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Der Unbesiegbare?

Seine Anhänger feiern ihn als "König von Israel": Wird Benjamin Netanjahu die Wahl noch einmal gewinnen?

Im Sommer hätte Benjamin Netanjahu den Rekord des am längsten amtierenden Premierministers gebrochen. Vieles spricht dafür, dass er es schafft. 

Von Benjamin Hammer
Am 05.04.2019

An der Klagemauer in Jerusalem streckt der brasilianische Präsident Yair Bolsonaro seine Hände aus und hält sie an die Mauer. Dann senkt er seinen Kopf. Die Fotografen warten auf den perfekten Moment. Neben Bolsonaro steht Benjamin Netanjahu. Der schaut in Richtung der Kameras. Er lächelt. Dann streckt auch er seine Hände aus und senkt seinen Kopf. Die Kameras klicken – mitten im israelischen Wahlkampf. Benjamin Netanjahu einen Medienprofi zu nennen, wäre vielleicht noch eine Untertreibung. Netanjahu traf sich in den Wochen vor der Wahl auffällig häufig mit Staatsmännern. Mit Yair Bolsonaro, Wladimir Putin und Donald Trump.

Ich danke meinem Freund Donald Trump. Diese besondere Verbindung, die ich zu den Staatsmännern der Welt habe, ist keine Selbstverständlichkeit. Seit Jahren arbeite ich daran und meine Kontakte helfen mir, unsere Sicherheit und Zukunft zu sichern. Die Politik, die ich gemeinsam mit meinen begabten Parteifreunden des Likud anführe, hat Israel das beste Jahrzehnt seiner Geschichte gebracht.

— Premier Benjamin Netanjahu 

An manchen Gebäuden in Israel hängen Wahlplakate, die Netanjahu mit Donald Trump zeigen. Nur mit Netanjahu, steht auf den Plakaten, spiele Israel in der ersten Liga. Es ist Netanjahus Verteidigungslinie in der größten Krise seiner politischen Karriere. Der Generalstaatsanwalt will den Premierminister in gleich mehreren Korruptionsfällen anklagen. In Deutschland wäre die Kanzlerin in so einem Fall wohl längst zurückgetreten. In Israel aber halten viele Wähler zu dem Mann, den seine Anhänger den „König von Israel“ nennen.

Für uns kommt bei den Wahlen nur Bibi Netanjahu in Frage. Der Generalstaatsanwalt ist ein Jurist, der von dunklen Mächten mobilisiert wurde. Bibi hat für Israel Dinge erreicht, die keinem Politiker vor ihm gelungen sind. In der Wirtschaft, der Außenpolitik und der Sicherheit.

— Passant in Tel Aviv

Benjamin Netanjahu gibt den meisten israelischen Medien keine Interviews. Wie Donald Trump wittert er eine Verschwörung linker Journalisten, die ihn aus dem Amt drängen wollen. Schon lange, bevor es Facebook und Twitter gab, fand Netanjahu Wege, seine Wähler abseits der Medien zu erreichen. Heute hat er das perfektioniert, zum Beispiel mit einem eigenen Internet-Sender seiner Likud-Partei. Zur besten Sendezeit aber setzt Netanjahu voll und ganz auf die israelischen Fernsehsender. Dann spricht er staatstragend zu den „Bürgern Israels“. Nachfragen von Journalisten, etwa zu den möglichen Korruptionsfällen, sind nicht vorgesehen.

Die Linken wissen, dass sie uns bei unseren ganzen Erfolgen nicht in den Wahllokalen besiegen können. Deshalb verfolgen sie mich seit drei Jahren politisch. Es ist eine noch nie da gewesene Hexenjagd, die nur ein Ziel hat: Die rechte Regierung mit mir an der Spitze zu stürzen. Und die linke Regierung von Yair Lapid und Benny Gantz an die Macht zu bringen.

— Premier Benjamin Netanjahu

„Blauweiß“, die Wahlliste von Lapid und Gantz, könnte laut Umfragen die meisten Stimmen bekommen. Trotzdem könnte Netanjahu mit einem politisch rechten Bündnis als Wahlsieger hervorgehen. Im Sommer würde er den Staatsgründer David Ben-Gurion ablösen – als Premierminister mit der insgesamt längsten Amtszeit. Seine Gegner würden verzweifeln. Seine Anhänger würden ihn feiern, als „König von Israel.“

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