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Die wohl beliebteste arabische Süßspeise

Knafeh heißt das zuckersüße Backwerk mit Ziegenkäse, das aus dem Westjordanland stammt

Seit 50 Jahren wird in der Al Aqsa Bäckerei in Nablus Knafeh nach demselben Rezept hergestellt: Mehl, Öl, Salz, Zucker Safran, dazu selbst gemachter Ziegenkäse – und ganz viel Sirup mit Rosenwasser. BR-Reporter Julio Segador war in der Heimatstadt der Süßspeise unterwegs und hat probiert.

Von Studio Tel Aviv
Am 17.08.2018

Knafeh gilt als die berühmteste und beliebteste arabische Süßspeise. Je nach Land wird sie mal als Kunafa oder Künefe bezeichnet. Knafeh aber heißt sie dort, woher sie angeblich stammt: aus Nablus, der zweitgrößten palästinensischen Stadt im von Israel besetzten Westjordanland. Und hier in der Al Aqsa Bäckerei mitten im Souk von Nablus schmeckt es am besten, sagt der Mann, der gerade ein großes Stück Knafeh hinunterschlingt.

Das ist ein sehr berühmter Ort hier. Aus ganz Palästina kommen sie hierher, um Knafeh zu essen. Der Grund ist: Hier backen sie Knafeh mit Liebe. Und sie sind ziemlich großzügig. Die Stücke sind riesig.

— Kunde in der Al Aqsa Bäckerei

Sie – das sind an diesem Tag Ibrahim und Abu Ma Saud. Beide stehen in der Backstube. Überall liegen Sachen herum, an den Wänden hängen Plakate von Ex-Palästinenserchef Jassir Arafat. Weshalb Knafeh gerade hier so gut schmeckt? Der erst 27-jährige Ibrahim hat sofort eine Antwort parat:

Wir verwenden seit 50 Jahren unverändert die gleichen Zutaten. Das gleiche Mehl, den gleichen Käse. Wir selber produzieren den Käse. Niemand hier in Nablus außer uns macht diesen speziellen Käse, nur dieser schmilzt richtig gut.

— Ibrahim Ma Saud, Knafeh-Bäcker

Und dann zeigt uns Ibrahim, wie Knafeh richtig zubereitet wird: Zunächst wird in einer Rührmaschine aus Mehl, Öl, Salz, Zucker und Safran goldgelber Grieß hergestellt. Den breitet Ibrahim gleichmäßig auf einer massiven Pfanne – so groß wie ein LKW-Reifen – aus. Darauf bröselt er den harten weißen Ziegenkäse, der wie Popcorn aussieht. Dann wird die Pfanne über einen Brenner gelegt, wo die untere Grießschicht zu rösten beginnt. Abu Ma Saud steht dabei neben Ibrahim und kontrolliert alles. Seit 50 Jahren arbeitet der 67-Jährige in der Al Aqsa Bäckerei. Wie viele Pfannen Knafeh er wohl in seinem Arbeitsleben zubereitet hat? Ab Ma Saud lächelt: „So viele wie man Haare auf dem Kopf hat“, antwortet er. Dann muss es schnell gehen. Die fertig gebackene Knafeh wird erst umgedreht, dann wird mit Rosenwasser versetzter Zuckersirup darüber geträufelt. Ibrahim trägt die Platte von der Bäckerei über die Straße, wo schon Dutzende anstehen, die ein warmes Stück Knafeh wollen. Wie Knafeh schmeckt? Gar nicht so einfach zu beschreiben. Es ist herzhaft, knusprig, klebrig – vor allem aber eines: unglaublich süß. Für diesen Mann aus Betlehem jedenfalls hat sich die Reise zur Al Aqsa Bäckerei nach Nablus auf jeden Fall gelohnt.

Dafür ist Nablus berühmt. Wer über Nablus redet, denkt sofort an Knafeh. Und genau das muss man probieren, wenn man hierher kommt.

— Kunde aus Bethlehem

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2 thoughts on “Die wohl beliebteste arabische Süßspeise au …”

    Gerd, Freitag, 17.08.18, 18:28 Uhr

    "Knafeh heißt das zuckersüße Backwerk mit Ziegenkäse, das aus dem Westjordanland stammt" Gemeint ist vermutlich die lokale Variante 'Kanafeh Nabulsieh'. An sich gibt es das seit dem Mittelalter und is ...

    „Knafeh heißt das zuckersüße Backwerk mit Ziegenkäse, das aus dem Westjordanland stammt“

    Gemeint ist vermutlich die lokale Variante ‚Kanafeh Nabulsieh‘. An sich gibt es das seit dem Mittelalter und ist je nach Erzählung mal in Ägypten, mal in Syrien erfunden worden.

      Lustig, Samstag, 18.08.18, 19:10 Uhr

      "heißt sie dort, woher sie angeblich stammt" Betonung liegt auf "angeblich". Die arabische Märchenerzählkunst kennt keine Grenzen.

      „heißt sie dort, woher sie angeblich stammt“

      Betonung liegt auf „angeblich“.
      Die arabische Märchenerzählkunst kennt keine Grenzen.