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Ende für die Friedensinsel

Vor 25 Jahren unterzeichneten Israel und Jordanien den Friedensvertrag – doch es blieb ein kalter Frieden

Jahrelang haben israelische Landwirte Felder auf jordanischer Seite bestellen dürfen. Insel des Friedens wurde das Gebiet genannt. Mitte November wird sich das wohl ändern.

Von Benjamin Hammer
Am 24.10.2019

Landwirt Oran Reuveni schaut auf die Felder mit Oliven, Avocados, Mangos und Datteln, die seine Familie jahrzehntelang bestellt hat. Doch zwischen Reuveni und den Feldern liegt eine Brücke mit zwei Flaggen: die Grenze. Oran Reuveni ist Israeli, seine Felder liegen in Jordanien. Und es ist gut möglich, dass er sie nie wieder betreten kann.

Das letzte Mal habe ich die Grenze glaube ich vor acht Monaten passiert. Da haben wir den Olivenanbau gestoppt. Wenn dieses Land wieder an Jordanien geht, wollen wir dort keinen einzigen Schekel mehr ausgeben.

— Oran Reuveni, Landwirt

Wenige Meter entfernt fließen der Jordan und der Yarmouk. Naharayim, „zwei Flüsse“, heißt die Gegend auf Hebräisch. Auf Arabisch heißt sie Baqoura. Die jüdischen Vorgänger des israelischen Bauern Reuveni arbeiteten hier bereits vor der Staatsgründung Israels. Nach dem Krieg im Jahr 1948 war die Gegend jahrzehntelang umstritten. 1994 dann der historische Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien. Darin wurde bekräftigt, dass das Gebiet zu Jordanien gehört. Eine Zusatzklausel räumte israelischen Bauern jedoch ein, das Land zu pachten und zu nutzen – eine Vereinbarung mit großer Symbolik. Sie stand vor 25 Jahren für die Hoffnungen, die beide Seiten mit dem Friedensvertrag verbanden. Doch der Frieden zwischen Israel und Jordanien blieb ein kalter Frieden. Und so verkündete Jordaniens König Abdullah fristgerecht vor einem Jahr, die Vereinbarung nicht zu verlängern.

Ich habe schon oft gesagt, dass unsere Priorität sein muss, unsere Interessen zu schützen. Alles für Jordanien und die Jordanier zu tun. Ich ordne daher an, die Vereinbarung zu beenden. Wir wollen volle Souveränität auf unserem Land.

— König Abdullah von Jordanien

„Insel des Friedens“ nennen die Israelis die Gegend, die sie ab Mitte November nicht mehr nutzen dürfen. 1997 hatte hier ein jordanischer Soldat sieben israelische Schülerinnen erschossen. Hussein, damals König von Jordanien, fuhr sofort nach Israel und entschuldigte sich bei den Familien. Eine Geste, für die ihm viele Israelis Anerkennung zollten. Die „Insel des Friedens“ sollte trotz der gewaltvollen Geschichte zwischen Israel und Jordanien Hoffnung machen. Doch ein Ort der Begegnung wurde es nie. Die einzigen Jordanier, die Oran Reuveni bei seiner Arbeit traf, waren Grenzsoldaten. Dabei hätte er sich eine enge Zusammenarbeit mit den Nachbarn gut vorstellen können.

Der große Traum jedes israelischen Landwirtes im Jordantal ist doch, dass jordanische Arbeiter auf unsere Felder kommen. Wir haben kein Land. Sie haben es. Wir haben die Technik und das Knowhow, sie haben das etwas weniger. Ich glaube, zusammen würden beide Seiten gewinnen.

— Oran Reuveni, Landwirt

Oran Reuveni macht den Jordaniern keine Vorwürfe. Für ihn sei die israelische Regierung zuständig. Die habe versagt und keinen Kompromiss gefunden.

Dieses Gebiet ist ein großer Teil von mir. Ich habe keinen großen Hoffnungen, dass es noch eine Einigung gibt. Die einzige Chance ist, dass uns König Abdullah einen Gefallen tut.

— Oran Reuveni, Landwirt

Doch danach sieht es aktuell nicht aus. Spätestens ab Mitte November dürfte das Gebiet – das zu einer gemeinsamen Insel des Friedens werden sollte – vollständig an die Jordanier fallen.

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1 thought on “Ende für die Friedensinsel”

    ariel, Donnerstag, 24.10.19, 9:35 Uhr

    der jordanische soldat, der 7 israelische schuelerinen ermordete, hat 20 jahre bekommen und ist bereits aus der haft entlassen worden. eine sehr schoene jordanische gaeste. dass der frieden kalt ist, ...

    der jordanische soldat, der 7 israelische schuelerinen ermordete, hat 20 jahre bekommen und ist bereits aus der haft entlassen worden. eine sehr schoene jordanische gaeste.

    dass der frieden kalt ist, liegt nicht am israel. jordanien laesst keine normalisierung zu. das land laesst zwar israelis rein, da es eine sehr gute geldquelle ist, aber eine gemeinsame wirtschaftzone oder aehnliche sachen sind nicht drin. im parlament kommt es immer wieder zu antiisraelischen aussagen.

    jordanien hat viel nutzen am israel. so bekommt es wasser aus dem see genezareth und darf de facto das tempelberg ueberwachen, was fuer das landesstatus sehr wichtig ist. und so lange jordanien beziehungen zu israel unterhaelt, darf es auf us unterstuetzung hoffen.

    jordanien ist ein armes land ohne bodenschaetze, aber mit einer relativ guten armee und geheimdiensten. die gesellschaft besteht aus grossfamilien, welche nicht immer die regierungslinie mithalten. jordanien kann in jedem moment auseinanderbrechen.