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Die Butter wird knapp

Regulierte Preise nehmen den Molkereien den Anreiz, Butter zu produzieren – Israelis bekommen das zu spüren

Wer nicht auf teure importierte Butter zurückgreifen möchte, muss in Israel derzeit lange suchen – zum Beispiel auf Facebook. Bäcker greifen längst zu anderen Alternativen. 

Von Benjamin Hammer
Am 11.01.2020

Immer wieder bleiben Kundinnen und Kunden am langen Kühlregal eines Supermarktes in einem Vorort von Tel Aviv stehen. Ihr Blick wandert von Päckchen zu Päckchen. Nach wenigen Sekunden merken sie: Schon wieder gibt es keine israelische Butter. „Ich nehme jetzt die importierte Butter“, sagt eine frustrierte Kundin. „Die ist teurer.“ „Ich finde es schon sehr merkwürdig“, sagt ein Mann. „Im Ausland gibt es israelische Butter zu kaufen. Für mich wirkt das wie ein Versuch, die Preise nach oben zu treiben.“ In manchen israelischen Supermärkten gibt es gar keine Butter mehr, in anderen immerhin importierte Ware. Doch die Butter aus Europa ist sehr teuer. Ein 200-Gramm-Päckchen kostet umgerechnet etwa 3,50 bis 10 Euro. Butter ist in Israel damit von einem Grundnahrungsmittel zu einem Luxusgut geworden, meint die Journalistin Shany Moses von der israelischen Wirtschaftszeitung Globes.

Butter war früher nie etwas, worüber Kunden groß nachdenken mussten, ob sie es kaufen können oder nicht. Heute rufen mich Menschen an und sagen: Es gibt keine Butter. Kann das wirklich sein? Ich sage dann: Ja. So ist es seit anderthalb Jahren.

— Shany Moses, Wirtschaftsjournalistin
Israelische Butter gilt mittlerweile als Luxusgut, erklärt die Journalistin Shany Moses. Foto: BR | Benjamin Hammer

Längst sprechen Israelis von einer Butter-Krise. Auf Facebook haben sich Gruppen gebildet. Wer die günstige, israelische Butter entdeckt, stellt den Fund ins Netz. Doch viele Supermärkte beschränken die Zahl der Päckchen pro Kunde. Der Preis der israelischen Butter wird vom Staat reguliert. 100 Gramm dürfen maximal 3,94 Schekel kosten, also einen Euro. Für Israel – ein Land mit einem hohen Preisniveau – ist das günstig. Doch genau da liege ein Grund für die Butter-Krise, meint die Journalistin Shany Moses. Denn durch den festgelegten niedrigen Preis sinke für die israelischen Molkereien der Anreiz, Butter zu produzieren. Mehr noch: Die Regierung setzte ebenfalls recht hohe Milchpreise durch, die die Molkereien den Landwirten bezahlen müssten. Hoher Einkaufspreis, niedriger Erlös: Das mache alles keinen Sinn, meint die Journalistin.

Das Problem ist: Der Staat will die Kunden und gleichzeitig die Landwirte schützen. Die Regierung ist damit hin- und hergerissen.

— Shany Moses, Wirtschaftsjournalistin
Wer trotz Knappheit nicht auf Butter verzichten möchte, muss auf teure importierte Ware zurückgreifen. Foto: BR | Benjamin Hammer

Israelische Butter gibt es praktisch nur noch vom Marktführer Tnuva zu kaufen. Der weist den Vorwurf zurück, weniger Butter zu produzieren, weil der staatlich regulierte Preis zu niedrig ist. Stattdessen gebe es im Land aktuell schlicht zu wenig Milch. Die israelische Regierung verspricht Besserung. In wenigen Wochen sollen zunächst die extrem hohen Zölle auf Importbutter wegfallen. Zumindest für ein Jahr. „Piece of Cake“ heißt die Konditorei von Moshe Ahuvi im Großraum Tel Aviv. Der Israeli steht vor einem großen Rührgerät voller Butter. Neben ihm werden gerade Schoko-Hefe-Zöpfe geflochten. In jedem stecken etwa 70 Gramm Butter.

In fast all unseren Produkten ist Butter drin und fast immer ist die Butter knapp. Uns gelingt es zwar immer, sie zu besorgen, aber es reicht gerade immer so.

— Moshe Ahuvi, Konditor

Auch Ahuvi führt die Butterkrise auf falsche staatliche Regulierung zurück. Wegen guten Beziehungen zu einer Molkerei kommt er jedoch einfacher an das begehrte Gut als Privatkunden. Ohnehin wirkt Moshe Ahuvi relativ entspannt in Zeiten der knappen Butter.

Wir ersetzen die Butter einfach. Mit Margarine oder Kokosfett. Wir backen sogar Kuchen mit Öl oder einem anderen Ersatz.

— Moshe Ahuvi, Konditor

Der israelische Konditor zeigt einen ziemlich spektakulären Schokokuchen. Ohne Butter. Völlig vegan. Vor allem in Tel Aviv, einer Stadt, die sich gerne als vegane Welthauptstadt inszeniert, kommt das gut an. Und so kann zumindest Moshe Ahuvi der Butterkrise auch etwas Gutes abgewinnen. Nebeneffekt: Für pflanzliche Fette zahlt der deutlich weniger als für die begehrte Butter.

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