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Der koschere Sexshop

Die orthodoxe Jüdin und Sexhshop-Besitzerin Chana Boteach ist überzeugt: Sex und Religion gehören zusammen

Schon in der Schöpfungsgeschichte heißt es: "Seid fruchtbar und mehret euch". Im Judentum gilt das als Auftrag – und es soll Spaß machen. Sexspielzeug ist dabei nicht ausgeschlossen.

Von Benjamin Hammer
Am 23.10.2019

Die orthodoxe Ladenbesitzerin Chana Boteach zeigt auf das Regal mit Vibratoren und Dildos: „Hier kommen wir zu den Zauberstab-Vibratoren. Und hier haben wir voll einführbare Dildos aus Kristallstein“, sagt die 29-jährige Israelin mit amerikanischen Wurzeln. Ein Regal mit Sex-Spielzeugen für religiöse Kunden: Für Chana Boteach, die sich selbst an die Regeln ihrer Religion hält, ist das kein Widerspruch.

Die Leute glauben, dass Religion die Sexualität unterdrückt. Aber im Judentum wird Sex gefeiert. Die Menschen werden dazu ermuntert.

— Chana Boteach, orthodoxe Sexshop-Besitzerin
Koscher: Dildos und Vibratoren im Jerusalemer Sexshop. Foto: BR | Benjamin Hammer

Hinweise finden sich schon in der Schöpfungsgeschichte. Da heißt es: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild. Als Mann und Frau schuf er sie. Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch.“ Und später: „Beide, Adam und seine Frau, waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander.“ Chana Boteach will mit ihrem Geschäft Sex und Religion in Einklang bringen. Damit tritt sie in die Fußstapfen ihres Vaters, einem bekannten Rabbiner aus den USA. Der schrieb vor 20 Jahren einen Ratgeber für koscheren Sex. Chana Boteach sagt, in der säkularen Welt werde die Sexualität ausgebeutet – zum Beispiel mit Pornografie. In der religiösen Welt hingegen werde die Sexualität häufig unterdrückt – gerade die von Frauen.

Die Welt hat es mit dem religiösen und mit dem weltlichen Ansatz versucht. Es ist an der Zeit für einen wunderschönen und ausgeglichenen Zugang. Der kommt aus meiner Sicht aus dem Judentum.

— Chana Boteach, orthodoxe Sexshop-Besitzerin
Chana Boteach ist selbst religiös und bietet in ihrem Shop Sexspielzeug für Religiöse. Foto: BR | Benjamin Hammer

Was aber ist eigentlich jüdisch in Chana Boteachs koscherem Sexshop? Eine Sache fällt auf: Viele Gegenstände sind für Frauen gedacht. Im Judentum, sagt Boteach, hätten die Männer den klaren Auftrag, ihren Frauen Befriedigung zu verschaffen. Und dann fällt auf, wie klein die Peitschen sind und wie harmlos die Handschellen. Auch das ist kein Zufall. Denn das Sexspielzeug soll zwar die Lust steigern, aber auf keinen Fall Schmerzen zufügen. Das wäre nicht koscher. Bei aller Lockerheit: Die Vorschriften und Regeln ihrer Religion will Chana Boteach nicht überwinden. Masturbation von Männern? Verboten. Sex auf Fotos und in Videos? Ebenfalls. Und auch daran sollten sich jüdische Paare laut Chana Boteach halten: Während der Menstruation der Frau – und einige Tage danach – sollen Paare nicht miteinander schlafen.

Manche Leute sehen darin religiöse Unterdrückung. Sie sagen, dass sich eine Frau während der Menstruation schmutzig fühlt. Ich glaube aber, dass das Judentum hier ein Geheimnis entdeckt hat, in einer Beziehung die Spannung zu erhalten: Das Sex manchmal nicht verfügbar ist.

— Chana Boteach, orthodoxe Sexshop-Besitzerin
Der Vater von Chana Boteach ist Rabbiner und hat ein Buch über koscheren Sex geschrieben. Foto: BR | Benjamin Hammer

Für Chana Boteach ist Sex nicht nur eine schöne Nebensache. Es ist Teil ihrer Religion. Im Internet sei sie von manchen religiösen Juden angefeindet worden. Der überwältigende Teil der Rückmeldungen sei aber positiv. Chana Boteach hat mit ihrem koscheren Sexshop große Pläne: Schon bald will sie ein Geschäft in New York eröffnen.

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