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Den Regen ernten

Wie ein israelischer Wissenschaftler Regenwasser in Trinkwasser verwandelt

Wenn bei Amir Jechieli die Wasseruhr wieder mal lange stillsteht, wird der Wasserversorger skeptisch. Dabei hat Jechieli nur ein Regenwasser-Auffangsystem entwickelt und bei sich zu Hause installiert. 150 Schulen nutzen sein System mittlerweile ebenfalls.

Von Peter Kapern
Am 30.12.2016

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„Heute Nachmittag gibt’s Sturm und starken Regen“, sagt Amir Jechieli zur Begrüßung. Und er freut sich schon drauf. Danach sind die Tanks, die er in seinem Garten aufgestellt hat, wieder randvoll mit Regenwasser: „Man kann doch dieses ganze Wasser nicht nutzlos abfließen lassen. In vielen Gegenden Israels versickert der Regen nicht im Boden, sondern er läuft durch die Kanalisation direkt entweder ins Tote Meer oder ins Mittelmeer.“ Die reine Verschwendung, sagt der Wissenschaftler. Denn für die Wasserversorgung betreibt Israel Meerwasser-Entsalzungsanlagen, die – genaue Daten werden nicht veröffentlicht – ein knappes Viertel der gesamten im Lande produzierten Energie verbrauchen sollen.

 

Das Zisternen-Problem ist der flache Boden

 

Regenwasser zu ernten, nutzbar zu machen – mit dieser Idee beschäftigt sich der gelernte Mikrobiologe, seit er einmal gesehen hat, wie ein Sturzregen eine komplette Wand hat einstürzen lassen. Das war an der Schule in Jerusalem, an der er unterrichtet hat. Damals hat Amir Jechieli die Oberfläche des Schulgeländes ausgerechnet, auf die der Regen gefallen war. Das Ergebnis: Hätte man den zerstörerischen Regen aufgefangen, wäre das genug gewesen, um die Schule ein ganzes Jahr lang mit Wasser zu versorgen. Nun ist die Idee, Regenwasser in Zisternen aufzufangen, nicht ganz neu. Das haben Menschen schon vor Jahrtausenden getan, weiß auch Jechieli. Doch Zisternen haben immer dasselbe Problem: den flachen Boden. Dort sammeln sich die Stoffe, die mit dem Regen vom Himmel fallen.

 

Der ganze Staub, die Bodenpartikel, sammeln sich unten in einem Tank mit flachem Boden. Und nach einer Weile haben sich da fünf oder zehn Zentimeter Schlamm angesammelt. Das ist der perfekte Nährboden für Bakterien, und die verseuchen dann das Wasser.

— Amir Jechieli, Mikrobiologe

 

Deshalb hat Amir Jechieli einen Tank mit einem nach unten gewölbten Boden entwickelt. Dort sammelt sich der Schlamm. Und am niedrigsten Punkt befindet sich ein großes Ventil. Zwei, drei Tage, nachdem ein Regenguss den Tank gefüllt hat, haben sich die festen Stoffe am Boden abgesetzt. Und dann dreht Amir Jechieli einfach das Ventil für ein paar Sekunden auf, damit der Dreck hinausgespült wird. Vom Dach seines Hauses sammelt er genug Wasser, um sechs Monate pro Jahr Dusche, Waschmaschine und Toilette zu speisen. Er lässt sogar einen Teil des aufgefangenen Regens durch einen simplen Aktivkohlefilter laufen und gewinnt so perfektes Trinkwasser.

 

Das macht die Leute vom Wasserversorger skeptisch. Sie kommen dann her und sehen, dass die Wasseruhr monatelang stillgestanden hat, und fragen sich warum und prüfen, ob ich vielleicht Wasser von meinen Nachbarn stehle.

— Amir Jechieli, Mikrobiologe

 

Mittlerweile hat Amir Jechieli 150 Schulen in Israel mit seinem Regenwasser-Auffangsystem ausgestattet. Die nutzen das Wasser für die Toilettenspülung. Das Gesundheitsministerium erlaubt allerdings nicht die Nutzung als Trinkwasser. Obwohl Jechieli behauptet, er könne die Unbedenklichkeit mit seinen Messungen nachweisen. Anders in Kenia. Da haben vier Schulen sein Tanksystem installiert. Das Wasser hat eine bessere Qualität als alles, was dort aus Brunnen oder Zisternen geholt wird. Deshalb kommen die Eltern der Schüler über viele Kilometer zu diesen Schulen, um sich Trinkwasser in Kanistern abzufüllen. Nur eines fehlt dem Regenwasser-Auffangsystem noch: der große, kommerzielle Durchbruch. Amir Jechieli bietet all jenen die Baupläne kostenlos an, die Interesse haben, die Wassertanks mit den nach unten gewölbten Böden zu produzieren. Noch aber hat niemand zugegriffen, sagt der Wissenschaftler. Das kommt noch, ist Amir Jechieli überzeugt. Man brauche nur genügend Beharrlichkeit, und irgendwann schießen diese Systeme dann aus dem Boden wie Pilze nach dem Regen.

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