Foto: BR | Benjamin Hammer

Kunst ohne Grenzen

Das Festival "Qalandiya International" zeigt Werke palästinensischer Künstler

Manchmal schaffen es Kunstwerke weiter als ihre Macher. Vor allem, wenn diese Palästinenser sind. Reporter Benjamin Hammer hat Grenzen überwunden und eine Ausstellung besucht.

Von Studio Tel Aviv
Am 05.10.2016

Eine Bushaltestelle in Ostjerusalem. Frauen mit Kopftuch sitzen auf einer Bank. An der Wand neben der Bushaltestelle hängt ein altes, zerfetztes Werbeplakat. Man muss schon zwei Mal hinschauen, erst dann sieht man darauf das Meer. Es bewegt sich. Es ist eine Videoinstallation der palästinensischen Künstlerin Ruba Salameh. Das Kunstwerk bringt zusammen, was eigentlich gar nicht zusammen sein kann. Die Videoaufnahmen des Meeres stammen aus dem Gazastreifen, dessen Grenzen von Israel kontrolliert werden. Gaza ist für Palästinenser aus Ostjerusalem unerreichbar. Und von Gaza nach Jerusalem zu gelangen, das ist für die meisten ebenfalls unmöglich. Israel begründet diese Blockaden mit der Furcht vor Terroranschlägen.

„Dieses Meer gehört mir“

Salamehs Installation wird auf dem Kunstfestival „Qalandiya International“ gezeigt. Qalandiya, das ist ein großer israelischer Checkpoint, der zwischen Jerusalem und dem Norden des Westjordanlandes liegt. Der Titel der dritten Ausgabe des Festivals lautet „This Sea is mine“, „Dieses Meer gehört mir“. Es sind die Worte von Machmud Darwish, dem wohl bekanntesten palästinensischen Dichter. In seinen Werken verarbeitete Darwish die Ereignisse nach der Staatsgründung Israels im Jahr 1948. Für die Juden war sie nach Jahren der Verfolgung die Erfüllung eines Traums. Aus Sicht der Palästinenser kam die Staatsgründung jedoch einer Katastrophe gleich, der Nakba. Bis heute erinnern sie an Flucht und Vertreibung. „Qalandiya International“ findet dort statt, wo heute viele Palästinenser leben. Im Gazastreifen, in Israel und dem Westjordanland. Aber auch in Libanons Hauptstadt Beirut. Die Grenze zwischen dem Libanon und Israel ist seit Jahrzehnten geschlossen. Alia Maayan leitet eine Galerie in Ostjerusalem und beteiligt sich an dem Festival. Sie sagt: „Eines der großen Momente dieser Qalandiya International Ausstellung ist, dass sie an diesen vielen Orten gleichzeitig stattfindet.“

 

Kommentare

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2 thoughts on “Kunst ohne Grenzen”

    Axel Stolpe, Dienstag, 11.10.16, 12:13 Uhr

    Es wird sehr gerne von Reportern unterschlagen, dass Gaza nicht nur an Israel grenzt, sondern auch an Ägypten. Sicherlich ein Reise zwischen Ramallah und Gaza über Jordanien und Ägypten wäre umständli ...

    Es wird sehr gerne von Reportern unterschlagen, dass Gaza nicht nur an Israel grenzt, sondern auch an Ägypten. Sicherlich ein Reise zwischen Ramallah und Gaza über Jordanien und Ägypten wäre umständlich, aber nicht möglich weil Ägypten genauso sein Grenze zum Gazastreifen geschlossen hält. Doch darüber wird nicht berichtet. Da wird auch nicht nachgefragt. Die meisten haben eine Schere im Kopf und machen sich mit den Regimen gemein.

    wombat, Mittwoch, 05.10.16, 17:45 Uhr

    "Seine Eltern, sagt er, sind früher mit dem Fahrrad an den Strand gefahren." Früher badeten Israelis auch am Strand von Gaza und fuhren nach Ramallah und Nablus zum Einkaufen ... Das war vor den Welle ...

    „Seine Eltern, sagt er, sind früher mit dem Fahrrad an den Strand gefahren.“

    Früher badeten Israelis auch am Strand von Gaza und fuhren nach Ramallah und Nablus zum Einkaufen … Das war vor den Wellen palästinensischen Terrors, denen tausende israelische Zivilisten zum Opfer fielen – Ursache & Wirkung