Foto: dpa | picture alliance

Dementi klingt anders

Moskau und Damaskus machen Israel für den jüngsten Angriff in Syrien verantwortlich – Israel schweigt

Israel hat in den vergangenen Jahren immer wieder Angriffe in Syrien geflogen, sich aber nur sehr selten dazu bekannt. Dennoch sind sich viele in Israel sicher, dass es eigene Kampfjets waren, die den syrischen Luftwaffenstützpunkt nahe Homs mit Raketen beschossen.

Von Tim Assmann
Am 10.04.2018

Die israelischen Streitkräfte blieben bei ihrer Linie: Auch nachdem Damaskus und Moskau Israels Luftwaffe für den Angriff in Syrien verantwortlich gemacht hatten, und selbst nachdem Medien berichteten, die USA seien vorher von Israel informiert worden, äußerte sich die Armee nicht. In Israel selbst gibt es aber keinen Zweifel daran, dass es eigene Kampfjets waren, die den syrischen Luftwaffenstützpunkt nahe Homs mit Raketen beschossen. Den ganzen Tag über gaben israelische Politiker und Sicherheitsexperten Interviews zu dem Angriff. Niemand räumte ihn offiziell ein, auch Gilad Erdan nicht. Israels Minister für Innere Sicherheit tat aber auch nichts dagegen, dass der Angriff Israel zugerechnet wird.

Natürlich werde ich jetzt nicht zu dem Stellung nehmen, was uns zum Thema Sicherheit aktuell zugeschrieben wird. Aber allein die Tatsache, dass es uns zugeschrieben wird, lehrt etwas über unsere Unabhängigkeit.

— Gilad Erdan, Minister für Innere Sicherheit
Leugnet nichts - verrät aber auch nichts: Israels Minister für Innere Sicherheit, Gilad Erdan. Foto: dpa | picture alliance

Israel hat in den vergangenen Jahren immer wieder Angriffe in Syrien geflogen, sich aber nur sehr selten dazu bekannt. Miri Regev, Israels Kulturministerin, kennt diese Praxis aus der Zeit, bevor sie in die Politik ging. „Ich bin früher Militärzensorin gewesen und die Politik der Unklarheit Israels hat sich seither nicht geändert. Der Staat Israel behält sich das Recht vor, solche und andere Ereignisse anzukündigen und auf solche und andere Ereignisse militärisch zu reagieren. Israel hat das Recht in der Luft, auf hoher See und am Boden, tätig zu werden, um die nationalen Interessen des Staates und die Sicherheit der Bürger zu bewahren.“

Rote Linien

Israels Regierung hat gerade in den vergangenen Monaten immer wieder auf die eigenen Sicherheitsinteressen hingewiesen. Premier Benjamin Netanjahu hatte unter anderem auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor Irans Einfluss in Syrien gewarnt und Teheran sogar mit einer offenen militärischen Konfrontation gedroht.  Für Israel gebe es in Syrien rote Linien, erklärte der ehemalige Verteidigungsminister Moshe Yaalon nun im Interview mit dem Armeeradio. Eine dieser Linien, betonte Yaalon, seien Angriffe auf Israels Souveränität.

Die zweite rote Linie bezieht sich auf moderne Waffenlieferungen an unsere Feinde, vor allem an die Hisbollah im Libanon. Und die dritte bezieht sich auf die Versuche des Iran, sich in Syrien militärisch festzusetzen. Und der Angriff in der Nacht könnte eine Reaktion darauf sein.

— Moshe Yaalon, ehemaliger Verteidigungsminister
Moshe Yaalon war einst Verteidigungsminister der derzeitigen Regierung. Er kennt Israels rote Linien. Foto: dpa | picture alliance

Zuletzt waren Israel mehrere solcher Angriffe auf militärische Ziele in Syrien zugerechnet worden – mal auf eine Forschungseinrichtung und mal auf einen mutmaßlichen Kasernenkomplex für schiitische Milizen. Im Februar schoss die israelische Armee über dem Golan eine Drohne ab und erklärte, diese sei iranischer Herkunft. Kampfflugzeuge griffen den Stützpunkt an, von dem die Drohne gestartet worden sein soll. Es ist die Basis, die auch jetzt angegriffen wurde. Im Februar schoss die syrische Luftabwehr einen der Jets ab, der sich auf dem Rückweg vom Einsatz befand. Der Vorfall zeigt, wie leicht Israels Luftangriffe in Syrien eine Eskalation auslösen können. Offenbar ist die Sorge der israelischen Regierung vor der dauerhaften iranischen Militärpräsenz in Syrien aber so groß, dass man bereit ist, das Eskalationsrisiko einzugehen.

Kommentare

Kommentare werden vor der Freischaltung geprüft.
Mehr in den Kommentarrichtlinien

1 thought on “Dementi klingt anders”

    gunther, Mittwoch, 11.04.18, 6:30 Uhr

    Der Höhepunkt des Witzes UNO: Syrien übernimmt Vorsitz im Abrüstungsausschuss.

    Der Höhepunkt des Witzes UNO: Syrien übernimmt Vorsitz im Abrüstungsausschuss.