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Einsteins unbekannte Briefe

Zum 140. Geburtstag des Wissenschaftlers präsentiert die Hebräische Universität weitgehend unveröffentlichte Manuskripte

Unter den Dokumenten sind wissenschaftliche Aufzeichnungen, aber auch persönliche Briefe. In einem Brief an seinen Sohn aus dem Jahr 1935 sorgt sich Einstein – damals bereits in den USA – vor dem Aufstieg der Nationalsozialisten.

Von Benjamin Hammer
Am 08.03.2019

Bericht: Mike Lingenfelser | Kamera: Michael Shubitz | Schnitt: Ethan Spilkin

Am 11. Januar 1935 – zwei Jahre, nachdem die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernommen hatten – schreibt Albert Einstein einen Brief an seinen Sohn. Der jüdische Wissenschaftler lebte und forschte damals in der Universitätsstadt Princeton in den USA.

 

Ich bin so sehr unter den Klauen des mathematischen Teufels, dass ich zu gar keiner privaten Schreiberei komme. Mir geht es recht gut und ich lebe arbeitsam und zurückgezogen. Nach Europa komme ich wohl nicht in absehbarer Zeit, weil ich den mich dort erwartenden Strapazen wohl nicht gewachsen wäre.  Und schließlich hat man als alter Knabe ein Recht, sich zurückzuziehen.

— Albert Einstein, Brief von 1935

110 bisher weitgehend unbekannte Briefe und Aufzeichnungen des Physikers präsentiert die Hebräische Universität in Jerusalem. Sie zeigen Berechnungen Einsteins in akribisch sauberer Handschrift. Aber auch persönliche Briefe, die  Einblicke in das Privatleben des Physikers gewähren. Der Israeli Hanoch Gutfreund ist wie Einstein Professor für theoretische Physik – und akademischer Direktor des Einstein-Archivs der Hebräischen Universität.

Wir haben eine große Sammlung von bedeutenden Werken erhalten. Das ist für uns etwas ganz Großes. Ein Grund zum Feiern. Es war Einsteins Wille, dass sein intellektuelles Erbe an der Hebräischen Universität eine ewige Heimat findet.

— Hanoch Gutfreund, Direktor des Einstein-Archivs der Hebräischen Universität 

80.000 Dokumente lagerten bereits auf dem Scopusberg in Jerusalem. Die neuen Seiten erhielt die Hebräische Universität von einem Sammler in den USA. Manche wissenschaftliche Aufzeichnungen stellen die Forscher in Jerusalem noch vor Rätsel. Wann hatte sie Einstein geschrieben? In welchem wissenschaftlichen Kontext? Der Kontext der privaten Briefe ist klarer. In seinem 1935 verfassten Brief an seinem Sohn, der in der Schweiz lebte, schreibt Albert Einstein auch über die Nationalsozialisten.

Ich lese mit einer gewissen Besorgung, dass in der Schweiz auch eine erhebliche Bewegung durch die deutschen Banditen ist. Hoffentlich kommt es nicht noch zu einem europäischen Kriege. Die deutschen Rüstungen müssen äußerst gefährlich sein, aber das übrige Europa fängt nun an, die Sache endlich ernst zu nehmen.

— Albert Einstein, Brief von 1935

Einstein hoffte vier Jahre vor Beginn des zweiten Weltkrieges noch, dass die Nationalsozialisten mit ihrem Wahnsinn scheitern würden. Kurz zuvor hatten ihn die Nazis ausgebürgert. In seine frühere Heimat Deutschland kehrte Einstein nie wieder zurück, auch nicht nach dem Krieg. Albert Einstein war nie ein strenggläubiger Jude. Die Verbindung zum Judentum wuchs jedoch im Laufe seines Lebens. In den 20er Jahren half er bei der Gründung der Hebräischen Universität in Jerusalem.

Ein Biograf hat das Judentum als zweite Verpflichtung von Einstein beschrieben, neben der Physik. Die deutlichste Verbindung zum Judentum ist die Hebräische Universität. Für ihn war sie ein Raum für seine jüdischen Werte in modernen Zeiten.

— Hanoch Gutfreund, Direktor des Einstein-Archivs der Hebräischen Universität

Hebräisch lernen – das war für Albert Einstein aber keine Option. Im Brief an einen Freund schreibt er, dass er sich lieber dafür schäme, als dass er die Sprache lerne. Albert Einstein war viel mehr als nur ein theoretischer Physiker. So sieht es Hanoch Gutfreund: „The letters really reflect him as a Mensch.“ Das Wort „Mensch“ gibt es auch in der jiddischen Sprache. Albert Einsteins Briefe, sagt der israelische Physikprofessor, zeigten ihn als einen guten Menschen. Den Brief an seinen Sohn unterzeichnete Albert Einstein mit: „Papa.“

Kommentare

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10 thoughts on “Einsteins unbekannte Briefe”

    Lotte, Sonntag, 10.03.19, 11:23 Uhr

    Liebes ARD-Team, warum wurden Teil 1/bzgl. Zionismus, Teil 2/bzgl. Israel, Teil 3/bzgl. Humor- korrekt zitiert aus Alice Calaprice "Lieber Herr Einstein ... Albert Einstein beantwortet Post von Kinder ...

    Liebes ARD-Team,
    warum wurden Teil 1/bzgl. Zionismus, Teil 2/bzgl. Israel, Teil 3/bzgl. Humor- korrekt zitiert aus Alice Calaprice „Lieber Herr Einstein … Albert Einstein beantwortet Post von Kindern“- nicht durchgestellt ?

      Studio Tel Aviv, Sonntag, 10.03.19, 13:30 Uhr

      Lesen Sie sich bitte die Netiquette, besonders bzgl. des Zitierens durch. http://www.ard.de/home/ard/ARD_de_Netiquette/119854/index.html

      Lesen Sie sich bitte die Netiquette, besonders bzgl. des Zitierens durch.
      http://www.ard.de/home/ard/ARD_de_Netiquette/119854/index.html

    Lotte, Samstag, 09.03.19, 14:57 Uhr

    Teil 4 "Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu könnnen, muss man v.a. ein Schaf sein." Mein persönliches Lieblingszitat :-)

    Teil 4

    „Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu könnnen,
    muss man v.a. ein Schaf sein.“

    Mein persönliches Lieblingszitat 🙂

      martina, Montag, 11.03.19, 21:52 Uhr

      hallo lotte sie haben hier im einen zusatzartikel in dem blog über albert einstein geschrieben. allerdings fehlen dabei wesentliche elemente: Er sieht sie dabei aber auch als mit Medikamenten, medizin ...

      hallo lotte
      sie haben hier im einen zusatzartikel in dem blog über albert einstein geschrieben.
      allerdings fehlen dabei wesentliche elemente: Er sieht sie dabei aber
      auch als mit Medikamenten, medizinischem Gerät undZuckerstangen zu zivilisierende Naive, „unmündige Kinder“, ja Wilde. das mag der zeit geschuldet sein usw. der link dazu https://nfp-md.de/schulmaterial/Albert_Schweitzer_Schulmaterial.pdf
      genau das ist eben der punkt für mich. im beitrag Tel Aviv im ESC-Fieber habe ich nochmals detailliert geantwortet, warum ich das so nicht stehen lassen kann. es kann sein, das sie es nicht mehr gelesen haben usw. dort kann man auch nicht mehr kommentieren.
      aber auch hier wieder sehr einseitig zu kommentieren, empfinde ich als genauso übel. sie schildern ihn geradezu als sehr humorvoller mensch ohne schwächen.
      das genau ist der punkt. das ist das gleiche, wie wenn ich als christin luthers antisemitische haltungen verschweige.
      gruß

    Lotte, Samstag, 09.03.19, 14:48 Uhr

    Teil 3 " Liebes Fräulein Ney, Von Elsa höre ich, dass Du nicht zufrieden bist, weil Du den Onkel Einstein nicht gesehen hast. Ich sage Dir daher, wie ich aussehe: Bleiches Gesicht, lange Haare und ein ...

    Teil 3

    “ Liebes Fräulein Ney,

    Von Elsa höre ich, dass Du nicht zufrieden bist, weil Du den Onkel Einstein nicht gesehen hast.
    Ich sage Dir daher, wie ich aussehe: Bleiches Gesicht, lange Haare und eine Art bescheidenes Bäuchlein. Dazu ein eckiger Gang und eine Zigarre im Maul, wenn er eine hat, und einen Federhalter in der Tasche oder in der Hand.
    Krumme Beine und Warzen hat er aber nicht, ist also ganz hübsch, auch keine Haare an den Händen wie oft hässliche Männer.
    Also doch schade, dass Du mich nicht gesehen hast.

    Sei herzlich gegrüsst von
    Deinem Onkel Einstein. “

    (an Elisabeth Ney aus Stuttgart / 30.September 1920)
    (wohl der erste erhalten gebliebene Brief an ein Kind, abgesehen von den eigenen … und Beweis für Humor)

    Lotte, Samstag, 09.03.19, 14:32 Uhr

    Teil 2 Offiziell trat Einstein 1945 in den Ruhestand und wurde Rentner, ... Nach dem Krieg unterstützte er die israelische Regierung, setzte sich für eine Weltenregierung und für Abrüstung ein und unt ...

    Teil 2
    Offiziell trat Einstein 1945 in den Ruhestand und wurde Rentner, …
    Nach dem Krieg unterstützte er die israelische Regierung, setzte sich für eine Weltenregierung und für Abrüstung ein und unterhielt weiterhin Kontakte zu seinen zahlreichen Freunden in aller Welt.

    1952 wurde Einstein das Amt des israelischen Staatspräsidenten angeboten, das er ablehnte (Anmerkung: das war mir neu 🙂 ).

    Heute leben die Nachkommen Einsteins in Kalifornien, der Schweiz und in Israel.

    (Teil 1,2,3 entnommen: „Lieber Herr Einstein … Albert Einstein beantwortet Post von Kindern“/2002)

    Lotte, Samstag, 09.03.19, 14:20 Uhr

    Teil 1 1919 nahm Einstein die deutsche Staatsbürgerschaft wieder an, ... die schweizer Staatsbürgerschaft behielt er jedoch bei. Im Laufe desselben Jahres kam er in Kontakt mit der zionistischen Beweg ...

    Teil 1
    1919 nahm Einstein die deutsche Staatsbürgerschaft wieder an, … die schweizer Staatsbürgerschaft behielt er jedoch bei. Im Laufe desselben Jahres kam er in Kontakt mit der zionistischen Bewegung, deren Ziel es war, in Palästina einen eigenen jüdischen Staat zu errichten. Einstein stellte seinen Namen für dieses Anliegen zur Verfügung, obwohl sein Verständnis des Zionismus mehr kulturell als politisch ausgerichtet war. „Zionismus beinhaltet für mich nicht nur eine Kolonisierungsbewegung in Richtung Palästina. Die jüdische Nation ist ein lebendes Faktum, sowohl in Palästina als auch in der Diaspora, und jüdische Gefühle müssen überall dort, wo Juden leben, lebendig erhalten werden“, schrieb er 1921. Sein Zionismus schlösse Internationalismus nicht aus.

    1922 wurde ihm der Nobelpreis für Physik verliehen.

    Als berühmte Persönlichkeit war er in der Lage, die Dinge, die ihn interessierten bekannt zu machen: z.B. Pazifismus, die Idee einer Weltenregierung und den Zionismus.

    Florian, Samstag, 09.03.19, 6:06 Uhr

    Marco, Sie können mühelos im Netz nachlesen, dass Einstein sowohl für den Zionismus als auch für einen Staat Israel eingetreten ist. Also betreiben Sie hier nicht propalästinensische Geschichtsklitter ...

    Marco, Sie können mühelos im Netz nachlesen, dass Einstein sowohl für den Zionismus als auch für einen Staat Israel eingetreten ist.
    Also betreiben Sie hier nicht propalästinensische Geschichtsklitterung. Das ist zwar inzwischen sehr beliebt, bleibt aber trotzdem falsch.

      Marco, Montag, 11.03.19, 9:22 Uhr

      "I should much rather see reasonable agreement with the Arabs on the basis of living together in peace than the creation of a Jewish state. My awareness of the essential nature of Judaism resists the ...

      „I should much rather see reasonable agreement with the Arabs on the basis of living together in peace than the creation of a Jewish state. My awareness of the essential nature of Judaism resists the idea of a Jewish state with borders, an army, and a measure of temporal power, no matter how modest. I am afraid of the inner damage Judaism will sustain—especially from the development of a narrow nationalism within our own ranks, against which we have already had to fight strongly, even without a Jewish state.“

      Hier nochmal der Nachweis, Einstein hat einen jüdischen Staat abgelehnt und wollte, im Gegensatz zu den zionistischen Führern, einen Staat in dem Christen, Muslime und Juden gleichberechtigt zusammenleben können. Den jüdischen Nationalismus, der mit der Unterdrückung der nicht jüdischen Menschen in Israel einhergeht hat er abgelehnt! Der aktuelle Rassismus der in der israelischen Politik vorherrschend ist hätte Einstein wahrscheinlich zum Unterstützer von BDS werden lassen.

    Marco, Freitag, 08.03.19, 9:20 Uhr

    "Sehr geehrter Herr Rifkin, falls eine wahre und endgültige Katastrophe in Palästina über uns kommen sollte, dann wären dafür erstens die Briten verantwortlich, und zweitens die terroristischen Organi ...

    „Sehr geehrter Herr Rifkin,
    falls eine wahre und endgültige Katastrophe in Palästina über uns kommen sollte, dann wären dafür erstens die Briten verantwortlich, und zweitens die terroristischen Organisationen aus unseren eigenen Reihen.
    Ich bin nicht bereit, jemanden zu treffen, der mit diesen fehlgeleiteten und kriminellen Leuten in Verbindung steht.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Albert Einstein.“

    Einstein war seiner Zeit voraus. Er wusste wer für den Konflikt in Palästina verantwortlich ist. Im Gegensatz zu der Mehrheit der Zionisten hat er den zionistischen Terror abgelehnt statt ihn zu unterstützen. Die Unterdrückung, Entrechtung und Vertreibung der Palästinenser war ihm ein Graus.