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Ein Tod, der Fragen aufwirft

Bei einer Festnahme erschießt Israels Armee einen Verdächtigen in Ramallah – der Tod beschäftigt die Palästinenser

Vergangene Woche stürmte die israelische Armee die Wohnung des 31-jährigen Basil Al-Araj in Ramallah und tötete ihn. Der Vorwurf: Er habe sich Waffen besorgt und Anschläge geplant. Freunde und Medien berichten jedoch von einem friedlichen Aktivisten. Der Tod stellt die Autonomiebehörde vor die Frage: Welchem Ziel dient die Sicherheitszusammenarbeit mit Israel?

Von Torsten Teichmann
Am 12.03.2017

Direkt unterhalb der Neubauten der jüdischen Siedlung Har Gilo im Westjordanland sitzen die Eltern von  Basil Al-Araj seit einer Woche Trauer. Plakate mit dem Gesicht ihres getöteten Sohns hängen vor ihrem Haus im Dorf Al-Walajah. Verwandte wie Khalid Al-Araj sind gekommen, um der Familie Respekt zu zollen.

Basil hatte in Ägypten Pharmazie studiert. Als er zurückkehrte, arbeitete er als Apotheker. Aber er interessierte sich vor allem für die palästinensische Geschichte. Er hat sich viel damit beschäftigt, hat mitgearbeitet beim palästinensischen Nationalmuseum. Das war sein Feld.

— Khalid Al-Araj, Verwandter des getöteten Basil

Basil Al-Araj wurde vergangene Woche von israelischen Soldaten in seiner Wohnung im Stadtteil Al-Bireh in Ramallah erschossen, weil er sich, so die Armee, der Festnahme widersetzte und das Feuer auf die Soldaten eröffnet hatte. Israel wirft Al-Araj vor, er habe sich mit Freunden Waffen besorgt und Anschläge auf Israelis geplant. Dass die Soldaten bis in die Stadt Ramallah kamen, liegt an der Sicherheitszusammenarbeit zwischen der palästinensischen Autonomiebehörde und Israel. Denn eigentlich sind fast alle größeren Städte im Westjordanland A-Gebiet, das heißt sie stehen unter der vollständigen Kontrolle der Autonomiebehörde. Doch die Sicherheitskräfte von Präsident Mahmud Abbas ziehen sich zurück, wenn die israelische Armee kommt. Al-Arajs Tod beschäftigt nun die palästinensische Gesellschaft und stellt die Autonomiebehörde von Präsident Abbas vor eine grundlegende Frage, nämlich welchem Ziel die Sicherheitszusammenarbeit mit Israel eigentlich dient. Viele in der Bevölkerung lehnen diese Kooperation ab.

 

Wer war Basil Al-Araj?

Basil Al-Araj war keiner der üblichen Verdächtigen, schreibt der israelische Onlinedienst Times of Israel über den Aktivisten. Er habe keine Verbindung zu Terrororganisationen gehabt. Bekannt wurde der 31-Jährige zunächst nicht durch Gewalt, versichern Freunde des Getöteten. Sondern durch „gewaltlosen Widerstand“ schreibt die Jerusalem Post. Durch Demonstrationen gegen die israelische Besatzung, öffentlichen Reden und seine Kritik an der palästinensischen Führung. Im Juli 2012 war Al-Araj einer der Organisatoren der Jugendproteste. Die Führung in Ramallah unterdrückte die Demonstrationen damals mit Gewalt.

 

 

Abbas lobte Sicherheitszusammenarbeit mit Israel

Im April vergangenen Jahres nahmen palästinensische Sicherheitskräfte den Aktivisten Al-Araj fest. Es hatte sich offenbar etwas verändert: Die Polizei sagte, man habe Waffen bei ihm und seinen Freunden gefunden. Und Präsident Abbas lobte den Einsatz als Beispiel für die Sicherheitszusammenarbeit mit Israel. Das Zitat aus dem Magazin Der Spiegel dürfte Abbas verfolgen. Denn sechs Monate später, nach einem Hungerstreik, entschied ein Gericht in Ramallah, den Aktivisten freizulassen. Al-Arajs Name erschien daraufhin auf einer israelischen Liste von gesuchten Palästinensern, schreibt die Times of Israel. Am vergangenen Montag dann kamen die israelischen Soldaten zu dem Haus in Al-Bireh, in dem Al-Araj wohnte. Einer der ersten Augenzeugen im Haus war Saed Omar:

Es folgte ein Schusswechsel. Die Soldaten zielten mit einer Granate auf Al-Araj, auf den Ort an dem er sich versteckte. Dann zogen sie seinen Körper die Treppe runter und nahmen ihn mit.

— Saed Omar, Augenzeuge

Der erste Teil der Beschreibung ist durch Videoaufnahmen des Einsatzes der israelischen Armee in Ramallah belegt. Die Armee spricht von einer versuchten Festnahme. Sie fand Waffen und Bücher. Die Tötung von Basil Al-Araj sei ein Beispiel für die steigende Zahl von Einsätzen der israelischen Armee in Zentrum palästinensischer Städte, schreibt die deutsche Friedrich-Ebert-Stiftung in Ramallah. Ein erprobtes Vorgehen, das allerdings die Glaubwürdigkeit der palästinensischen Führung bei der eigenen Bevölkerung langfristig untergräbt: Nach Basil Al-Arajs Tod gingen einige hunderte junge Palästinenser in Ramallah auf die Straße. Sie haben das Gefühl, dass die Sicherheitskoordination mit Israel vor allem helfen soll, die schwindende Macht der Autonomiebehörde und deren Präsident Abbas mit Gewalt zu sichern.

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Kommentare

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5 thoughts on “Ein Tod, der Fragen aufwirft”

    ariel, Sonntag, 12.03.17, 20:03 Uhr

    ich verstehe nicht, welche fragen der tod aufwirft. es steht fest, dass der palaestinenser sich mit waffengewalt einer festnahme wiedersetzt hat und wurde daraufhin erschossen.

    ich verstehe nicht, welche fragen der tod aufwirft.

    es steht fest, dass der palaestinenser sich mit waffengewalt einer festnahme wiedersetzt hat und wurde daraufhin erschossen.

      Martina, Donnerstag, 16.03.17, 13:09 Uhr

      Und Israelis die sich einer Festnahme widersetzen werden auch direkt erschossen? Es gibt bisher doch keine Beweise, dass er sich mit Waffengewalt gewehrt hat. Ich glaube, dass Israel ihn einfach aus d ...

      Und Israelis die sich einer Festnahme widersetzen werden auch direkt erschossen?

      Es gibt bisher doch keine Beweise, dass er sich mit Waffengewalt gewehrt hat. Ich glaube, dass Israel ihn einfach aus dem Weg haben wollte. Israel versucht mit allen Mitteln den gewaltfreien Palästinensischen Protest und Widerstand unmöglich zu machen. Ich meine genau deswegen wurde ja schon zig Male mit scharfer Munition auf friedliche Demonstranten geschossen. Genau deswegen werden Gaskanister aus nächster Nähe friedlichen Demonstranten ins Gesicht geschossen.
      Diese israelischen Soldaten sind meiner Meinung nach genauso schlimme Terroristen wie Palästinenser, die israelische Zivilisten angreifen. Leider wird dies durch den israelischen Staat legitimiert.
      Würde der Israelische Staat seine Soldaten für deren Verbrechen ordentlich bestrafen würde sich vielleicht etwas ändern, aber wie man an der Behandlung von Elizor Azaria sieht ist der israelische Staat anscheinend eher am Gegenteil interessiert.

      ariel, Freitag, 17.03.17, 13:29 Uhr

      natuerlich gibt es beweise. die palaestinensische nachrichten haben davon selbst berichtet. und ja, sollte ein israeli auf israelische polizei waehrend einer festnahme schiessen, wuerde man ihn genau ...

      natuerlich gibt es beweise. die palaestinensische nachrichten haben davon selbst berichtet. und ja, sollte ein israeli auf israelische polizei waehrend einer festnahme schiessen, wuerde man ihn genau so toeten.

      Lotte, Freitag, 17.03.17, 13:36 Uhr

      @ Martina, "Diese israelischen Soldaten sind meiner Meinung nach genauso schlimme Terroristen wie Palästinenser, die israelische Zivilisten angreifen." Es gab hier mal eine Zeit, in der in diesem Foru ...

      @ Martina,

      „Diese israelischen Soldaten sind meiner Meinung nach genauso schlimme Terroristen wie Palästinenser, die israelische Zivilisten angreifen.“

      Es gab hier mal eine Zeit, in der in diesem Forum echte Diskussion,wie Sie es sich gewünscht hatten, möglich war.
      Mit Auseinandersetzung und Austausch von Argumenten, die einen Zuwachs an (eigener !) Erkenntnis möglich machten. Aber auch, ab und an, sofort oder im Verlauf, Diejenigen entlarvten, die wenig Hintergrundwissen ( viel zuhäufig), mangelnde Eigenerfahrung (fast immer) oder ideologische Voreingenommenheit bis hin zur Unbelehrbarkeit an den Tag legten.
      Die „Dauerberieselung“ von Michael K., mit immer den gleichen Statements, sind ein verbliebenes Relikt aus dieser Zeit.

      Irgendwann fallen dann Sätze, die dann entlarvend sind.
      Sehen Sie wirklich KEINERLEI Unterschied zwischen israelischen Soldaten und Palästinensern, die Zivilisten/ZIVILISTEN angreifen ?
      Dann sind Sie irgendeiner Propaganda auf den Leim gegangen.

      martina, Sonntag, 19.03.17, 16:14 Uhr

      den kommentar von martina habe ich nicht geschrieben!!!! das ist ein kommentar, den ich für total falsch halte.

      den kommentar von martina habe ich nicht geschrieben!!!!
      das ist ein kommentar, den ich für total falsch halte.