das Virus nun verstärkt bei jenen ausbreiten könnte, die nicht geimpft sind. Zwar verläuft eine Infektion bei Kindern in der Regel milde. Es gibt aber Ausnahmen. Die Krankenhäuser in Israel wurden angewiesen, sich auf eine steigende Zahl von Kindern mit schweren Verläufen vorzubereiten.

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