Foto: BR | Benjamin Hammer

Die Stärke der Frauen

Die Gewalt unter arabischen Israelis ist hoch – nun lernen Frauen, was sie dagegen tun können.

Seit Anfang des Jahres sind über 70 arabische Israelis getötet worden. Das Problem: Das Misstrauen gegenüber der Polizei ist groß.

Von Benjamin Hammer
Am 05.11.2019

Die Sonne ist gerade untergegangen, es ist ein ruhiger Abend auf dem großen Platz in der arabisch-israelischen Stadt Dschisr az-Zarqa. Vor drei Wochen wurde hier eine Hochzeit gefeiert. Plötzlich fuhr ein maskierter Mann vorbei und schoss in die Menge. Er hatte wohl eine Rechnung mit einem Hochzeitsgast offen. Fünf Personen wurden verletzt, darunter ein Kind. Auch Sabrin Nashef war da. Die Mutter von vier Kindern lebt in der der arabischen Stadt am Mittelmeer.

Die Lage ist schlecht. Es gibt keine Sicherheit. Wenn ich das Haus verlasse, überlege ich ganz genau, wo ich hingehe. Ich mache mir große Sorgen um meine Kinder. Normalerweise strömen die Leute am Abend auf die Straßen. Aber in diesen Tagen bleiben wir zu Hause. Denn wir wissen nicht, wo die Pistolenkugeln herkommen.

— Sabrin Nashef, arabische Israelin
Auf diesem Festplatz fand die Hochzeit statt, auf der die Schüsse fielen. Foto: BR | Benjamin Hammer

Seit Anfang des Jahres sind im ganzen Land über 70 arabische Israelis getötet worden. Sie wurden zu Opfern von Familienfehden oder Drogenbanden. Häufig waren sie unbeteiligt – zur falschen Zeit am falschen Ort. Wer die Verantwortung für die Gewalt trägt, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Die Täter. Natürlich. Viele arabische Israelis werfen jedoch der israelischen Polizei vor, sie im Stich zu lassen. Was die zurückweist. In einer Schule in Dschisr az-Zarqa steht eine Seminarleiterin vor etwa 15 Frauen. Es ist der Auftakt einer landesweiten Seminarreihe für arabisch-israelische Frauen. Die sollen dabei helfen, dass es in Zukunft weniger Gewalt gibt. Gewalt, die in den meisten Fällen von Männern ausgeht. Die arabische Israelin Ola Najami hat die Seminare mitentwickelt. Sie arbeitet für die Organisation „Abraham Initiativen“, in der sich Araber und Juden gemeinsam engagieren.

Wir glauben, dass Frauen die Kraft haben, Dinge zu verändern. Im Kleinen und in der Gesellschaft. Wir Frauen sind die Mütter. Ich gebe ihnen ein Beispiel: Neulich wollte ich mit meinem Baby zur Apotheke gehen. Die Straße war nicht asphaltiert. Und ich konnte den Kinderwagen nicht schieben. Ein Mann wird nicht verstehen, warum die Straße saniert werden muss. Frauen schauen umfassender auf das Leben.

— Ola Najami, Mitarbeiterin von „Abraham Initiativen“
Glaubt an die Kraft der Frauen: Ola Najami von der Organisation "Abraham Initiativen". Foto: BR | Benjamin Hammer

In den Seminaren lernen die Frauen, wie sie sich gegen häusliche und sexuelle Gewalt wehren können. Und wo sie Hilfe rufen können, wenn sie Zeuginnen von Bandenkriminalität auf der Straße werden. Das Problem: In vielen arabischen Familien werden Konflikte intern ausgetragen, ohne die Polizei. Das Misstrauen gegenüber der israelischen Polizei sei groß, so sieht es Ola Najami von den Abraham Initiativen.

Die israelische Polizei erkennt mittlerweile an, dass sie uns 70 Jahre lang vernachlässigt hat. Das ändert sich gerade. Es ist nun die Aufgabe der arabischen Israelis, dass wir die Angebote der Polizei auch annehmen. Und die Aufgabe der Polizei, uns nicht nur als Bedrohung zu sehen.

— Ola Najami, Mitarbeiterin von „Abraham Initiativen“  

Frauen sind vernünftiger als viele Männer, so sieht es auch Sabrin Nashef, die vierfache Mutter aus Dschisr az-Zarqa. Damit die Gewalt endlich abnehme, müssten Eltern auch besser auf ihre Kinder achten. Drogen seien ein Riesenproblem in ihrer Stadt, sagt die arabische Israelin. Wegziehen kommt für sie aber auf keinen Fall in Frage.

Unsere Stadt ist eigentlich sehr schön. Die Leute kümmern sich um einander. Alles, wovon ich träume, ist Sicherheit für meine Kinder. Das ist der Traum jeder Mutter.

— Sabrin Nashef, arabische Israelin
Der Strand von Dschisr az-Zarqa: die einzige rein arabische Stadt in Israel, die am Meer liegt. Foto: BR | Benjamin Hammer

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Kommentare

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12 thoughts on “Die Stärke der Frauen”

    martina, Donnerstag, 07.11.19, 20:13 Uhr

    achja. alle hier tun so, wie wenn sie keine erziehung genossen hätten. die natürlich keinerlei auswirkungen auf jetzt haben. lotte frägt nach aktuellen kontakten zu juden in deutschland. zahlen sagen, ...

    achja. alle hier tun so, wie wenn sie keine erziehung genossen hätten. die natürlich keinerlei auswirkungen auf jetzt haben.
    lotte frägt nach aktuellen kontakten zu juden in deutschland. zahlen sagen, das es aktuell 200 tausend juden in deutschland gibt zu 82 mio deutschen. alles andere ist für sie uninteressant.
    auch für ariel gibt es keine vergangenheit.
    auch ihre vergangenheit ist mir vollkommen fremd. aber das ist ja uninteressant.

    martina, Donnerstag, 07.11.19, 19:56 Uhr

    florian. ach ja. weil sie so zynisch reagieren auf meine erziehung. wo ist ihre erziehung oder bildung hinsichtlich der muslime geblieben? der differenzierung? der araber? und woher kommt der antisemi ...

    florian. ach ja. weil sie so zynisch reagieren auf meine erziehung.
    wo ist ihre erziehung oder bildung hinsichtlich der muslime geblieben? der differenzierung? der araber?
    und woher kommt der antisemitismus bloß in deutschland… ihre eltern waren sicher gegen hitler. wie die meisten nach der befreiung. da war keiner im krieg. keiner hat hitler gewählt. alle waren widerstandskämpfer. jeder hat einen juden geholfen usw und sonst: hat ihre erziehung keinerlei einfluss mehr auf sie. auch nicht, wenn sie jetzt das gegenteil ihrer eltern sind
    schreiben sie doch mal, das muslime genau so wie christen erzogen werden.
    das muslime nicht automatisch islamisten sind. araber nicht automatisch feinde israels.
    das ist so, wie wenn ich sagen würde, alle russen waren stalinisten. genau aber das machen sie in ihren kommentaren. diese zielen ausschließlich darauf hin.
    soll ich demnächst schreiben, so wie sie nur das gegenteil, das alle juden so wie netanjahu ticken oder wie ganz oder wie extreme juden?

    martina, Donnerstag, 07.11.19, 19:48 Uhr

    florian. ok mein kommentar war nicht fair. ihre antwort war aber mehr als widerlich. und ihre antworten widerholen sich in jedem kommentar von ihnen. bei ihnen gibt es keine graustufen. und ihre antwo ...

    florian. ok mein kommentar war nicht fair. ihre antwort war aber mehr als widerlich.
    und ihre antworten widerholen sich in jedem kommentar von ihnen. bei ihnen gibt es keine graustufen.
    und ihre antworten können sie in jedem land finden, das nicht westlich geprägt ist.
    warum ich überhaupt noch ihnen antworte? einfach weil ich weiß, das sie nicht so denken, wie sie schreiben. ihre kommentare hier entspringen nur den wunsch, israel zu schützen. wie tief muss jeder hier sinken, um den palästinensern oder israel hier zu unterstützen? wie tief?
    und was hier sonst geschrieben wird? die antwort habe ich ihnen hier schon gegeben. jeder schreibt hier für israelis oder palästinenser. um echte kommentare zum bericht geht es hier kaum jemand.
    das sieht man genau an ihrem kommentar. im bericht geht es um frauen, die moralisch kämpfen. die ihre privatesten bereiche verbessern wollen. aber das interessiert sie gar nicht.
    arabische israelin intereressiert sie doch gar nicht. auch keine zwischentöne.

    Lotte, Donnerstag, 07.11.19, 14:48 Uhr

    @ Ariel Bzgl. "sich in die inneren Angelegenheiten (einer anderen Kultur oder eines Bevökerungsteils in Minorität) nicht einmischen": Deutschland müsste v.a. jetzt lernen, diese Fehler (auch wenn die ...

    @ Ariel

    Bzgl. „sich in die inneren Angelegenheiten (einer anderen Kultur oder eines Bevökerungsteils in Minorität) nicht einmischen“: Deutschland müsste v.a. jetzt lernen, diese Fehler (auch wenn die Situation nicht vergleichbar ist) nicht zu machen!
    Ich erinnere mich, wie vor Jahrzehnten türkische Mädchen im Alter um die 16 Jahre zur Abklärung „unklarer Bauchschmerzen“ aufgenommen wurden; sie standen vor der „Zwangsverkuppelung in der Türkei in den Sommerferien“ … und so genau wollte es keiner wissen bzw. es wurde als „kultureller Unterschied“ akzeptiert, dabei waren es Hilfeschreie.
    Bzgl. Israel: hatte das Land in den Aufbaujahren sicher Wichtigeres zu tun. Trotzdem: hätte man bei den Frauen/ späteren Müttern/Erziehenden der Folgegenerationen oder auch die, die für sich selbst die Chancen ergriffen haben, v.a. den christlichen (!?) vielleicht anfangen können (die Diskussion hatte ich mal mit einem israel. Kollegen) ?

    Florian, Donnerstag, 07.11.19, 13:04 Uhr

    Martina, Sie schreiben konsequent an dem vorbei, was andere hier schreiben. Da wird dann schon mal der "Islamfeind" genannt, dann braucht man sich mit Fakten nicht auseinanderzusetzen. Die Araber habe ...

    Martina, Sie schreiben konsequent an dem vorbei, was andere hier schreiben. Da wird dann schon mal der „Islamfeind“ genannt, dann braucht man sich mit Fakten nicht auseinanderzusetzen.

    Die Araber haben also jegliche Moral wegen Israel verloren?

    Sie haben sich selbst zutreffend erkannt: antisemitismus: sogar ich ertappe mich dabei.

    Sie beleuchten nichts: die Gewalttätigkeit arabischer Männer gegenüber ihren Frauen, die sog. Ehrenmorde, das Clanverhalten unter Ablehnung staatlicher Autorität.

    martina, Mittwoch, 06.11.19, 22:53 Uhr

    noch etwas zu moral. die geht fast zwangsläufig verloren, wo es um menschliche grundbedürfnisse wie leben, essen, schlafen usw geht. moral kann ich mir leisten, weil ich keine existentielle nöte habe. ...

    noch etwas zu moral. die geht fast zwangsläufig verloren, wo es um menschliche grundbedürfnisse wie leben, essen, schlafen usw geht.
    moral kann ich mir leisten, weil ich keine existentielle nöte habe.
    und diese bedürfnisse hat auch ein volk
    antisemitismus: sogar ich ertappe mich dabei. wie das ich jared kushner eine größere loyalität zu israel unterstelle. aber ich vergesse dabei, das er eine noch größere zu den usa hat.
    als entschuldigung / erklärung kann ich nur anführen, ich bin das kind meiner eltern, die im 3. reich erzogen wurden.
    und vom 3. reich sind alle betroffen, die sich hier melden. egal wie, ob durch erziehung oder entstehung des eigenen landes. oder einfach durch mitbürger, schule usw usw
    vorurteile sind noch ein eigenes kapitel.

    martina, Mittwoch, 06.11.19, 22:35 Uhr

    ariel: dir geht es doch da nur darum zu beweisen, wer mehr rechte oder größere versprechen gebrochen hat oder mehr bedroht war oder ist. dein argument ist, denen geht es wirtschaftlich besser wie in e ...

    ariel: dir geht es doch da nur darum zu beweisen, wer mehr rechte oder größere versprechen gebrochen hat oder mehr bedroht war oder ist.
    dein argument ist, denen geht es wirtschaftlich besser wie in einem anderen land rund um israel. das mag sogar stimmen. und unter der herrschaft von hamas usw lebt es sich schlecht.
    aber ist das ein grund? ich möchte nicht in china leben, egal wie reich ich dort wäre. und das ist möglich.
    ich bin auch nicht so blauäugig das alle „ossis“ nur demokratie und freiheit wollten.
    aber vergiss nicht, ohne diese freiheiten und rechte bleibt es ein mangel und das weißt du auch. denn dafür hast du gekämpft und hast dein leben aufs spiel gesetzt.
    und deshalb sagst du auch, die c gebiete konsequent durchsetzen und in den anderen gebieten grundstücke erwerben, wo es nur geht. und das ist dein gutes recht! wenn ich jude wäre und in israel leben würde, würde ich genauso handeln. da geht es nicht mehr um moral.

    martina, Mittwoch, 06.11.19, 22:26 Uhr

    denn auf das zu grunde liegende problem. das seit 70 jahre währende misstrauen auf beiden seiten. und das ist von beiden seiten zu recht da. auf das geht hier niemand ein. jede seite versucht, seine s ...

    denn auf das zu grunde liegende problem. das seit 70 jahre währende misstrauen auf beiden seiten. und das ist von beiden seiten zu recht da.
    auf das geht hier niemand ein. jede seite versucht, seine seite zu rechtfertigen. und das ist sogar noch fair. denn beide seiten wurden gegenseitig immer wieder belogen, stehen immer wieder im krieg oder kurz vorher oder nachher.
    und jeder weiß, moral oder recht gibt es im krieg nicht. da ist alles erlaubt. völkerrecht hin oder her.
    wer das bestreitet, hat vermutlich nie in einem kriegsgebiet als zivilist oder soldat vorher gelebt.
    warum ich darauf komme ist roman frister. ariel wird vielleicht sagen, das er links ist. aber er nur ein für israel im kriegszustand.
    links mag sein, das er sagt, palästinenser und juden haben eigentlich das recht dort einen staat zu haben. und gebrochene versrpechen gebe es nur von palästinensern.

    martina, Mittwoch, 06.11.19, 22:12 Uhr

    ups ein paar feinde der muslime. die nix beleuchten. hauptsache islam. das nenne ich doch wahre analyse.

    ups ein paar feinde der muslime.
    die nix beleuchten. hauptsache islam.
    das nenne ich doch wahre analyse.

    ariel, Mittwoch, 06.11.19, 13:42 Uhr

    israel ist in diesem fall der schuldige, auch wenn es am anfang gut gemeint war. israel wollte sich in die "inneren angelegenheiten" der arabischen bevoelkerung nicht einmischen. man hat scharia-geric ...

    israel ist in diesem fall der schuldige, auch wenn es am anfang gut gemeint war. israel wollte sich in die „inneren angelegenheiten“ der arabischen bevoelkerung nicht einmischen.

    man hat scharia-gerichte erlaubt, man hat bei polygamie beide augen zugedrueckt, man hat in die klan-kriegen nicht eingeschritten. man hat die staatliche arabische schulen nicht kontrolliert. man hat nicht dafuer gesorgt, dass kinder physisch in der schule erscheinen. man hat die illegalen bauten nicht abgerissen. so nach dem motto „nimmt geld, tut was ihr wollt und lasst uns in ruhe“

    und so hat man der arabischen bevoelkerung die reliaet erschaffen, wo es keinen staat gibt und alles erlaubt ist, so lange es die familienoberhaeupter erlauben. und so sind die arabische und beduinische ortschaften zum schaden allem zum wilden westen geworden.

    um durchzugreifen braucht man die polizeikraefte wenigstens verdoppeln. aber um erfolg zu haben braucht man die unterstuetzung der arabischen verantwortlichen.

    Ismael Isaak, Dienstag, 05.11.19, 15:41 Uhr

    Diese Fragen hatte ich mir auch gerade gestellt. Ein Glück für die Palästinenser, dass Israel schuld ist.

    Diese Fragen hatte ich mir auch gerade gestellt. Ein Glück für die Palästinenser, dass Israel schuld ist.

    Florian, Dienstag, 05.11.19, 10:53 Uhr

    Was ist nun die Usrsache für die Gewalt gegen arabische Frauen? Die Gewalttätigkeit der arabischen Männer oder die israelische Polizei? Wie soll die Polizei eingreifen, wenn Gewalt lieber unter den Fa ...

    Was ist nun die Usrsache für die Gewalt gegen arabische Frauen? Die Gewalttätigkeit der arabischen Männer oder die israelische Polizei? Wie soll die Polizei eingreifen, wenn Gewalt lieber unter den Familien geregelt wird?

    Das ist vorstaatliche Mentalität. Clanverhalten. Aber natürlich ist Israel schuld.