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Gegen Gewalt

Israelinnen protestieren – ihr Vorwurf: Polizei und Regierung tun zu wenig, um Gewalt gegen Frauen zu verhindern

In Israel sind seit Anfang des Jahres 24 Frauen getötet worden, meist von Partnern oder Ex-Partner. Vor allem die beiden jüngsten Fälle sorgen für Bestürzung. Nun gingen Frauen im ganzen Land auf die Straße.

Von Benjamin Hammer
Am 05.12.2018

Im ganzen Land legten Frauen gestern den Verkehr lahm, so wie hier auf einer großen Straßenkreuzung in Tel Aviv. „Ich bin eine Frau. Ich streike“, skandierten die Israelinnen. Und wollten damit zum Ausdruck bringen: Uns reicht’s. Seit Anfang des Jahres wurden in Israel 24 Frauen getötet –  50 Prozent mehr als im Vorjahr. Und mehr als zum Beispiel in Deutschland, wenn man die Zahl der Einwohner berücksichtigt. Vor allem zwei Fälle sorgen in Israel für Bestürzung: Ende November wurde im Norden von Israel eine 16-jährige arabische Israelin getötet. In Tel Aviv wurde ein 13-jähriges Mädchen getötet, das aus Eritrea stammt. Im Verdacht: der Ex-Partner ihrer Mutter.

24 unserer Schwestern wurden ermordet. Darunter eine 13-Jährige. In den letzten Monaten hat sich das Mädchen vier Mal bei der Polizei gemeldet. Sie wurde ermordet von einer Person, die der Polizei gut bekannt war. Wir Frauen haben die gleichen Rechte. Aber wir werden anders behandelt.

— Gabriella Dekalo Dor, Feministin und Aktivistin
Auch in Jerusalem gingen Frauen auf die Straße. Foto: dpa | picture alliance

Rund 50 Frauenrechtsorganisationen hatten zu den Protesten aufgerufen. Sie werfen der Polizei und der israelischen Regierung vor, nicht genug gegen Gewalt gegen Frauen zu unternehmen. Die männlichen Täter kennen ihre Opfer meistens. Oft sind es die Partner oder Ex-Partner der Frauen. Rund die Hälfte der Morde wurde an arabischen Israelinnen verübt, obwohl die nur 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Ich entziehe mich nicht er Verantwortung, die wir als Gesellschaft tragen. Aber ich sage auch, dass die Kriminalität hoch ist, die Polizei ist nicht präsent und das führt zu weiteren Morden. Das Gesetz wird nicht vollstreckt.

— Sondos Salah, arabisch-israelische Frauenrechtsorganisation Ta’al

Die Proteste und die Wut vereinen die Israelis – über gesellschaftliche Grenzen hinweg. Jüdinnen und Araberinnen gingen gemeinsam auf die Straße. Dass etwas unternommen werden muss, ist eigentlich Konsens in Israel. Viele Unternehmen gaben ihren weiblichen Angestellten gestern frei, um zu demonstrieren. Auch die Frau des israelischen Präsidenten beteiligte sich. Doch es gibt Streit zwischen der israelischen Regierung und der Opposition. Die Regierung beschloss ein Notfallprogramm mit einem Budget von umgerechnet 60 Millionen Euro. Damit soll zum Beispiel die Arbeit der Polizei verbessert werden. Doch das Geld ist noch nicht ausgezahlt worden.

Es heißt immer, diese Sache hätte nichts mit Opposition oder Regierungskoalition zu tun: Dann beweist es. Stellt das Budget dafür bereit. Gebt die Gelder heraus. Gebt den Häusern, in denen unter Gewalt leidende Frauen wohnen, Geld. Wenn die Regierung sagen will, dass sie etwas tut, dann ist jetzt die Zeit dafür gekommen.

— Oppositionsführerin Tsipi Livni

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu besuchte vor Kurzem ein Frauenhaus, das Opfern von Gewalt Schutz bietet. Er kündigte eine Kommission der Regierung an, um die Lage zu verbessern. Im israelischen Parlament hatte der Premierminister gegen den Antrag der Opposition gestimmt, einen Untersuchungsausschuss zum Thema einzurichten. Das sorgte sogar für Kritik von Sara Netanjahu – seiner Ehefrau.

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4 thoughts on “Gegen Gewalt”

    Simon, Mittwoch, 05.12.18, 11:48 Uhr

    In der Sache absolut richtig, aber warum demonstrieren sie angesichts der Zahlen nicht in Ramallah oder Jaljulia?

    In der Sache absolut richtig, aber warum demonstrieren sie angesichts der Zahlen nicht in Ramallah oder Jaljulia?

      Knut, Mittwoch, 05.12.18, 21:41 Uhr

      @ Simon Weil nun einmal ein jeder vor seiner Tür kehren möge. Auch in Deutschland übrigens: Das halbe Land hyperventiliert, spielt sich plötzlich maximal frauenverstehend auf und greift zur Selbstjust ...

      @ Simon

      Weil nun einmal ein jeder vor seiner Tür kehren möge. Auch in Deutschland übrigens: Das halbe Land hyperventiliert, spielt sich plötzlich maximal frauenverstehend auf und greift zur Selbstjustiz, wenn sich einige „Nicht-Deutsche“ an Frauen vergreifen. Jeder Fall ist einer zu viel, definitiv. Aber wie viele „Bio-Deutsche“ vergreifen sich denn an ihren Frauen? Unsicht- und hörbar in den eigenen vier Wänden! Wie viele werden geschlagen, verletzt oder getötet? Wer spricht über jene Tausende, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind? Stimmt da überhaupt noch die Symmetrie, auch in der breiten Berichterstattung? Ja, auch in Deutschland werden Plätze in Frauenhäusern immer knapper…

      Renate, Donnerstag, 06.12.18, 7:08 Uhr

      Seit wann fahren Israelinnen zum Demonstrieren nach Ramallah?

      Seit wann fahren Israelinnen zum Demonstrieren nach Ramallah?

    ariel, Mittwoch, 05.12.18, 9:45 Uhr

    nach einer angenommenen un resolution ist israel daran schuld, dass araber ihre frauen schlagen und toeten.

    nach einer angenommenen un resolution ist israel daran schuld, dass araber ihre frauen schlagen und toeten.