Foto: dpa | picture alliance

Erste Reise ins Heilige Land

Zum ersten Mal kommen die Regensburger Domspatzen nach Israel und in die palästinensischen Gebiete

Der Knabenchor war schon viel in der Welt unterwegs – nur im Heiligen Land noch nicht. Nun, 70 Jahre nach der Staatsgründung Israels, reisen sie in die Region. Die eigene Vergangenheit unter dem Hakenkreuz hat der Chor dabei im Gepäck. Ein Beitrag von BR-Reporter Kilian Neuwert.

Von Studio Tel Aviv
Am 06.09.2018

Der Wind wiegt die Äste der Bäume in einem Jerusalemer Kirchhof sanft hin und her. In ihrem Schatten nimmt Marion Giladi Platz. Sie ist Reiseleiterin mit jahrelanger Erfahrung im Heiligen Land. Gerade ist die Pilgergruppe, die sie führt, eigenständig unterwegs. Marion Giladi hat ein paar Minuten Zeit für ein Gespräch. In den kommenden Tagen wird sie die Regensburger Domspatzen begleiten.

Ich gehe mal davon aus, dass das mit den Domspatzen schon etwas anders sein wird, weil meine Pilgergruppen normalerweise auf dem Pilgerweg hier sind. Sie besuchen die Kirchen, haben aber nur selten die Begegnung mit der Bevölkerung im Land und ich glaube, das wird mit den Domspatzen anders sein.

— Marion Giladi, Reiseleiterin

Wenn der weltbekannte Knabenchor ins Heilige Land kommt, sollen Begegnungen eine wichtige Rolle spielen. Neben Konzerten an biblischen Orten wie Nazareth werden die Domspatzen Kirchen und Schulen besuchen. Weil die Ziele in Israel und den palästinensischen Gebieten liegen, rechnet Marion Giladi damit, dass es eine eindrückliche Reise wird – in vielerlei Hinsicht.

Sobald wir irgendwo Richtung Bethlehem fahren, kommen wir natürlich in Kontakt mit Checkpoints, anders, als wenn man nach Nazareth hineinfährt. Nazareth liegt in Israel, das ist, wie wenn man in Deutschland herumfahren würde. Aber für Orte, die in den autonomen Gebieten liegen, muss ich Checkpoints passieren. Das ist eine neue Erfahrung. Das ist egal, ob ich meine Pilgergruppen habe oder ob ich nun die Domspatzen haben werde.

— Marion Giladi, Reiseleiterin

An einem Julitag in Regensburg legt der Domspatz Jakov Wallbrecher seine Notenblätter zusammen. Der Chor trifft sich zur ersten Probe für die Reise ins Heilige Land. Für den 14-jährigen Jakov geht es zum ersten Mal mit den Domspatzen ins Ausland: „Ich bin schon sehr gespannt, wie es wird, ob man auch ein wenig Zeit hat, sich die Orte selbst anzuschauen.“ Im Regensburger Probensaal hängen Fotos von vergangenen Reisen: Die Domspatzen auf den Philippinen, in Japan oder Südafrika. Doch das Heilige Land hat der Chor noch nie besucht. Eine besondere Reise, sagt Domkapellmeister Roland Büchner – schließlich thematisieren viele der Gesänge der Domspatzen biblische Geschehnisse:

Für den Chor bedeutet es sicher, dass er das, was er singend verkündet, vor Augen geführt bekommt. Einfach in dieses Umfeld hineinzukommen und damit auch diese biblische Sprache besser zu verstehen. Auch durch die Landschaft und alles, was einen dort umgibt. Das ist eine große Erfahrung.

— Roland Büchner, Domkapellmeister

Die Reise erfolgt anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Staates Israel. Der Chor hat dabei auch die eigene Geschichte im Gepäck: Die Rolle der Domspatzen unter dem Hakenkreuz: „Man hat sich Geld erhofft und man hat sich schon auch angenähert. Und das ist ein dunkles Kapitel unserer Geschichte und mit der werden wir sicher dort auch wieder konfrontiert werden.“ Fotos von damals zeigen Domspatzen auf dem Obersalzberg. Dort sangen sie für ihren Gönner: Adolf Hitler. Jetzt, 73 Jahre nach Kriegsende, ist auch ein Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem geplant. Während mit der Reise ins Heilige Land für Domkapellmeister Büchner ein lang gehegter Traum in Erfüllung geht, freut sich Reiseleiterin Marion Giladi, dem Chor die Augen für das Land, seine Menschen und deren besondere Situation öffnen zu können.

Ich denke, dass man mit jungen Menschen anfangen muss. Die sind offener, haben dieses Schubladendenken der Erwachsenen oft noch nicht. Deswegen ist es eine gute Sache, hier mit Jugendlichen rüberzukommen. Und grade dieser Chor ist etwas Besonderes, da es nicht nur bei Gesprächen bleiben wird. Musik verbindet. Das ist ganz wichtig.

— Marion Giladi, Reiseleiterin

Google Maps-Vorschau - es werden keine Daten von Google geladen.