Foto: Leon Levy Expedition

Goliath – ein Migrant?

Deutsche Forscher haben sich mittels moderner DNA-Analysen auf die Spuren der Philister begeben

Abseits der Bibel blieben viele Fragen über die Philister lange Zeit offen. Ein vor wenigen Jahren entdeckter Friedhof half den Forschern nun dabei, mehr über die Herkunft des Volkes herauszufinden.

Von Benjamin Hammer
Am 04.07.2019

In der Bibel muss man nicht lange nach den Philistern suchen. Dort kämpft ein Kleiner gegen einen Großen. David gegen Goliath: „Da trat aus dem Lager der Philister ein Vorkämpfer namens Goliath aus Gat hervor. Als der Philister weiter vorrückte und immer näher an David herankam, lief auch David von der Schlachtreihe der Israeliten aus schnell dem Philister entgegen.“ Doch abseits der Bibel und weiteren Schriften blieben viele Fragen über das Volk bisher unbeantwortet. Es lebte vor etwa 3100 Jahren an der Küste, dort wo heute die israelischen Städte Aschdod und Ashkelon und der palästinensische Gazastreifen liegen. Der amerikanische Archäologe Daniel Master beschäftigt sich seit Jahren mit den Philistern. Er leitet die Ausgrabungen der Leon Levy Expedition in Aschkelon.

Wir kennen die Philister in erster Linie aus der Bibel. Dort sind sie die Erzfeinde der Israeliten. Alle Geschichten über die Philister stammen von Menschen, die sie nicht mochten. Als Archäologen und Genetiker versuchen wir nun, die Geschichte der Philister aus ihrer Perspektive zu erzählen. Diese Studie hilft uns, zu verstehen, woher sie kamen.

— Daniel Master, Archäologe
So ähnlich könnte ein Haus der Philister im 12. Jahrhundert vor Christus ausgesehen haben. Foto: Leon Levy Expedition

Über den Ursprung der Philister streiten Wissenschaftler seit Jahrzehnten. Vor drei Jahren entdeckten Archäologen einen Friedhof des rätselhaften Volkes in Ashkelon. In ihrer neuen Studie geben Daniel Master und seine Mitstreiter zum ersten Mal eine Antwort: Die Philister waren Migranten. Sie stammen womöglich von den Inseln des heutigen Griechenlandes.

 

Wir haben herausgefunden, dass die frühen Philister eine genetische Komponente aufwiesen, die aus Europa stammte. Wir reden von genetischen Merkmalen aus der Steinzeit, die fortbestanden, in europäischen und vor allem südeuropäischen Bevölkerungen.

— Daniel Master, Archäologe

Möglich wurden die Erkenntnisse durch Forscher des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena. Die Wissenschaftler schauten sich die Knochen der Philister aus Aschkelon genauer an. Johannes Krause ist von Haus aus Biochemiker und einer der Direktoren des Max-Planck-Institutes in Jena. Sein Fachgebiet heißt Archäogenetik.

Wir entnehmen kleine Knochenproben, meistens zwischen 50 und 100 Milligramm. Also ein bisschen größer als ein Brotkrümel. Und der wird im Prinzip aufgelöst. Und aus diesem Knochen wird die DNA freigesetzt, die dann hoffentlich nach Jahrhunderten und Jahrtausenden noch erhalten ist.

— Johannes Krause, Biochemiker
Fingerspitzengefühl erforderlich: Gerade mal 50 bis 100 Gramm wiegen die Knochenproben, die die Wissenschaftler entnehmen. Foto: Leon Levy Expedition

Archäologen war schon zuvor aufgefallen, dass sich die Philister von ihren Nachbarn in der Region unterschieden. So erinnerten Krüge, die sie fanden, an Krüge aus dem heutigen Griechenland. Mit den DNA-Analysen wollen die Forscher belegen, dass die frühen Philister tatsächlich Einwanderer waren. Die Wissenschaftler untersuchten auch die DNA von späteren Generationen der Philister. Die unterschieden sich kaum oder gar nicht von anderen Völkern der Region. Ein Hinweis, dass die Philister – obwohl sie in der Bibel als kriegslüstern und feindlich dargestellt werden – mit ihren Nachbarn kooperierten und Familien gründeten. Die genetischen Spuren der Europäer gingen so im Laufe der Zeit verloren. Was die Studie untermauert: Schon damals gab es viele Migranten.

Was wir aus unserer Forschung in der Genetik und Archäogenetik lernen, ist sicherlich, dass Migration schon immer ein Teil der Menschheitsgeschichte war. Dass es große genetische Verschiebungen gab, die viel massiver waren, als wir heute auf der Welt sehen.

— Johannes Krause, Biochemiker

Die Spuren der Philister enden nach etwa 600 Jahren. 600 Jahre, nachdem sie in das heutige Israel eingewandert waren. Was bleibt, ist ihr Name. Nach den Philistern wurde später jene Region benannt, in die sie einst als Einwanderer gekommen waren: Palästina.

Kommentare

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5 thoughts on “Goliath – ein Migrant?”

    Ismael Isaak, Dienstag, 09.07.19, 5:21 Uhr

    @tina, ariel: Vielleicht Namen wie Kanaaniter, Moabiter, Adomiter u.s.w. Auch alles ausgestorbene Ethnien. Und "Eindringlinge" ist am passensten, zumal sie unter Mohammed wieder eingedrungen sind.

    @tina, ariel: Vielleicht Namen wie Kanaaniter, Moabiter, Adomiter u.s.w. Auch alles ausgestorbene Ethnien. Und „Eindringlinge“ ist am passensten, zumal sie unter Mohammed wieder eingedrungen sind.

    Tina, Donnerstag, 04.07.19, 17:33 Uhr

    "große genetische Verschiebungen" Die wichtigste genetische "Verschiebung" von dem Riesen Goliath bleibt natürlich unerwähnt. Er war einer von den Nephilim mit der DNA gefallener Engel. Warum wurde No ...

    „große genetische Verschiebungen“

    Die wichtigste genetische „Verschiebung“ von dem Riesen Goliath bleibt natürlich unerwähnt.

    Er war einer von den Nephilim mit der DNA gefallener Engel.

    Warum wurde Noah mit seiner Familie von der Sintflut verschont? Er war gerecht UND hatte einen genetisch sauberen Stammbaum. Er war genetisch ein ECHTER Mensch. Niemand von seinen Vorfahren hatte sich mit gefallenen Engeln eingelassen.

    ariel, Donnerstag, 04.07.19, 12:03 Uhr

    in der bibel heissen die philister "plischtim" פלישתים was von dem wurzel "palasch" פלש abgeleitet wird. in infitiv "liflosch" לפלוש heisst einzudringen. "plischtim" heisst woertlich uebersetzt eindri ...

    in der bibel heissen die philister „plischtim“ פלישתים was von dem wurzel „palasch“ פלש abgeleitet wird. in infitiv „liflosch“ לפלוש heisst einzudringen. „plischtim“ heisst woertlich uebersetzt eindringlinge. wer die bibel kennt, wird sich also von den neuen erkenntnissen nicht ueberaschen.

    witzig wird, wenn man bedenkt, dass die araber von allen moeglichen bezeichnungen sich ausgerechnet „palaestinenser“ ausgesucht haben, was eine moderne ableitung von philister ist, also noch mal eindringlinge.

      Tina, Freitag, 05.07.19, 19:05 Uhr

      "von allen moeglichen Bezeichnungen" Welche anderen Bezeichnungen wären noch denkbar gewesen?

      „von allen moeglichen Bezeichnungen“

      Welche anderen Bezeichnungen wären noch denkbar gewesen?

      Ariel, Samstag, 06.07.19, 22:10 Uhr

      Keine Ahnung.

      Keine Ahnung.