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Die wohl ungewöhnlichste Airline der Welt

Vor 70 Jahren startete der erste internationale Linienflug von El Al, Israels größter Fluggesellschaft

Koscheres Essen an Bord, keine Flüge an Schabbat und sehr strenge Sicherheitsvorkehrungen – Israels Fluggesellschaft El Al ist in vielerlei Hinsicht anders. Und nicht immer profitabel. 

Von Benjamin Hammer
Am 31.07.2019

Anflug auf die Landebahn zwölf des Flughafens von Tel Aviv. Noam Doron sitzt im Cockpit, das bis ins kleinste Detail dem einer Boeing 737 entspricht. Doch das hier ist kein Flugzeug, sondern ein Simulator. Und Noam Doron ist einer von vielen der 650 Piloten von El Al, der mit Abstand größten Fluggesellschaft Israels, die hier trainieren.

Ich würde sagen, dass wir die ungewöhnlichste Fluggesellschaft der Welt sind. Wir haben uns entschieden, nicht am jüdischen Ruhetag Schabbat zu fliegen. Wir bieten auf unseren Flügen nur koscheres Essen an. Und dann ist da noch unsere Sicherheit, unsere Raketenabwehrsysteme in den Flugzeugen. Diese Fluggesellschaft ist sehr speziell und sie befindet sich in einer sehr speziellen Region.

— Noam Doron, El Al Pilot
Noam Doron im Flugsimulator: Er ist Pilot bei El Al. Foto: BR | Benjamin Hammer

Vor 70 Jahren, am 31. Juli 1949, startete der erste internationale Linienflug von El Al. Israel war da gerade einmal ein Jahr alt. Heute ist das Land wie vielleicht kein anderes auf den Luftverkehr angewiesen. Israel ist im Nahen Osten weitgehend isoliert, fast alle Ein- und Ausreisen erfolgen über den Flughafen Ben Gurion. Israels Luftfahrt war in den 60er und 70er Jahren immer wieder das Ziel von Anschlägen und Entführungen. Vor allem die radikale Volksfront zur Befreiung Palästinas – PFLP – war daran beteiligt. Pini Schiff, der ehemalige Sicherheitschef am Flughafen von Tel Aviv, kann sich noch gut an diese Zeit erinnern:

In dieser Zeit hat der Staat Israel begriffen, wie sehr unsere Luftfahrt von Terrororganisationen bedroht wird. Und ein Anschlag ist ja nicht nur ein Angriff auf ein Flugzeug oder einen Flughafen. Er ist ein Angriff auf das ganze Land. Schon vor Jahren haben wir also entschieden, dass der Staat Israel von keinem weiteren Anschlag auf die Luftfahrt bedroht werden darf. Und dass wir alles dafür tun, um das zu verhindern.

— Pini Schiff, ehemaliger Sicherheitschef am Flughafen
Pini Schiff war jahrelang für die Sicherheit am Flughafen verantwortlich und erinnert sich noch gut an die Zeit, als Israel immer wieder das Ziel von Anschlägen und Entführungen wurde. Foto: BR | Benjamin Hammer

Heute durchlaufen alle Passagiere, die von Tel Aviv abfliegen, die wohl strengste Sicherheitskontrolle der Welt. Auch Befragungen, die manchmal tief in die Privatsphäre eingreifen, gehören dazu. Wie sich El Al schützt, darüber sprechen die Vertreter der Fluggesellschaft nicht so gerne. Neben dem Raketenabwehrsystem sind auf allen Flügen bewaffnete Flugsicherheitsbeamte im Einsatz. Angeblich können die Piloten im Cockpit per Knopfdruck über einen Attentäter in der Kabine informieren. Die Piloten fliegen dann eine extrem steile Kurve, um den Attentäter aus dem Gleichgewicht zu bringen. Es klingt, wie in einem James Bond-Film. Noam Doron, der Pilot von El Al, gibt sich bedeckt. Und lächelt.

Sie fragen mich danach und ich sage: ‚Kein Kommentar‘. Das bedeutet, dass es möglich ist, dass es stimmt.

— Noam Doron, El Al Pilot

El Al gehört nicht gerade zu den profitabelsten Airlines der Welt. Ein Grund: Die Flugzeuge müssen auf Routen nach Asien teilweise enorme Umwege fliegen, weil Länder wie Saudi-Arabien israelischen Maschinen den Überflug verwehren. Noch. Im Hintergrund gibt es Verhandlungen. Israel und Saudi-Arabien unterhalten keine diplomatischen Beziehungen. Würden die Saudis ihren Luftraum öffnen, wäre das ein historischer Schritt. Israel, der im Nahen Osten weitgehend isolierte Staat, ist in vielerlei Hinsicht wie eine Insel. Der Flughafen Ben Gurion verbindet sie mit der Außenwelt. Für den Piloten Noam Doron gibt es keine Alternative.

Von hier aus können wir fast nirgendwohin fahren. Wir können entweder fliegen oder schwimmen. Und da ist es doch besser, zu fliegen.

— Noam Doron, El Al Pilot