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Die Netanjahus

An der Spitze der Macht: Porträt einer Familie, die das Land polarisiert

Benjamin Netanjahu stammt aus einer Familie, die jahrzehntelang nicht richtig im Land angekommen war. Als Premier steht er heute für ein extrem wachsames Israel. Ob Sohn Yair in seine Fußstapfen tritt?

Von Benjamin Hammer
Am 04.08.2019

Im Sommer 2016 spricht Benjamin Netanjahu auf dem Friedhof auf dem Herzl-Berg in Jerusalem ein Gebet. Auch Sara, seine Frau, ist da, ebenso die beiden Söhne Yair und Avner. Es ist die Gedenkveranstaltung für Netanjahus Bruder Yoni, der 1976 als Soldat bei der Befreiung eines entführten Linienflugzeugs ums Leben kam. Yoni Netanjahu wurde nach seinem Tod zu einem der bekanntesten Helden des Landes. Und die Netanjahus kannte auf einmal jeder. Eine Familie, die jahrzehntelang nicht wirklich angekommen war in Israel. Benzion Netanjahu, Benjamins Vater, wurde in Warschau geboren und kam als Kind in das heutige Israel. Er war ein Vertreter des konservativen, revisionistischen Zionismus. Das passte nicht zum eher sozialistischen Zionismus des Staatsgründers David Ben Gurion. Immer wieder lebte die Familie Netanjahu in den USA. Auch Benjamin, der noch heute perfektes Englisch mit amerikanischem Akzent spricht. Benzion Netanjahu wurde 102 Jahre alt. Seine Positionen prägen seinen Sohn, den heutigen Premierminister bis heute.

Wir Juden befinden uns in der Gefahr, vernichtet zu werden. Wer denkt, dass die Vernichtung, also der Holocaust, beendet ist, täuscht. Der Holocaust geht immer weiter.

— Benzion Netanjahu, kurz vor seinem 100. Geburtstag

Netanjahu steht heute für ein extrem wachsames Israel. Dass im Zweifel handelt – auch wenn es damit einen diplomatischen Eklat riskiert. Die iranischen Atomambitionen – so sieht es Netanjahu – könnten Israel in seiner Existenz bedrohen. Benjamin Netanjahu erreichte das, was sein Vater Benzion nie schaffte: Er wurde ein erfolgreicher Politiker. Der Sohn wurde vor wenigen Wochen der Premierminister mit der insgesamt längsten Amtszeit in der Geschichte Israels. Gleichzeitig befindet sich Netanjahu in seiner schwersten politischen Krise. Schon bald könnte er wegen Korruption angeklagt werden. Netanjahu wittert eine Verschwörung. Nicht nur gegen ihn. Sondern auch gegen seine Familie.

Was hier vor sich geht, ist ein Skandal. Völlig haltlose Behauptungen werden im Rahmen einer Hetzjagd aufgestellt. Eine Hetzjagd, die seit Jahren gegen mich und meine Familie betrieben wird.

— Premierminister Benjamin Netanjahu 

Die Netanjahus polarisieren. Ihre Anhänger stehen ihnen treu zur Seite und loben die Politik des Regierungschefs. Die Gegner nennen ihn einen Premierminister des Verbrechens. Und sie schämen sich für dessen Frau. Die soll teures Essen in die Residenz des Premierministers bestellt haben, für 85.000 Euro, auf Staatskosten und gegen die Regularien. Außerdem soll sie Mitarbeiter mehrfach angeschrien haben. Israelische Medien veröffentlichten diesen Mitschnitt. Die Netanjahus. Zwischen Politik und Boulevard-Nachrichten. Zwischen Macht und Machterhalt. Zwischen Zustimmung und Ablehnung. Der Sohn des Premierministers, Yair, bespielt seit zwei Jahren Twitter und andere sozialen Netzwerke und provoziert. So wünschte er im Mai mehreren Rechtspopulisten viel Erfolg bei der Europawahl. Vor wenigen Wochen sprach er vor Evangelikalen im US-Bundesstaat Alabama.

Die meisten Araber, die heute im Land Israel leben und sich Palästinenser nennen, kamen erst vor 100 Jahren in dieses Land.

— Yair Netanjahu, Sohn des Premiers
Mit seinen Söhnen Avner (r.) und Yair (l.) an der Klagemauer in Jerusalem. Foto: dpa | picture alliance

Eine Aussage, die die Palästinenser und viele Historiker entschieden zurückweisen. Die These des Yair Netanjahu stammt aus dem Buch seines Vaters. In Israel wird spekuliert, dass Yair eine politische Karriere plant. Die Ära einer der bekanntesten und umstrittensten Familien des Landes könnte also weitergehen.

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Kommentare

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11 thoughts on “Die Netanjahus”

    Florian, Mittwoch, 07.08.19, 13:43 Uhr

    Israelkritik ist das neue Kleid des Antisemitismus (dazu genügend wissenschaftliche Literatur). So wird er akzeptabel. Ein Vorreiter ist BDS. Das wurde erst jetzt sogar in der '"taz" klar ausgesproche ...

    Israelkritik ist das neue Kleid des Antisemitismus (dazu genügend wissenschaftliche Literatur). So wird er akzeptabel. Ein Vorreiter ist BDS. Das wurde erst jetzt sogar in der ‚“taz“ klar ausgesprochen.
    Ein Journalist muss sich dessen bewusst sein. Ausgewogene Berichterstattung beginnt damit, dass Palästinenser nicht grundsätzlich als Opfer und Israelis/Juden als Täter bezeichnet werden. Dazu gehört, dass Terrorismus als solcher bezeichnet wird, dass über Korruption bei Fatha und Hamas berichtet wird, nicht nur bei Netanjahu. Dazu gehört, dass palästinensische Propaganda nicht unhinterfragt wiedergegeben wird.

    Dazu gehört, dass man israelische Sicherheitsinteressen ernst nimmt und nicht grundsätzlich als Aggression bewertet. Dass man den anderen ernst nimmt und ihn nicht abqualifiziert. Dass man sich nicht auf das hohe Ross der selbstdefinierten besseren Moral setzt.
    Dass man sich auseinandersetzt mit der Entwicklung der palästinensischen Propaganda.

    Noch was, Martina?

    Gerd, Dienstag, 06.08.19, 0:18 Uhr

    Sonderbar? Der Bericht der UNRWA Kommission schlägt international hohe Wellen: Haß, Korruption, Sex Und hier wird über die Netanjahus berichtet?!?

    Sonderbar? Der Bericht der UNRWA Kommission schlägt international hohe Wellen: Haß, Korruption, Sex

    Und hier wird über die Netanjahus berichtet?!?

      Florian, Mittwoch, 07.08.19, 7:58 Uhr

      UNRWA korrupt. In UNRWA-Einrichtungen Waffenlager und Abschussrampen der Hamas. Der Iran erhöht jetzt gerade massiv die Finanzierung der Hamas. Beide verbindet das Ziel: die Zerstörung Israels. Der Ir ...

      UNRWA korrupt. In UNRWA-Einrichtungen Waffenlager und Abschussrampen der Hamas.

      Der Iran erhöht jetzt gerade massiv die Finanzierung der Hamas. Beide verbindet das Ziel: die Zerstörung Israels. Der Iran finanziert und organisiert Hisbollah.
      Alles kein Thema. Aber: die Netanjahus.
      Honi soit qui mal y pense.

    Lotte, Sonntag, 04.08.19, 14:23 Uhr

    Teil 2 Zu den alljährlichen "Familientreffen" am im übrigen unscheinbaren Grab, inmitten anderer nahezu identischer Gräber von Yonathan Netanjahu: "Operation Entebbe" / 4. Juli 1976 nachlesen. Bedrück ...

    Teil 2

    Zu den alljährlichen „Familientreffen“ am im übrigen unscheinbaren Grab, inmitten anderer nahezu identischer Gräber von Yonathan Netanjahu:
    „Operation Entebbe“ / 4. Juli 1976 nachlesen.

    Bedrückend, wenn nach der Entführung des Passagierflugzeuges der Air France in Gemeinschaftsaktion palästinensischer und deutscher (linker, antizionistischer) Terroristen zum ersten Mal wieder „jüdische“ und „nichtjüdische“ Geiseln ganz bewusst getrennt wurden !

      martina, Freitag, 16.08.19, 20:30 Uhr

      hallo lotte. gestern hatte ich mit meinem sohn den fall schäuble. er wurde hier finanzminister obwohl er schwarzgeld mit nem koffer rumgetragen hat. es gibt leider noch genügend andere beispiele. aber ...

      hallo lotte. gestern hatte ich mit meinem sohn den fall schäuble. er wurde hier finanzminister obwohl er schwarzgeld mit nem koffer rumgetragen hat. es gibt leider noch genügend andere beispiele.
      aber hier angesichts der wahlen über die berichterstattung von netanjahu anstehend der neuwahlen zu meckern weil die unwra fehler macht.
      das ist doch so, wie wenn über österreichs neuwahlen über kurz berichtet wird, und dies abgelehnt wird, wegen neuer skandale bei den eu-außengrenzen von österreich.
      anders ausgedrückt, sie fordern ein konsequente positive berichterstattung israels, weil es probleme mit der hamas, hisbollah, unwra gibt.
      und das soll dann neutral sein?
      gruß martina

    Lotte, Sonntag, 04.08.19, 13:40 Uhr

    "Eine Familie, die jahrzentelang nicht wirklich angekommen war in Israel. .... Benzion in Warschau geboren ... ect." Woher nehmen Sie diese Behauptung, die includiert, dass diese Familie in Wirklichke ...

    „Eine Familie, die jahrzentelang nicht wirklich angekommen war in Israel. …. Benzion in Warschau geboren … ect.“

    Woher nehmen Sie diese Behauptung, die includiert, dass diese Familie in Wirklichkeit nicht so richtig mit Israel verbunden sein könnte (was definitiv nicht stimmt) ?
    Nur weil eines oder mehrere Familienmitglieder noch in Polen/Litauen/ Europa (ja, auch Danzig oder Berlin) geboren sind, andere jedoch durchaus in Israel …
    Nur weil es gerade in jüdischen Großfamilien durchaus üblich ist um die Welt verteilt zu sein oder zeitweise auch in anderen Ländern außerhalb von Israel gelebt und gearbeitet zu haben …
    Ist man dann kein „echter“ Israeli ?
    Bitte ausgehend von Nathan Mileikowsky/Rabbiner selbst nach-recherchieren (oder direkten Kontakt aufnehmen).

      martina, Montag, 05.08.19, 15:59 Uhr

      hallo lotte, anshel pfeffer hat ein buch über netanjahu 2018 geschrieben. darin begründet er dieses jahrelange nichtankommen. das buch wurde überall rezensiert. jetzt dem blog vorzuwerfen, das er sich ...

      hallo lotte,
      anshel pfeffer hat ein buch über netanjahu 2018 geschrieben. darin begründet er dieses jahrelange nichtankommen. das buch wurde überall rezensiert.
      jetzt dem blog vorzuwerfen, das er sich das aus den fingern saugt, stimmt nicht.
      gruß

      Lotte, Dienstag, 06.08.19, 10:46 Uhr

      Die Beurteilung der Kleinstfamilie in einer zeitlich begrenzten Epoche duch die Augen einer Rezension eines einzigen Buches ... genau das ist das Problem. Ansonsten: s. Kommentar von Gerd.

      Die Beurteilung der Kleinstfamilie in einer zeitlich begrenzten Epoche duch die Augen einer Rezension eines einzigen Buches … genau das ist das Problem.

      Ansonsten: s. Kommentar von Gerd.

      martina, Mittwoch, 07.08.19, 6:22 Uhr

      hallo lotte, ich hab versucht eine antwort zu schreiben und gemerkt es macht keinen sinn. alleine schon ihre bemerkung zum fehlenden wasserbericht vor wievielen jahren? und da merken sie schon, ich ne ...

      hallo lotte, ich hab versucht eine antwort zu schreiben und gemerkt es macht keinen sinn. alleine schon ihre bemerkung zum fehlenden wasserbericht vor wievielen jahren? und da merken sie schon, ich nehm sie nicht mehr ganz ernst…
      deswegen andersherum jetzt: welche gute zeitung berichtet ausgewogen nach ihrer meinung. ich betone ausgewogen. sprich nicht pro israelisch usw. usw.
      ich frag das deswegen weil sie dem blog immer und immer wieder parteinahme vorwerfen.
      denn nach ihrer meinung sind sie ausgwogen. als tipp wenn alleine wiki in irgendeiner sprache von einer richtung berichtet, fällt der tipp durch….
      gruß

      martina, Dienstag, 13.08.19, 13:09 Uhr

      hallo lotte, bekomme ich noch eine antwort von ihnen, welche zeitung usw ausgewogen berichten? gruß

      hallo lotte,
      bekomme ich noch eine antwort von ihnen, welche zeitung usw ausgewogen berichten?
      gruß

    Tina, Sonntag, 04.08.19, 8:54 Uhr

    Wie ist Yair Netanjahu damit klar gekommen, dass sich die israelische Öffentlichkeit in seine Beziehung mit der norwegischen Studentin Sandra Leikanger eingemischt hat? Der ist auch nicht frei in sein ...

    Wie ist Yair Netanjahu damit klar gekommen, dass sich die israelische Öffentlichkeit in seine Beziehung mit der norwegischen Studentin Sandra Leikanger eingemischt hat?

    Der ist auch nicht frei in seinem Leben, fremde Leute machen ihm Vorschriften zu seinem Privatleben. Wie im Mittelalter, wo sich alles um das Erbe drehte….