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„Denkt an eure Urenkel!“ 

Die US-Regierung stellt heute in Bahrain den wirtschaftlichen Teil ihres Nahost-Friedensplans vor

Ein Investitionsprogramm in Höhe von rund 50 Milliarden Dollar will Trumps Nahost-Team für die Palästinenser. Von einer Zweistaatenlösung oder Souveräntität ist nichts zu lesen – entsprechend verhalten reagieren die Palästinenser. 

Von Benjamin Hammer
Am 25.06.2019

Seit 46 Jahren betreibt Iskandar Hinn seinen Friseursalon in der Innenstadt von Ramallah. Der Palästinenser mit weißem Hemd, weißen Haaren und weißem Schnurrbart wurde hier geboren. Auf dem Tresen stehen schwere Aschenbecher. In palästinensischen Friseursalons darf noch geraucht werden. Und wenn Iskandar Hinn im Salon schneidet und seine Kunden rauchen, drehen sich die Gespräche auch um Donald Trump. Der US-Präsident und seine Nahost-Gesandten arbeiten nach eigenen Angaben am ultimativen Deal, wie Trump das nennt. Frieden zwischen Israelis und Palästinensern. Die erste Stufe des Plans wurde vor wenigen Tagen veröffentlicht: Ein Investitionsprogramm für die Palästinenser in Höhe von angeblich etwa 50 Milliarden US-Dollar. Der Friseur ist skeptisch.

 

Trump sagt jetzt, dass er uns Palästinensern etwas Gutes tun möchte. Aber wenn er das machen will, soll er uns einen palästinensischen Staat geben. Damit wir und unsere Kinder so leben können, wie jeder andere auf der Welt. Das ist unser Recht.

— Iskandar Hinn, Friseur

Doch von einem palästinensischen Staat ist im Wirtschaftsplan der US-Regierung an keiner Stelle die Rede. Auch das Wort „Souveränität“ fehlt in der Hochglanzbroschüre völlig. Zwar will die US-Regierung den politischen Teil ihrer Pläne erst im November veröffentlichen. Doch Palästinenser wie der Friseur Iskandar Hinn trauen Donald Trump einfach nicht mehr.

Es geht doch darum, wie man gute Dinge für alle erreicht: für die Palästinenser und die Israelis. Wenn jemand Israel etwas Gutes tut, musst er das auch für uns tun. Weil wir Nachbarn sind.

— Iskandar Hinn, Friseur

„Frieden durch Wohlstand“ hat die US-Regierung ihren Milliardenplan für die Palästinenser genannt. Fördergelder und Kredite sollen in die Infrastruktur fließen, in die Bildung und in das Gesundheitssystem. Wer verstehen will, warum die Palästinenser trotzdem so skeptisch sind, muss auf Trumps Nahost-Politik schauen: Die US-Regierung erkannte Jerusalem als Hauptstadt Israels an, ohne, dass sich Israelis und Palästinenser auf den Status der umstrittenen Stadt geeinigt haben. Die USA strichen ihre Beiträge für das UN-Hilfswerk für die Palästinenser. Die Regierung stellte Zahlungen für palästinensische Krankenhäuser ein. Und sie stoppte sogar die Förderung von Begegnungsprogrammen zwischen Israelis und Palästinensern. Laut US-Regierung sollen die Palästinenser so gezwungen werden, wieder mit den USA und Israel zu verhandeln. In der Hochglanzbroschüre des US-Milliardenplans gibt es viele Fotos von Palästinensern. Sie lernen, sie lachen, sie packen an. Das sieht gut aus. Doch die Fotos stammen ausgerechnet aus jenen Projekten, denen die US-Regierung seit mehr als einem Jahr die Finanzierung verweigert. In der Broschüre aus dem Weißen Haus werden also Menschen für einen angeblichen Förderplan instrumentalisiert, denen die US-Regierung vorher das Geld gestrichen hat. Auf den Straßen in Ramallah zeigten die Menschen auf Demonstrationen, was sie vom Workshop der US-Regierung halten: gar nichts. Auf der Konferenz in Bahrain wird zwar über die Palästinenser gesprochen – aber nicht mit ihnen. Die Palästinensische Autonomiebehörde boykottiert die Veranstaltung, genauso wie ein Großteil von Geschäftsleuten.

Wir haben realisiert, dass dieser Wirtschafts-Workshop in Bahrain Nonsens ist. Das Papier ist eine theoretische Abhandlung, die 60 Milliarden Dollar fordert. Wir wissen nicht, woher das Geld kommen soll. Aber wir wissen, dass die wirtschaftlichen Probleme Palästinas mit den israelischen Maßnahmen zu tun haben. Im Plan der US-Regierung gibt es keinen Verweis auf die Besatzung oder israelische Siedlungen. Dieser Workshop soll die Siedlungen politisch weißwaschen und die Besatzung legitimieren.

— Mohammed Schtajje, palästinensischer Ministerpräsident
Weder Mohammed Schtajje noch ein anderer Vertreter der palästinensischen Autonomiebehörde wird am Workshop teilnehmen. Foto: dpa | picture alliance

Die Autonomiebehörde hat in der palästinensischen Bevölkerung nur noch wenig Rückhalt. Die letzte Parlamentswahl liegt 13 Jahre zurück. Der Machtkampf der Bewegungen Fatah und Hamas dauert an. Dass die Autonomiebehörde so entschieden gegen die Pläne aus Washington eintritt, kommt bei den meisten Palästinensern hingegen gut an.

Flug in besetztes Gebiet

Aus Jerusalem flog vor wenigen Tagen ein Helikopter der israelischen Armee in das Jordantal. Das Gebiet wird seit 1967 von Israel besetzt. Im Helikopter saßen Israels Premier Benjamin Netanjahu und der Sicherheitsberater der US-Regierung, John Bolton. Vertreter von früheren US-Regierungen hätten so einen Flug in besetztes Gebiet abgelehnt. Die Trump-Regierung übt hingegen den Schulterschluss. John Bolton trug eine weiße Schirmmütze mit den Flaggen der USA und Israels.

John, wie Du sehen kannst, bietet das Jordantal das Mindestmaß an strategischer Tiefe, um unser Land zu verteidigen. Unsere Position ist, dass Israel in jedem Friedensabkommen seine Präsenz in diesem Gebiet aufrechterhalten sollte. Wir werden uns die amerikanischen Vorschläge mit Offenheit anhören. Ich kann nicht verstehen, dass die Palästinenser die Vorschläge klar ablehnen, bevor sie den Plan überhaupt gesehen haben.

— Premier Benjamin Netanjahu
Premierminister Benjamin Netanjahu besuchte mit dem amerikanischen Sicherheitsberater John Bolton das Jordantal. Foto: dpa | picture alliance

Doch auch die deutsche Bundesregierung rechnet offenbar nicht damit, dass der Friedensplan aus dem Weißen Haus – bestehend aus einem wirtschaftlichen und einem politischen Teil – ausgeglichen und tragfähig ist. Zum Wirtschaftsworkshop in Bahrain kommen aus Deutschland nur hochrangige Beamte – keine Minister oder Staatsminister. Ein politisches Signal. Iskandar Hinn, der Friseur aus Ramallah, akzeptiert den Staat Israel. Doch er fordert einen palästinensischen Staat an seiner Seite.

Ich kenne die Kultur der Menschen im Nahen Osten. Herr Trump kennt sie nicht. Im Moment wirkt es so, als profitierten die Israelis von Donald Trump. Aber das wird nicht lange so bleiben. Trump schadet den Israelis. Denn durch Trump werden die Radikalen in der islamischen Welt gestärkt. Das ist die Gefahr.

— Iskandar Hinn, Friseur

Frieden, so sieht es der Friseur, könne es nur mit einem souveränen palästinensischen Staat geben.  Dann will er noch eine Botschaft an die Israelis loswerden.

Was immer die wollten, sie müssten an ihre Urenkel denken. Wollt Ihr Frieden für Eure Urenkel? Oder sollen sie für immer und ewig eine Waffe tragen müssen? Darum geht es hier.

— Iskandar Hinn, Friseur

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Kommentare

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9 thoughts on “„Denkt an eure Urenkel!“ ”

    Florian, Donnerstag, 04.07.19, 13:28 Uhr

    @ Tina Der islamspezifische Antisemitismus ist offensichtlich. Die Zusammenarbeit der Palästinenser, Großmufti von Jerusalem, mit den Nazis dürfte auch Ihnen bekannt sein. Es ging um die Ausrottung de ...

    @ Tina

    Der islamspezifische Antisemitismus ist offensichtlich.
    Die Zusammenarbeit der Palästinenser, Großmufti von Jerusalem, mit den Nazis dürfte auch Ihnen bekannt sein. Es ging um die Ausrottung der Juden.
    Diese Linie setzt sich bis heute fort.
    Aber Sie spekulieren lieber über Angriffspläne Der USA gegenüber Iran. Nehmen Sie einfach die Angriffsdrohungen, allwöchentlich, des Iran gegenüber Israel, zur Kenntnis.

    Florian, Mittwoch, 26.06.19, 13:54 Uhr

    Seit 1948 lehnen die Araber/Palästinenser konkrete Verhandlungen ab, die Frieden zum Ziel haben. Stattdessen führen sie seit 1948 Krieg. Das ist die Wirklichkeit. Hamas, Hisbollah und Iran, der die be ...

    Seit 1948 lehnen die Araber/Palästinenser konkrete Verhandlungen ab, die Frieden zum Ziel haben. Stattdessen führen sie seit 1948 Krieg. Das ist die Wirklichkeit.
    Hamas, Hisbollah und Iran, der die beiden finanziert, verkünden unermüdlich, dass sie Israel zerstören wollen. Das ist die Wirklichkeit.
    Fatah alimentiert Mörder und deren Familien. Das ist die Wirklichkeit.
    Iran und Hamas bezahlen die Demonstranten in Gaza. Das ist die Wirklichkeit.
    Aus Gaza fliegen nicht „ein paar Bömbchen“, sondern seit Jahren tausende von Raketen auf Zivilisten in Israel. Das ist die Wirklichkeit.
    In den Hadithe (Sprüche Mohameds) wird verkündet, die islamische Geschichte sei erst vollendet, wenn alle Juden getötet sind. Das ist die Wirklichkeit.
    In den islamischen Staaten stimmen 60-80% antisemitischen Aussagen zu. Das ist die Wirklichkeit.
    Vor dem Internationalen Gerichtshof klagen 52 palästinansische Araber gen Folter, Vergewaltigung und Mord gegen die Paläsinensische Autonomiebheörde. Das ist es.

      Tina, Donnerstag, 27.06.19, 16:58 Uhr

      @Florian Ich weiß nicht, wo Ihr Problem liegt. Ich streite nicht ab, dass aus Gaza Raketen fliegen. Natürlich ist das schrecklich! Allerdings kann sich Israel ganz gut wehren. Das ist nicht zu verglei ...

      @Florian

      Ich weiß nicht, wo Ihr Problem liegt.

      Ich streite nicht ab, dass aus Gaza Raketen fliegen. Natürlich ist das schrecklich! Allerdings kann sich Israel ganz gut wehren. Das ist nicht zu vergleichen mit der „Bömbchen“-Eskalation, die die USA unbedingt wollen. Wenn die Atommacht Russland sich als Verbündeter des Irans einschaltet, dann kann es radioaktiv werden. Das ist nicht witzig!

      Außerdem nicht zu vergessen: Israel ist eine Atommacht, die haben was drauf. Israel ist nicht das arme Opfer. Der Iran hat bisher im Wesentlichen nur die große Klappe bewiesen.

      Ich habe mir einfach nur überlegt, warum der politische Teil des Deals erst im November verkündet werden soll. Das ist, gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Kriegstreiberei, sicher kein Zufall. Ich habe mir einfach nur Gedanken über die Wirklichkeit gemacht.

      Eine weitere Wirklichkeit ist auch, dass Trump der neue (persische/iranische!) König Cyrus ist, siehe die neue Tempelmünze.

      Tina, Donnerstag, 27.06.19, 17:03 Uhr

      "In den Hadithe (Sprüche Mohameds) wird verkündet" Und was wird im Talmud über die Goyim verkündet ? Ich empfehle die Lektüre!

      „In den Hadithe (Sprüche Mohameds) wird verkündet“

      Und was wird im Talmud über die Goyim verkündet ?
      Ich empfehle die Lektüre!

      Florian, Freitag, 28.06.19, 17:42 Uhr

      @ Tina Auf die penetrante Aggression von arabischen Staaten gegenüber Israel gehen Sie natürlich nicht ein. Auch nicht auf die vom Iran finanzierte Aufrüstung von Hisbollah und Hamas. Auch nicht auf d ...

      @ Tina

      Auf die penetrante Aggression von arabischen Staaten gegenüber Israel gehen Sie natürlich nicht ein. Auch nicht auf die vom Iran finanzierte Aufrüstung von Hisbollah und Hamas.

      Auch nicht auf den islamspezifischen Antisemitismus in arabischen Ländern.

      Ich empfehle Ihnen die Lektüre der Charta der Hamas.

      Dann ist alles klar.

      Tina, Samstag, 29.06.19, 10:55 Uhr

      @Florian Lesen Sie BITTE meinen Text, bevor Sie sich so echauffieren! Ich weiß, dass die Araber Israel hassen, ich kenne die Hamas-Charta. Und was nun? Hat die Hamas was ausrichten können gegen Israel ...

      @Florian

      Lesen Sie BITTE meinen Text, bevor Sie sich so echauffieren!

      Ich weiß, dass die Araber Israel hassen, ich kenne die Hamas-Charta. Und was nun? Hat die Hamas was ausrichten können gegen Israel, hat die Hisbollah was erreicht?

      Israel existiert weiter und ist im Besitz der Atombombe! Die Araber wissen das und der Iran weiß das.

      Schauen Sie doch über den Tellerrand. Ich wiederhole zum x-ten Mal: Wenn sich Russland, der Verbündete des Irans, in den Krieg einschaltet, dann gibt es womöglich eine atomare Katastrophe mit Millionen von Toten. Haben Sie Lust darauf? Strahlenkrankheit und so? Krebs usw.? Die Nordhalbkugel unbewohnbar machen? Nur weil die Moslems eine große Klappe haben.

      Ich würde evtl. etwas weiter denken, als nur bis zum nächsten Sprücheklopfen von islamischen Wichtigtuern und der nächsten Hamas-Rakete, die im freien Feld landet oder abgefangen wird. Und auch die Hamas-Tunnel kann man mit entsprechender Technologie in den Griff bekommen!

      Tina, Samstag, 29.06.19, 11:44 Uhr

      Man kann noch weiter denken: Die USA greifen den Iran an, bluten, bringen ihre Soldaten in Särgen zurück nach Hause. Und was ist dann zu Hause? Die russischen Agenten sind schon da! EMP-Angriff, Tsuna ...

      Man kann noch weiter denken:

      Die USA greifen den Iran an, bluten, bringen ihre Soldaten in Särgen zurück nach Hause. Und was ist dann zu Hause? Die russischen Agenten sind schon da!

      EMP-Angriff, Tsunami im Westen, Tsunami im Osten, humanitäre Katastrophe, weitere Tausende oder Millionen Tote.

      Und wie geht es dann weiter? Was ist die Lösung, wenn nichts mehr funktioniert und das Land womöglich voller russischer Agenten ist, die noch mehr Schaden anrichten wollen? Dann verdächtigt man am besten gleich jeden, sperrt alle ein und dann ist Ruhe??? Die berühmte Martial Law-Ruhe.

      Ich könne echt ein Buch schreiben.

    Tina, Dienstag, 25.06.19, 13:08 Uhr

    "politischen Teil ihrer Pläne erst im November" Jetzt kann man "gespannt" sein, wie der Nahe Osten im November aussehen wird..., z.B. nachdem ein paar Bömbchen hin und her geflogen sind. Daraus kann s ...

    „politischen Teil ihrer Pläne erst im November“

    Jetzt kann man „gespannt“ sein, wie der Nahe Osten im November aussehen wird…, z.B. nachdem ein paar Bömbchen hin und her geflogen sind. Daraus kann sich eine komplett andere Ausgangssituation ergeben. Soll deshalb bis November gewartet werden?

    “I ask: What’s wrong with Palestinian surrender?” wrote Ambassador Danny Danon in a New York Times op-ed.

    Klingt nicht sehr nach Verhandlungsbereitschaft.

    Lotte, Dienstag, 25.06.19, 10:34 Uhr

    Welche Visionen haben die Palästinenser für Ihre Urenkel ? Welche konkreten Friedenspläne haben ihre jeweiligen politischen Vertreter bzw. Regierungen, Hamas und Fatah ? Bitte: Frage auch in den Lives ...

    Welche Visionen haben die Palästinenser für Ihre Urenkel ?

    Welche konkreten Friedenspläne haben ihre jeweiligen
    politischen Vertreter bzw. Regierungen, Hamas und Fatah ?

    Bitte: Frage auch in den Livestream übernehmen.