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Die Grabeskirche bleibt geschlossen

Im Konflikt mit der israelischen Regierung haben die Kirchenoberhäupter in Jerusalem einen drastischen Schritt gewagt

Die Kirchen sehen eine systematische Kampagne seitens der Regierung: Sie protestieren gegen nachträgliche Steuerforderungen der Stadt und gegen einen Gesetzentwurf, der es der Regierung erlauben würde, von der Kirche verkauftes Land nachträglich zu enteignen.

Von Tim Assmann
Am 26.02.2018

Nun stehen sie also, die Absperrgitter vor dem Tor der Jerusalemer Grabeskirche. Wie lange sie bleiben, ist offen. Die Gitter sind Ausdruck eines Kräftemessens, das gerade erst begonnen hat – zwischen mehreren christlichen Konfessionen auf der einen und der israelischen Regierung auf der anderen Seite. Mit der Schließung der Grabeskirche reagieren das griechisch-orthodoxe und das armenische Patriarchat sowie die katholische Franziskanerkustodie zum einen auf ein geplantes Gesetz, das der israelischen Regierung erlauben würde, Land, das die Kirchen verkauft haben, nachträglich zu enteignen und zu verstaatlichen. Aus Sicht der Kirchen würde der Staat auch in ihr Eigentumsrecht eingreifen. Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos der Dritte, griff zu einer drastischen Wortwahl.

Dieses abscheuliche Gesetz würde die Enteignung von kirchlichem Land ermöglichen. Das erinnert uns an Gesetze ähnlicher Natur gegen die Juden während der dunklen Zeiten in Europa.

— Theophilos der Dritte, griechisch-orthodoxer Patriarch von Jerusalem

Das zuständige Komitee der israelischen Regierung wollte sich mit dem umstrittenen Gesetzentwurf eigentlich bereits beschäftigen, verschob die Beratung aber wegen der Proteste der Kirchen. Die Parlamentsabgeordnete Rachel Azaria von der liberalen Kulanu-Partei verteidigte ihren Entwurf.

Das Land der Kirche interessiert uns nicht, aber wir müssen Investoren entgegentreten, die gegen die Pächter vorgehen. Dieses Gesetz soll Spekulanten treffen und nicht die Kirche. Was Bürgermeister Barkat mit dem Vermögen der Kirche macht, ist eine Missachtung der Verhältnisse hier und unverantwortlich. Er sollte sich um die Jerusalemer kümmern, anstatt sich wegen Steuern mit der Kirche anzulegen.

— Rachel Azaria, Kulanu-Partei

Das Vorgehen des Jerusalemer Bürgermeisters Barkat gegen die Kirche, beziehungsweise gegen ihr Vermögen, ist der zweite Grund, mit dem die Kirchenvertreter die Schließung der Grabeskirche begründen. Die Stadt hat verschiedene Maßnahmen verhängt, um Steuernachforderungen durchzusetzen. Patriarch Theophilos der Dritte sieht darin einen Angriff auf die Christen im Heiligen Land: „Diese systematische Kampagne hat nun einen neuen Höhepunkt erreicht, seitdem die Stadtverwaltung Anspruch auf kirchliches Eigentum und Bankkonten erhebt, um angebliche Steuerschulden einzutreiben.“ Sind die Steuernachforderungen eine Verletzung des Status quo, der den Kirchen in Jerusalem weitreichende Rechte einräumt, um das sensible Zusammenleben zwischen den Religionen in der Stadt zu wahren? Die stellvertretende Bürgermeisterin Fleur Hassan-Nahoum sieht es nicht so:

Es gibt ein Gesetz, das heilige Stätten wie Kirchen und Synagogen von Steuern befreit. Aber wir reden hier über anderes Kircheneigentum, zum Beispiel Hotels. Sie sind zu Unrecht seit Jahren von kommunalen Steuern befreit.

— Fleur Hassan-Nahoum, stellvertretende Bürgermeisterin

Der Streit zwischen den Kirchen und den israelischen Behörden wird nun auf dem Rücken von Pilgern ausgetragen: “Wir sind extra wegen der Kirche gekommen und ich bin enttäuscht, dass sie geschlossen ist. Sie ist für uns eine Wurzel der Christenheit“, sagt diese Französin. Die Grabeskirche bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Die Kirche, erbaut an der Stelle, an der Jesus gekreuzigt worden und wieder auferstanden sein soll, wird jährlich von Hunderttausenden besucht – und genau das macht sie für die Kirchenvertreter im Streit mit der Regierung zur Trumpfkarte.

Kommentare

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8 thoughts on “Die Grabeskirche bleibt geschlossen”

    PeterM, Montag, 05.03.18, 11:32 Uhr

    Lieber Marco, dann ist ja alles richtig; die ursprünglichen Besitzer sind ja wohl die Juden.

    Lieber Marco, dann ist ja alles richtig; die ursprünglichen Besitzer sind ja wohl die Juden.

    Markus Becker, Montag, 26.02.18, 16:31 Uhr

    In jedem Land müssen Religionsgemeinschaften für kommerzielle Aktivitäten Steuern bezahlen. Weswegen sollte das ausgerechnet in Israel nicht der Fall sein? Und weswegen erfahren wir das nicht vom Auto ...

    In jedem Land müssen Religionsgemeinschaften für kommerzielle Aktivitäten Steuern bezahlen. Weswegen sollte das ausgerechnet in Israel nicht der Fall sein? Und weswegen erfahren wir das nicht vom Autor dieses Artikels?

      Marco, Donnerstag, 01.03.18, 12:32 Uhr

      Vielleicht weil Israel illegaler Besatzer Jerusalems ist? Warum sollte man Räubern auch noch unterhalt zahlen. Man sollte die Landräuber lieber endlich von dem Land vertreiben und es den ursprüngliche ...

      Vielleicht weil Israel illegaler Besatzer Jerusalems ist? Warum sollte man Räubern auch noch unterhalt zahlen. Man sollte die Landräuber lieber endlich von dem Land vertreiben und es den ursprünglichen Besitzern zurückgeben …

    ariel, Montag, 26.02.18, 7:15 Uhr

    erst macht man steurfreie geschaefte und dann nimmt man die pilger als geisel. eine neue meisterleistung der kirche.

    erst macht man steurfreie geschaefte und dann nimmt man die pilger als geisel. eine neue meisterleistung der kirche.

      Axel Stolpe, Montag, 26.02.18, 20:46 Uhr

      Ich denke, in der Kirche sind keine Pilger.

      Ich denke, in der Kirche sind keine Pilger.

      ariel, Dienstag, 27.02.18, 10:18 Uhr

      die pilger sind geiseln der aktion, da sie gehindert sind die kirche zu besuchen.

      die pilger sind geiseln der aktion, da sie gehindert sind die kirche zu besuchen.

      martina, Mittwoch, 28.02.18, 16:39 Uhr

      hallo ariel. die frage ist für mich, warum die steuerbefreiung auch auf wirtschaftliche unternehmen wie hotels gewährleistet wurde? dürfen das auch jüdische synagogen verbände? wirtschaftliche unterne ...

      hallo ariel. die frage ist für mich, warum die steuerbefreiung auch auf wirtschaftliche unternehmen wie hotels gewährleistet wurde?
      dürfen das auch jüdische synagogen verbände? wirtschaftliche unternehem ohne steuerabgabe ?
      gleichbehandlung nennnt man sowas…
      lg

      ariel, Donnerstag, 01.03.18, 9:13 Uhr

      nein

      nein