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Euphorie verflogen?

Die Flaggen sind gehisst, Israel ist bereit für den US-Präsidenten. Doch was erwarten die Menschen von seinem Besuch?

Die Planung war chaotisch. Bis zum letzten Moment wurden von amerikanischer Seite Termine geändert oder abgesagt. Nun aber landet Trump heute in Israel für einen 26-stündigen Besuch. Die Anspannung ist groß, die Sicherheitsvorkehrungen so streng wie selten. Doch die Euphorie vieler Menschen hält sich in Grenzen.

Von Torsten Teichmann
Am 22.05.2017

Es wird gebaggert und gehämmert: In Leschem entstehen neue Wohnungen für Siedler, im von Israel besetzen Westjordanland. Daran werde auch US-Präsident Trump nichts ändern, vermutet Rotem Stern. Sie wohnt mit ihrer Familie gleich neben der Baustelle.

Ich weiß, dass Trump gut für die Juden ist und das reicht mir. Vielleicht kommt er her, um die Verhandlungen aufzufrischen? Ich habe keine Ahnung. Auf jeden Fall erwarte ich nicht, dass irgendein Wunder geschehen wird. Was soll schon geschehen? Judäa und Samaria werden sie schon nicht zurückgeben.

— Rotem Stern, Siedlerin
Beim Siedlungsbau solle sich Israel etwas zurückhalten, sagte Trump beim Besuch des israelischen Premiers in Washington. Doch noch wird fleißig weitergebaut. Foto: Torsten Teichmann

Judäa und Samaria sind die biblischen Namen für das Westjordanland, die vor allem die Siedler verwenden. Rotem Stern klingt überzeugt. Doch US-Präsident Trump wird bei seinem Besuch einmal mehr von der israelischen Regierung Zurückhaltung beim Siedlungsbau verlangen. Die Euphorie aus den Wochen nach Trumps Wahlsieg ist verflogen. So habe Ministerpräsident Netanjahu die Minister verpflichten müssen, am Empfang auf dem Flughafen teilzunehmen, schreibt die Tageszeitung Haaretz. Das Chaos bei der Reiseplanung war groß, erst sollten die Minister teilnehmen, dann wieder nicht, dann sollten sie nur zusehen können, dafür aber mehr als zwei Stunden vorher da sein. Vielen Ministern war das zu viel Aufwand. Und Netanjahu war verärgert über sein Kabinett. Schließlich will er die Freundschaft zu den USA demonstrieren:

Mit US-Präsident Trump bespreche ich Wege, wie wir die einmalige und belastbare Beziehung zu den Vereinigten Staaten noch stärken können. Die Menschen in Israel erwarten den Präsidenten mit offenen Armen.

— Premier Benjamin Netanjahu

Ein Thema wird mit Sicherheit der US-Militärdeal mit Saudi-Arabien sein, den Trump am Wochenende in Riad unterzeichnet hatte, weniger seine Rede zum Islam. Denn Israels Energieminister Juwal Steinitz sieht bereits Israels Sicherheitsinteressen in Gefahr: „Wir müssen sicherstellen, dass die Militärhilfe für Saudi-Arabien von hunderten Milliarden Dollar nicht Israels Vorsprung gefährdet.“

In Jerusalem sind für den Besuch des Präsidenten seit dem Wochenende Straßen gesperrt. Helikopter proben die Landung auf dem Parkplatz der alten Bahnstation. Der Kunstgewerbeladen von Harout Sandrouni im armenischen Viertel der Altstadt ist von den Behörden bereits verschlossen worden:

Die Stadt wird nach Angaben der Polizei ab dem Jaffator geschlossen sein, der gesamte Weg ist dicht, man kann da nicht mal mehr laufen. Geschlossen für Fußgänger, für Autos, für alle.

— Harout Sandrouni, Händler in der Altstadt von Jerusalem
Harout Sandrouni musste seinen Laden in der Altstadt erst mal schließen: Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch, der Alltag in Jerusalem wird bis Dienstag stillstehen. Foto: BR | Tim Aßmann

So etwas habe er noch nicht erlebt, sagt Sandrouni. Und er hatte schon die Frau von US-Präsident Carter im Geschäft. Der Sprecher der Polizei, Micky Rosenfeld, bestätigt die Beispiellosigkeit des Einsatzes indirekt: „Insgesamt haben wir 10.000 Polizisten im Einsatz. Dazu gehören Antiterroreinheiten, spezielle Wacheinheiten und verdeckte Ermittler.“

Kleine Fortschritte im Westjordanland

Auch auf palästinensischer Seite bereitet sich die Polizei vor. Und in den vergangenen Tagen sind in Bethlehem Straßen entlang der neun Meter hohen israelischen Sperrmauer geteert worden. Es waren zuvor Baustellen, die wochenlang offenstanden. Mehr Ergebnisse erwarten Palästinenser aber nicht. Der palästinensische Wirtschafsberater Sam Bahour ist besonders skeptisch: „Effekthascherei, Pressefotos und nichts Greifbares. Trump versucht, seine Krise daheim in den USA zu überdecken, mit Fortschritten in einem weltweit bekannten Konflikt.“ Das sei kein Immobilien-Deal, so Bahour. Wenn Trump das nicht begreift, werde er in Nahost scheitern.