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Einsame Weihnachten

Auf dem Weg nach Ägypten soll Jesus in Gaza vorbeigekommen sein – heute sinkt dort die Zahl der Christen drastisch

Weihnachten ist für die christliche Gemeinde im Gazastreifen das wichtigste religiöse Fest. Das hat auch mit der politischen Lage zu tun.

Von Benjamin Hammer
Am 23.12.2018

Die katholische Gemeinde im Gazastreifen ist zahlenmäßig eine der kleinsten der Welt. Der Leiter der Gemeinde heißt Mario da Silva. Der Priester stammt aus Brasilien und lebt seit sieben Jahren im Gazastreifen. Er spricht von noch rund 1100 Christen. Die Zahlen sorgen ihn:

Manche sagen, dass die Zahl schon unter 1000 gefallen ist. Bei den Katholiken ist die Zahl deutlich niedriger. Wir sind 138. Unsere Sorge ist, dass diese Zahl weiter sinkt. Jedes Jahr. Vor zehn Jahren gab es insgesamt 4000 bis 5000 Christen in Gaza. Wir haben also in zehn Jahren mehr als 70 Prozent unserer christlichen Bevölkerung verloren.

— Mario da Silva, Priester im Gazastreifen

Christen gab es im Gazastreifen schon im fünften Jahrhundert. Jesus Christus soll auch schon einmal hier gewesen sein. In der Bibel steht, dass Maria und Josef mit dem Jesuskind nach Ägypten flohen. „In dieser Zeit führte die Route von Bethlehem und Jerusalem nach Ägypten über Gaza. Die heilige Familie lief laut der Tradition also hier entlang. Auch auf ihrem Rückweg“, erklärt da Silva. Heute, 2000 Jahre später, sind die christlichen Gemeinden von Gaza in ihrer Existenz bedroht. Laut Priester da Silva liegt das vor allem an den schlechten humanitären Bedingungen im Küstenstreifen. In den letzten zehn Jahren kam es drei Mal zum Krieg zwischen der Hamas, die Gaza kontrolliert, und Israel. Die Menschen leiden unter der weitgehenden Blockade des Küstenstreifens durch Israel und Ägypten. Aber auch unter dem innerpalästinensischen Machtkampf zwischen der Hamas und der Fatah-Bewegung. Weihnachten, erzählt Mario da Silva, habe für die Christen in Gaza eine ganz besondere Bedeutung.

Am Anfang fand ich das merkwürdig: Für die Christen hier ist Weihnachten wichtiger als das Osterfest, das Fest der Auferstehung also. Ich habe dann aber verstanden, warum das so ist. Weihnachten feiern wir die Geburt des Friedensfürsten. Weihnachten ist das Fest des Friedens. Und die Menschen hier sehnen sich nun einmal nach Frieden.

— Mario da Silva, Priester im Gazastreifen

Auf den Straßen des Gazastreifens weihnachtet es im Moment überhaupt nicht. Gaza ist eine islamische Gesellschaft, in der die islamistische Hamas mit harter Hand regiert. Die Christen von Gaza beteuern: Die Hamas und ihre muslimischen Nachbarn machten keine Probleme. Dennoch habe sich die wirtschaftliche Lage unter der Hamas verschlechtert, sagt Dschamil Tarasi, ein pensionierter Chirurg und Christ.

Wenn Du nicht Mitglied der Hamas bist, hast Du im Gazastreifen schlechte Karten. Egal ob Du Muslim bist oder Christ. Früher war ein bestimmter Anteil von Jobs für Christen reserviert. Aber unter der Hamas gibt es das nicht mehr. Das ist ein weiterer Grund, warum viele von uns den Gazastreifen verlassen, um woanders einen Job zu suchen. 

— Dschamil Tarasi, Christ
Dschamil Tarasi ist einer der letzten verbleibenden Christen im Gazastreifen – und feiert das Weihnachtsfest auch mit muslimischen Freunden. Foto: BR | Benjamin Hammer

Weihnachten wollte Dchamil Tarasi eigentlich in Bethlehem im Westjordanland verbringen. Es liegt nur etwa 70 Kilometer Luftlinie entfernt. Doch die Israelis lehnten seinen Antrag, Gaza zu verlassen, ab. „Das ist sehr traurig. Wir warten darauf, in Bethlehem zu feiern. Und wenn Du fragst: Warum habe ich keine Genehmigung bekommen, bekommst Du von niemandem eine Antwort.“ Die Tarasis feiern Weihnachten also im Gazastreifen. An einem Tag schmeißt Dchamil Tarasi eine große Weihnachtsparty bei sich zu Hause. Mit seinen Freunden. Die meisten von ihnen sind Muslime.

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Kommentare

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5 thoughts on “Einsame Weihnachten”

    Thomas D, Donnerstag, 27.12.18, 21:32 Uhr

    Hi Martina, sorry, dass ich vergessen hatte zu erwähnen, dass mir die einfachen Bewohner des Gazastreifen wirklich sehr leid tun! Sie leiden seit Jahrzehnten unter der Gewaltherrschaft der Hamas. Wenn ...

    Hi Martina,
    sorry, dass ich vergessen hatte zu erwähnen, dass mir die einfachen Bewohner des Gazastreifen wirklich sehr leid tun! Sie leiden seit Jahrzehnten unter der Gewaltherrschaft der Hamas.
    Wenn die Hamas nicht ständig
    – Hass gegen Israel schüren würde
    – wenn sie die Hilfsgelder der UN an die leidende Bevölkerung weiterleiten würde und damit nicht Terrortunnel bauen und Raketen kaufen würde
    – wenn sie glaubhaft Frieden und Versöhnung mit Israel anstreben würden und nicht jeden Freitag die Bevölkerung an den Grenzzaun schicken würde und Geld an die zahlen, die den Zaun beschädigen oder überwinden und verletzt werden

    dann könnte Israel es vielleicht wagen die Grenze mehr zu öffnen. Das wird aber nicht wahr werden, solange die Hamas das Sagen hat. Die Hamas strebt nach wie vor keinen Frieden, sondern die totale Vernichtung Israels an (siehe Hamas Charta, Artikel 13).
    Leider hat das allerdings nicht mal die UN verstanden…
    LG Thomas D

    Thomas D, Montag, 24.12.18, 13:14 Uhr

    Immer wieder liest man, dass die armen Bewohner Gazas unter der "Bokade" von Israel und (wie hier lobenswerter Weise auch einmal erwähnt wird) Ägyptens leidet. Selten bis nie wird erwähnt, warum das s ...

    Immer wieder liest man, dass die armen Bewohner Gazas unter der „Bokade“ von Israel und (wie hier lobenswerter Weise auch einmal erwähnt wird) Ägyptens leidet. Selten bis nie wird erwähnt, warum das so ist. Viele wissen das gar nicht, weil das in den Medien einfach nicht geschrieben wird. Diese Schutzmauer umgibt Gaza seit es Unmengen von Toten auf israelischer Seite durch Bobenattentate und andere Anschläge primär auf Zivisten durch radikale Islamisten vor allem aus Gaza gab (1. und 2. Intifada: zusammen weit über 1000 tote Israelis).
    Weiterhin wird Israel immer wieder vorgeworfen, ein Apatheitsstaat zu sein – ein kleiner Vergleich zur Korrektur:
    In Gaza kann man kaum Christen unter der Bevölkerung finden und schon gar keine Juden – wie im Artikel dargestellt, ist es in Gaza schon sehr schwierig überhaupt Arbeit zu finden. In Israel sitzen Christen und Araber sogar in der Knesset…
    Wenn jemand also irgendwo nach Apartheit sucht, sollte er mal nach Gaza schauen…

      martina, Dienstag, 25.12.18, 0:41 Uhr

      hallo thomas, ich finde es einfach bedauerlich, dass du am heilig abend hier hetzt. ich bin es hier so leid nur eine seite zu hören, wie die von dir. ich gestehe dir aber zu, dass du human versuchst, ...

      hallo thomas,
      ich finde es einfach bedauerlich, dass du am heilig abend hier hetzt.
      ich bin es hier so leid nur eine seite zu hören, wie die von dir.
      ich gestehe dir aber zu, dass du human versuchst, es aus deiner sicht zu schildern.
      warum sich hier hetzen und human nicht unterscheidet bei mir.
      es ist ganz einfach, du schilderst es einseitig. einseitig die toten. einseitig das gaza ein terrorstaat ist. dabei lässt du die toten der anderen aus. und lässt auch aus, das israel von sich behauptet eine demokratie zu sein. das hieße für mich zb auch: keine sippenbestrafung zb durch häuser abbrennen, keine besatzung usw usw.
      gleichwohl bedauere ich zutiefst das leben jedes juden durch irrsinnige judenhasser aus gaza und aller welt!!!!
      ich vermisse einfach zb eine zukunftsversion für den frieden.
      ich vermisse emphatie für die gazianer, die nur in frieden leben wollen.
      ich vermisse: irsrael begeht fehler, ja verbrechen, jeden tag.
      wo ist die andere seite in die andere seite in dir.
      lg

      gunther, Dienstag, 25.12.18, 17:43 Uhr

      IIn der Geschichte des Islam waren Nicht-Muslime grundsätzlich Menschen von minderem Rechtsstatus. Thomas D. hat nicht gehetzt, sondern einfach die Wahrheit geschrieben. Aber schon das wird als Hetze ...

      IIn der Geschichte des Islam waren Nicht-Muslime grundsätzlich Menschen von minderem Rechtsstatus.
      Thomas D. hat nicht gehetzt, sondern einfach die Wahrheit geschrieben. Aber schon das wird als Hetze diffamiert.
      Es ist keine Einseitigkeit, wenn festgestellt wird, das Gaza und die Hamas Terrorismus betreiben. In einer Nacht 400 Raketen auf Israel geschossen. Das ist kein Verbrechen?
      Es ist kein Verbrechen, wenn Zivilisten mit Schusswaffen, Messern und Autos ermordet werden?
      Hamas und Hisbollah haben als klares Ziel die Vernichtung Israels und die Tötung aller Juden weltweit.
      Und dafür muss man/frau Verständnis aufbringen?
      Welche Verbrechen begeht Israel? Das ist dummes Gerede ohne Belege.
      In Israel sind Muslime im Parlament, in der Verwaltung, in der Justiz.
      Diese Angriffe auf Israel sind unerträglich.

      gunther, Dienstag, 25.12.18, 18:17 Uhr

      Endlich habe es auch ich verstanden: Wer Diktatur, Terrorherrschaft und Apartheid im Islam kritisiert, der "hetzt". Wer gegen Israel "hetzt", der ist ein guter Mensch, Kämpfer für Freiheit und Gerecht ...

      Endlich habe es auch ich verstanden:
      Wer Diktatur, Terrorherrschaft und Apartheid im Islam kritisiert, der „hetzt“.
      Wer gegen Israel „hetzt“, der ist ein guter Mensch, Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit?
      In welchem islamischen Herrschaftsgebiet gibt es Demokratie, Gleichstellung der Frau, Menschen- und Freiheitsrechte? Wo gibt es sexuelle Selbstbestimmung?
      Wo gibt es Meinungs- und Pressefreiheit?

      So manche/r schreibt hier einfach nur schnöde Propaganda, ohne den Versuch, den eigenen Verstand zu benutzen. Sapere aude!