Foto: BR | Julio Segador

Der Wüstenwein aus der Negev

Ejal Israel baut in einer der trockensten Regionen Wein an und erfüllt damit den Traum von Staatsgründer Ben Gurion

Runder, weniger intensiv, so schmeckt der Cabernet Sauvignon, den Ejal Israel in der Wüste Negev anbaut. Kenner, so sagt er, seien regelrecht schockiert. Und Ejal Israel mit seinem Weinbau so erfolgreich, dass andere seinem Weg gefolgt sind. Ein Beitrag von BR-Reporter Julio Segador.

Von Studio Tel Aviv
Am 07.10.2017

Es war Israels Staatsgründer David Ben Gurion, der einst die Vision hatte, die Wüste Negev urbar, also fruchtbar und bewohnbar zu machen. Immer wieder muss Ejal Israel an diesen Traum Ben Gurions denken. Er, der Weinbauer, hat die Vision des israelischen Staatsgründers in die Tat umgesetzt: „ 50 Jahren danach treten wir sein Erbe an und erfüllen seinen Traum mit Leben. Wir bauen in der Wüste Wein an.“ Vor gut 20 Jahren zogen Ejal Israel und seine Frau Hannah in die Wüste Negev. Sand, Steine, Geröll fanden sie in der hügeligen, lebensfeindlichen Landschaft vor. Doch Ejal Israel war davon beseelt, Ben Gurions Traum umzusetzen, trotz aller Schwierigkeiten.

Es war nicht nur sehr hart und sehr mühsam. Es war absolutes Neuland. Keiner konnte uns sagen, welche Trauben wir verwenden sollen, welche Weine in der Wüste angebaut werden können. Ganz im Gegenteil. Die meisten rieten mir ab, und meinten: Das wird nicht klappen.

— Ejal Israel, Weinbauer
Wüstenpionier Ejal Israel in seinem Weinanbaugebiet: Die Vision von Staatsgründer Ben Gurion, die Wüste fruchtbar zu machen, hat er verwirklicht. Foto: BR | Julio Segador

Carmel Avdat heißt das Weingut, dass der Winzer vor 20 Jahren entgegen vieler Ratschläge gründete. Und Ejal Israel ist stolz, wenn er Besuchern heute seine Weinstöcke zeigt. Die grünen Blätter und dunkelblauen Reben bieten einen kräftigen Kontrast zu dem öden, staubtrockenen Landstrich, der die Weinstöcke umgibt. Es war ein wahnwitziges Unterfangen, Wein anzubauen in einer der trockensten Regionen der Welt. Der Winzer hatte herausgefunden, dass vor etwa 1500 Jahren ein Wüstenvolk an der Stelle bereits Wein angebaut hatte. Damals legten die alten Weinbauern Terrassen an, um gelegentliche Sturzfluten aufzufangen. Ejal Israel nutzt heute die alte Bewässerungstechnik.

Es regnet hier sehr wenig, gerade mal 60 Millimeter im Jahr. Aber das alte Bewässerungssystem mit den Terrassen verdreifacht die Regenmenge.

— Ejal Israel, Weinbauer

Über die Terrassen fließt das Regenwasser herunter. Auf jeder Stufe bleibt der Niederschlag hängen, dringt in den Boden, der Rest fließt zur nächsten Terrasse. Ein ausgeklügeltes System aus der Vergangenheit, das nur leider in der heutigen Zeit nicht ausreicht. Ejal Israel zeigt auf einen schwarzen Schlauch, der sich neben den Weinstöcken schlängelt. Alle 50 Zentimeter ist ein kleines Loch im Schlauch. Tropfenweise wird die Erde an den Wurzeln der Rebstöcke befeuchtet.

Wir mussten das alte System mit diesem modernen Bewässerungssystem kombinieren. Alle Weinhänge sind daran angeschlossen. Dieses System wurde in Israel erfunden. Und die Kombination beider Methoden macht es möglich, dass sogar in der Wüste Trauben wachsen.

— Ejal Israel, Weinbauer
Gerade mal 60 Milliliter Wasser fallen in dieser Region. Ejal Israel musste auf altbewährte und moderne Bewässerungsmethoden zurückgreifen, damit der Wein hier wächst. Foto: BR | Julio Segador

Ejal Israel geht in eine kühle Halle, in der die Weintanks gelagert sind. Eine lange Lagerung des Weines in Eichenfässern vermeidet er. Ejal Israel versucht, den Charakter des Wüstenweines soweit es geht beizubehalten. Etwa bei dem kräftigen, tief purpurrot leuchtenden Cabernet Sauvignon: „Der Geschmack der Wüste macht den Unterschied“, sagt er.  „Unser Cabernet Sauvignon schmeckt anders. Fachleute aus anderen Weinanbaugebieten sind regelrecht schockiert. Er schmeckt runder, weniger intensiv. Man bekommt nicht so schnell einen dicken Kopf, er enthält weniger Tannine. Dazu kommt, dass der Gärprozess kälter als sonst abläuft. Dadurch behält er noch stärker den Geschmack und das Aroma der Trauben. “ Das Klima – heiße Tage und vergleichsweise kalte Nächte – kommt dabei dem Wüstenwein zugute. Neben Cabernet Sauvignon produziert der Weinbauer inzwischen auch einen Merlot und seit vier Jahren erstmals einen Weißwein. Auf diesen Chardonnay ist Ejal Israel besonders stolz. Und all das, ohne große Vorkenntnisse.

Mein Glück war, dass ich zuvor nicht als Weinbauer gearbeitet hatte. Ich hatte so gut wie keine Ahnung. Aber entscheidend war: Ich hatte keine Angst, obwohl mir alle abrieten. Ich war ein dummer Typ, voller Träume, der einfach in die Wüste ging, Weinreben anpflanzte und Wein produzierte. Und nun machen es mir immer mehr nach.

— Ejal Israel, Weinbauer

Sieben weitere Winzer hat Ejal Israel inzwischen in die Negev gelockt. Auch sie haben sich inzwischen auf Wüstenwein spezialisiert. Mit 5-6000 Flaschen Wein pro Jahr ist sein Absatz zwar überschaubar. Ejal Israel aber hat es allen Kritikern und Zweiflern gezeigt. Weinanbau in der Negev-Wüste ist möglich: „Ja. Ich bedauere nichts. Ich würde es wieder wagen. Wir haben etwas richtig großes auf die Beine gestellt. Ich würde alles wieder genauso machen.“

Kommentare

Kommentare werden vor der Freischaltung geprüft.
Mehr in den Kommentarrichtlinien

2 thoughts on “Der Wüstenwein aus der Negev”

    gunther, Montag, 09.10.17, 7:28 Uhr

    Ein hervorragendes Beispiel, wie Israelis versuchen, ihr Land fruchtbar zu machen. Dabei besteht Israel zu 60% aus Wüste. Der Vergleich mit der Politik von Fatah und Hamas lohnt sich. Unter beiden Füh ...

    Ein hervorragendes Beispiel, wie Israelis versuchen, ihr Land fruchtbar zu machen. Dabei besteht Israel zu 60% aus Wüste.
    Der Vergleich mit der Politik von Fatah und Hamas lohnt sich. Unter beiden Führungen wird die Infrastruktur vernachlässigt, trotz hunderter Millionen Hilfsgelder jährlich. Unter ihnen wird ein Fortschritt zum Aufbau des Landes total ignoriert. Die Verhaltensweisen in deren Regionen sind frühmittelalterlich.

      Simon, Freitag, 13.10.17, 16:14 Uhr

      Exakt.

      Exakt.