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Giro d'Israel

Wenn der Giro am Wochenende beginnt, ist es für Israel das größte Sportereignis seiner Geschichte

In Israel hofft man, mit dem Giro d'Italia eine andere, unpolitische Seite des Landes zeigen zu können. Für die Teams bedeutet es Stress: Der logistische Aufwand ist hoch, und auch die Etappe durch die Wüste Negev stellt die Fahrer vor eine Herausforderung.

Von Benjamin Hammer
Am 04.05.2018

Seit Tagen läuft im israelischen Radio Werbung für das zweitwichtigste Radrennen der Welt. Für Israel ist der Giro-Start im eigenen Land noch mehr: Es ist das größte Sportereignis in der Geschichte des Staates, der gerade 70 Jahre alt geworden ist. Ran Margaliot ist der Manager der Israel Cycling Academy, dem einzigen Profiteam des Landes. Für den Start beim Giro erhielt das Team eine Wildcard. Israel sei anders, meint der frühere Profi. Die Fahrer würden an Orten vorbeifahren, an denen vor Tausenden Jahren die Geschichte der Juden begann. Auch topografisch habe das Land viel zu bieten: Wüste, Berge, Wälder und das Meer.

Für uns ist es eine wunderbare Gelegenheit, der Welt unser Land zu präsentieren.

— Ran Margaliot, Manager der Israel Cycling Academy

Israel ist ein kleines Land und mit Blick auf seine Nachbarländer isoliert. Der sportliche Blick geht daher in Richtung Europa. Dass nun der Giro nach Israel kommt, macht Ran Margaliot sehr stolz. Geht es nach dem israelischen Teammanager, wird der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern während der Rennen keine Rolle spielen.

Wir wollen allen Radfahrern der Welt das Land aus einer anderen Perspektive präsentieren. Wir wollen nicht immer der Ort sein, von dem aus politischer Sicht berichtet wird. Wir wollen zeigen, dass es hier auch ein normales Leben gibt.

— Ran Margaliot ist der Manager der Israel Cycling Academy

Der Giro wird in fast 200 Ländern übertragen, die Veranstalter rechnen mit bis zu einer Milliarde Zuschauern. Fast 28 Millionen Euro kostet der Ausflug des Giro nach Israel nach Angaben des israelischen Tourismus-Ministeriums. Ein Viertel davon trägt die Regierung, den Rest zahlen Sponsoren. Das Ziel: Werbung für Israel und ein möglichst unbeschwertes Bild des Landes. Dabei sorgte die Regierung selbst für Unruhe: Als die italienischen Organisatoren des Giro den Start in Jerusalem bekannt gaben, sprachen sie von West-Jerusalem. Eine übliche Bezeichnung, denn den Osten der Stadt beanspruchen auch die Palästinenser. Israels Sportministerin Miri Regev war außer sich. Es gebe nur ein unteilbares Jerusalem und das liege in Israel. Regev drohte den Organisatoren, die staatlichen Fördergelder zu streichen.  Wenige Tage später sprachen die Giro-Planer nur noch von „Jerusalem“.

Die Sicherheitslage ist angespannt

Der Auftakt des Giro, ein Zeitfahren in Jerusalem, wird übrigens nur durch den Westen der Stadt führen. Die Sicherheitslage istangespannt, was aber nichts mit dem Giro zu tun hat, sondern mit der allgemeinen Lage in Israel. Die israelische Polizei setzt auf Überwachungskameras, Helikopter und Anti-Terror-Einheiten. Im Vorfeld des Rennens hatten auch deutsche Fahrer Bedenken wegen der Sicherheitslage geäußert. Und der Nahostkonflikt lässt sich in diesen Tagen nur schwer verdrängen: An der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel kommt es seit Wochen zu heftigen Zusammenstößen zwischen Israelis und Palästinensern. Dutzende Palästinenser wurden getötet. Der Deutsche Rüdiger Selig will sich dennoch auf die positiven Aspekte des Rennens konzentrieren. Er fährt für das Team Bora-hansgrohe. Jerusalem und die historische Altstadt seien etwas Besonderes. Die Stimmung in Israel sei etwas anderes als in Europa. Seligs Teamchef Ralph Denk wird für eine Stadtrundfahrt durch Jerusalem wohl keine Zeit haben. Der große logistische Aufwand des Giro-Starts in Israel beschäftigt ihn sehr.

Normalerweise ist mein Job als Teammanager, dafür zu sorgen, dass sich die Rennfahrer in Ruhe auf so große Ereignisse wie den Giro vorbereiten können. Deshalb ist der Start außerhalb schon etwas aufwendig.

— Ralph Denk, Teamchef
Achtung, Fahrradfahrer! Der Giro startet mit einem Zeitfahren in Jerusalem, später geht es auch durch die Wüste Negev, bis zur südlichsten Stadt Eilat am Roten Meer. Foto: BR | Benjamin Hammer

Und die Fahrer erwartet ein dichtes Programm: Ein Zeitfahren in Jerusalem, eine Etappe von Haifa nach Tel Aviv und eine Etappe von Beerschewa nach Eilat, mitten durch die Wüste Negev. Die Temperaturen könnten auf bis zu 40 Grad steigen. Denk sagt: Das ist alles zusätzlicher Stress für die Fahrer. Die klimatischen Bedingungen sind anders als in Italien. Denk fordert, dass seine Fahrer die Regenerationszeiten genau einhalten. Das Ziel: Bloß keine grippalen Infekte. Am Montag werden die Teams und ihre Ausrüstung nach Catania geflogen. Sieben Flugzeuge stehen auf dem Flughafen Uvda, nördlich von Eilat bereit. Schon einen Tag nach dem Flug warten dann die Hügel von Sizilien auf die Fahrer.

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