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Gericht bestätigt Urteil gegen Elor Azaria

18 Monate muss der umstrittene Schütze von Hebron nun ins Gefängnis – Politiker fordern seine Begnadigung

Mörder oder Held? Israel hatte heftig darüber diskutiert, was der Soldat Elor Azaria nun ist. Er hatte einen bereits am Boden liegenden Terroristen in Hebron erschossen. Ein Gericht verurteilte ihn zu 18 Monaten Haft. Verteidigung und Staatsanwaltschaft hatten daraufhin Einspruch eingelegt.

Von Tim Assmann
Am 31.07.2017

Der junge Mann im weißen T-Shirt mit den kurz geschorenen Haaren lächelt etwas scheu in die Kameras und reagiert nicht, als die Fotografen versuchen, ihn anzusprechen. Elor Azaria war die Nervosität deutlich anzusehen, als er den Gerichtssaal in Tel Aviv betrat. Einmal mehr holte ihn seine Armeezeit in Hebron ein – jener Stadt im von Israel besetzten Westjordanland, in der die Gewalt besonders häufig ausbricht. So auch an jenem 24. März 2016, als der Soldat Azaria seine Waffe erhob. Ein Palästinenser hatte Soldaten mit einem Messer attackiert und einen von Azarias Kameraden verletzt. Der Angreifer wurde niedergeschossen. Minuten nach dem Vorfall, der Palästinenser liegt schwer verletzt und regungslos am Boden, löst sich der Armee-Sanitäter Azaria aus einer Gruppe von Soldaten, geht auf den Verletzten zu, legt an und drückt ab.

Ein Mitarbeiter der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem filmt den Vorfall. Azarias Kugel trifft den Palästinenser im Kopf. Der Mann ist tot und das war auch die Absicht des Schützen, wird einer seiner Kameraden später im Zeugenstand bestätigen: „Der Terrorist muss sterben“, sagte Azaria demnach, bevor er anlegte. Ein Militärgericht verurteilt ihn wegen Totschlags zu 18 Monaten Haft. Verteidigung und Staatsanwaltschaft legen Einspruch ein. Bevor das Militär-Berufungsgericht nun seine Entscheidung verkündete, versammelten sich nahe dem Gerichtssaal Unterstützer des Angeklagten. Für sie ist Elor Azaria ein Held, der nicht ins Gefängnis gehört.

Wir sind hier, um dem Kampfsoldaten beizustehen, der sich da drinnen verantworten muss, und um seine Familie zu unterstützen. Wir wollen zeigen, dass wir nicht aufgeben werden, bis dieser herausragende Soldat nach Hause zurückkehren kann. Wir haben eine Demonstration organisiert, Prominente werden sprechen und Elors Freunde. Wir werden sie für Tapferkeit auszeichnen stellvertretend für Elor, um ihm für seinen Einsatz zu danken.

— Ram Carmi, Organisator der Solidaritätskundgebung

Held oder Mörder? Über diese Frage wurde in Israel kontrovers diskutiert. Führende Politiker inklusive des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu forderten einen milden Umgang mit dem Angeklagten Azaria. Er selbst gibt an, aus Notwehr geschossen zu haben. Im ersten Prozess hatte er erklärt, er habe befürchtet, der am Boden liegende schwerletzte Palästinenser trage einen Sprengstoffgürtel oder könne noch an sein Messer kommen.

18 Monate wegen Totschlags

Das Berufungsgericht bezeichnete diese Version des Angeklagten nun aber als unglaubwürdig und erklärte in seiner Urteilsbegründung, Azaria habe aus Rachsucht geschossen. Die fünf Berufungsrichter wiesen den Einspruch des Angeklagten zurück. Seine Verteidiger hatten Freispruch gefordert. Auch der Einspruch der Staatsanwaltschaft, die drei Jahre Haft verlangt hatte, wurde abgewiesen. Es bleibt also beim Strafmaß von achtzehn Monaten wegen Totschlags.

Azaria wirkte nach der Entscheidung niedergeschlagen. Seine neben ihm sitzende Mutter brach in Tränen aus. Ob Azaria die Haftstrafe absitzen muss, ist allerdings fraglich. Verteidigungsminister Avigdor Lieberman forderte die Familie auf, beim israelischen Generalstabschef die Begnadigung ihres Sohnes zu beantragen. Er sei sicher, erklärte Lieberman, der Generalstabschef werde den Fall sorgfältig prüfen und dabei berücksichtigen, das Azaria ein herausragender Soldat gewesen sei. Auch Erziehungsminister Naftali Bennett sprach sich für eine Begnadigung aus – genauso wie Regierungschef Benjamin Netanjahu. Der erklärte auf Facebook schon kurz nach der Entscheidung des Berufungsgerichtes, er werde den zuständigen Stellen empfehlen, Elor Azaria zu begnadigen.

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Kommentare

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16 thoughts on “Gericht bestätigt Urteil gegen Elor Azaria”

    gunther, Freitag, 04.08.17, 5:35 Uhr

    Martina, die Witwe des Mannes, der im Januar 2017 mit einem LKW vier israelische Soldaten überrollt und getötet sowie 15 weitere verletzt hat, erhält zum Dank für das Martyrium ihres Mannes eine monat ...

    Martina,

    die Witwe des Mannes, der im Januar 2017 mit einem LKW vier israelische Soldaten überrollt und getötet sowie 15 weitere verletzt hat, erhält zum Dank für das Martyrium ihres Mannes eine monatliche Rente der Palästinensischen Autonomiebehörde.

    Michael K., Donnerstag, 03.08.17, 18:11 Uhr

    Gunther, es wäre fatal und verleumderisch anzunehmen, dass man Terrorakte geradezu prämiert. Die bisherige Zusammenarbeit zwischen PA und Israel hatte ja das Ziel Gewalt zu unterbinden. Ich verteidige ...

    Gunther, es wäre fatal und verleumderisch anzunehmen, dass man Terrorakte geradezu prämiert. Die bisherige Zusammenarbeit zwischen PA und Israel hatte ja das Ziel Gewalt zu unterbinden. Ich verteidige hier keinen Fond, der wie du sagst Terroristen alimentiert. Versetzt man sich in die Lage eines besetzten Volkes, dann ist anzunehmen, dass man mit Widerstand rechnen muss. Es gibt nicht nur Terrorübergriffe auf Israelis, es gibt auch tausende Gefangennahmen von Palästinensern, die in israelischen Gefängnissen sitzen, Palästinenser die von israelischen Soldaten getötet werden, solche, die unbeteiligt Opfer werden. Was machen mit Hinterbliebenen?

    Du willst es nicht wahrhaben, aber das Grundübel ist die Besatzung und Entrechtung eines Volkes.

    Ist es nicht verwerflicher, dass die eigene Militärindustrie und ausländische Hilfsgelder an Israel dazu da sind eine Besatzung aufrechtzuerhalten, ein Volk zu unterdrücken?

      gunther, Samstag, 05.08.17, 8:11 Uhr

      Herr K., Sie können die Rentenzahlungen an palästinensiche Terroristen in allen Tageszeitungen und allen Nachrichtensendern nachlesen. Abbas hatte dem US_Außenminister sogar versprochen, diese Zahlung ...

      Herr K.,

      Sie können die Rentenzahlungen an palästinensiche Terroristen in allen Tageszeitungen und allen Nachrichtensendern nachlesen.
      Abbas hatte dem US_Außenminister sogar versprochen, diese Zahlungen einzustellen. Also gint es diese.
      Aber wie immer lügt Abbas auch hier. Die PA zahlt weiter.Pro Jahr über 300 Mio Euro.

      Was ist fatal und verleumderisch?

    gunther, Donnerstag, 03.08.17, 12:35 Uhr

    Herr K., da hier nicht einmal mehr das Zitieren von Koranversen freigeschaltet, nun in dieser Weise: Sie können im Koran und den Hadithe nachlesen, dass das Jüngste Gericht erst kommen wird, wenn alle ...

    Herr K.,

    da hier nicht einmal mehr das Zitieren von Koranversen freigeschaltet, nun in dieser Weise:
    Sie können im Koran und den Hadithe nachlesen, dass das Jüngste Gericht erst kommen wird, wenn alle Juden getötet worden sind.
    Komisch, war das nicht vor der Entstehung des Zionismus und des Staates Israel? War das nicht vor der von Ihnen für alles verantwortlich gemachten „Besatzung“?

    gunther, Donnerstag, 03.08.17, 12:24 Uhr

    Martina, ein gescheiterter Attentäter hat ausgesagt, dass er Israelis tötet in der Hoffnung selbst getötet zu werden, um mit der Rentenzahlung seinen Kindern ein glückliches Leben zu ermöglichen. Noch ...

    Martina, ein gescheiterter Attentäter hat ausgesagt, dass er Israelis tötet in der Hoffnung selbst getötet zu werden, um mit der Rentenzahlung seinen Kindern ein glückliches Leben zu ermöglichen.
    Noch Fragen?

    gunther, Donnerstag, 03.08.17, 6:05 Uhr

    Herr K., wie immer gehen Sie auf das zentrale Problem nicht ein: In Israel gibt es Gerichtsverfahren. Die PA alimentiert Terroristen, feiert sie öffentlich als Helden und benennt Schulen, Straßen und ...

    Herr K.,

    wie immer gehen Sie auf das zentrale Problem nicht ein: In Israel gibt es Gerichtsverfahren. Die PA alimentiert Terroristen, feiert sie öffentlich als Helden und benennt Schulen, Straßen und Plätze nach ihnen.

    Das ist eindeutig ein Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit.
    Wie auch die Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit durch Abbas, die Folter in palästinensichen Gefängnissen.

      Michael K., Donnerstag, 03.08.17, 17:01 Uhr

      Gunther, als Besatzungs-,als starke Militärmacht hat man eine Verantwortung für die Menschen, die man kontrolliert und unterdrückt. Die Frage ist, welche Erwartungen darf ein besetztes Volk haben, wel ...

      Gunther, als Besatzungs-,als starke Militärmacht hat man eine Verantwortung für die Menschen, die man kontrolliert und unterdrückt. Die Frage ist, welche Erwartungen darf ein besetztes Volk haben, welche Erwartungen kann man einer Besatzungsmacht zubilligen?

      Ein israelisches Gericht hat den Soldaten einer Besatzungsarmee wegen vorsätzlichen Mordes zu 18 Monaten Haft verurteilt. Der Chef der Regierung u.a. setzen sich für eine Begnadigung ein. Auch das Volk feiert ihn als Held.

      Der für den Mord an einer jüdischen Siedlerfamilie verantwortliche Palästinenser wird getötet. Der Regierungschef der Besatzungsmacht fordert generell die Todesstrafe für Terroristen, das Haus in dem der Mörder gewohnt hat (könnte Elternhaus sein) wird zerstört und das Dorf, aus dem der Mörder stammt ist Ziel systematischer, nächtlicher Übergriffe von israelischen Soldaten, die Strasseneingänge ins Dorf werden blockiert.

      Du siehst, Rechtsnormen werden von der Besatzungsmacht bestimmt.

    gunther, Donnerstag, 03.08.17, 5:48 Uhr

    martina, über die "Renten" für Terroristen und deren Familien können Sie sich informieren in einem Artikel des "Tagesspiegel" vom 06.10.2016. Dort können Sie auch lesen, dass sogar die Bundesregierung ...

    martina,

    über die „Renten“ für Terroristen und deren Familien können Sie sich informieren in einem Artikel des „Tagesspiegel“ vom 06.10.2016. Dort können Sie auch lesen, dass sogar die Bundesregierung die Tatsache dieser Zahlungen bestätigt hat.

    Die PA gibt die Hälfte der intern. Hilfsgelder für diese Zahlungen aus.

    Der gescheiterte Attentäter Khaled Rajoub sagte aus: Es ist am besten, Soldaten zu töten. Die sind bewaffnet und werden auf mich schießen und mich töten. Aber wenn ich keine Soldaten töten kann, versuche ich Siedler oder Wachleute zu erwischen – eigentlich jedes erdenkliche israelische Ziel. Wichtig ist dabei, dass ich sterbe, damit meine Kinder einen Zuschuss bekommen und ein glückliches Leben haben.

    gunther, Dienstag, 01.08.17, 7:03 Uhr

    Ein Terrorist ist ein Terrorist. Wenn er mordet, ist er ein Mörder. Kein Freiheitskämpfer. Überhaupt geht es der PA nur um Freiheit: Abschaffung der Pressefreiheit, systematische Folter in den Gefängn ...

    Ein Terrorist ist ein Terrorist. Wenn er mordet, ist er ein Mörder. Kein Freiheitskämpfer.
    Überhaupt geht es der PA nur um Freiheit: Abschaffung der Pressefreiheit, systematische Folter in den Gefängnissen der PA, de-facto-Gleichstellung der Frau …

    Atticus Finch, Montag, 31.07.17, 15:14 Uhr

    Ein Mörder ist ein Mörder ist ein Mörder. Wer das Video gesehen hat, kann der Version des Angeklagten kaum Glauben schenken. Und der Generalstabschef täte gut daran, die Begnadigung abzulehen, um solc ...

    Ein Mörder ist ein Mörder ist ein Mörder.
    Wer das Video gesehen hat, kann der Version des Angeklagten kaum Glauben schenken. Und der Generalstabschef täte gut daran, die Begnadigung abzulehen, um solches Verhalten in seiner Truppe nicht zu unterstützen und um der Militärjustiz nicht in den Rücken zu fallen.
    Wo ist Ariel um mir zu widersprechen?

      ariel, Montag, 31.07.17, 22:12 Uhr

      wie gut, dass wir hier einen qualifizierten richter haben, der anhand einer kurzen videoaufnahme, einen urteil faellen kann. waeren sie frueher gekommen, haetten sie die ganzen prozesskosten dem israe ...

      wie gut, dass wir hier einen qualifizierten richter haben, der anhand einer kurzen videoaufnahme, einen urteil faellen kann. waeren sie frueher gekommen, haetten sie die ganzen prozesskosten dem israelischem steuerzahlen sparren koennen. echt schade.

      gunther, Dienstag, 01.08.17, 1:42 Uhr

      In Israel gibt es geordnete Gerichtsverfahren. Im Westjordanland werden Attentätet, Terroristen und Mörder bzw. deren Familien durch die PA mit monatlicher Rente von bis zu 3000 Euro finanziert, die T ...

      In Israel gibt es geordnete Gerichtsverfahren.
      Im Westjordanland werden Attentätet, Terroristen und Mörder bzw. deren Familien durch die PA mit monatlicher Rente von bis zu 3000 Euro finanziert, die Täter öffentlich als Helden gefeiert und Straßen und Schulen nach ihnen benannt.
      Vergleichen Sie diese Rente mit dem durchschnittlichen Monatseinkommen.
      Der PA-Haushalt für die Renten beträgt jährlich über 300 Mio Euro.
      Dann wenden Sie doch Ihre Aussage mal auf die Terroristen im Westjordanland an.
      Noch was?

      Michael K., Dienstag, 01.08.17, 13:05 Uhr

      Gunther, du bist gut orientiert. Netanyahu, Lieberman würden dir voll und ganz zustimmen. Das ist doch 'was! Wie du weisst, setzten sie sich für eine Begnadigung des Täters ein. Hast du einmal darüber ...

      Gunther, du bist gut orientiert. Netanyahu, Lieberman würden dir voll und ganz zustimmen. Das ist doch ‚was! Wie du weisst, setzten sie sich für eine Begnadigung des Täters ein.

      Hast du einmal darüber nachgedacht, warumTerror entsteht? Auch wie man ihn wieder loswerden kann?

      Habe gerade gelesen, dass das Dorf aus dem der Täter kam, der kürzlich in einer israelischen Siedlung in der West Bank drei Menschen umgebrscht hat, dass die dort lebenden Palästinenser nächtlich von israelischen Truppen heimgesucht, misshandelt werden. Die Strasseneingänge zum Dorf sind durch Erdwälle versperrt. (Haaretz, Amira Hass). Eine solche kollektive Abstrafung erzeugt Angst, aber auch Zorn gegen die Besatzung. Was darauf folgt oder erfolgen kann ergibt sich von selbst.

      Gerichtswesen scheinen sehr unterschiedlich zu funktionieren, abhängig davon ob man Besatzer ist oder Besetzter.

      martina, Mittwoch, 02.08.17, 13:40 Uhr

      ariel. hätte die aufnahme früher begonnen, hätte man den anschlag des terroristen sehen können. stimmt. aber was noch? das den anschließenden todschlag des soldaten mit der waffe zeigt. was wäre noch ...

      ariel. hätte die aufnahme früher begonnen, hätte man den anschlag des terroristen sehen können. stimmt. aber was noch? das den anschließenden todschlag des soldaten mit der waffe zeigt. was wäre noch zu sehen gewesen?

      martina, Mittwoch, 02.08.17, 13:43 Uhr

      gunther. gott sei dank gibt es gerichte. meinen sie damit, das die familie dankbar sein muss, das ihr sohn, der attentäter tot sein muss? damit sie eine rente bekommen. das ist sowas von zynisch von i ...

      gunther. gott sei dank gibt es gerichte. meinen sie damit, das die familie dankbar sein muss, das ihr sohn, der attentäter tot sein muss? damit sie eine rente bekommen. das ist sowas von zynisch von ihnen.
      im grunde rechtfertigen sie den todschlag des attentäters durch den soldaten. das empfinde ich als menschenverachtend von ihnen.

      Ismael Isaak, Freitag, 04.08.17, 3:29 Uhr

      Ein Mörder ist ein Mörder ist ein Mörder? Das stimmt so nicht. Denn ein Palästinenser, der eine Familie abschlachtet, bekommt dafür noch Geld. Abgesehen davon, dass er, wenn er getötet wird, ja als Mä ...

      Ein Mörder ist ein Mörder ist ein Mörder? Das stimmt so nicht. Denn ein Palästinenser, der eine Familie abschlachtet, bekommt dafür noch Geld. Abgesehen davon, dass er, wenn er getötet wird, ja als Märtyrer im Paradies landet. Wie zynisch muss man sein. Und wenn ich mir vorstelle, dass ein 18 oder 19 jähriger ein solches Bild vor Augen hat, kann ich seine Aktion zwar nicht gutheissen, aber doch nachvollziehen.