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Das wohl größte jüdische Fest der Welt

An Lag BaOmer kommen auf dem Berg Meron im Norden Israels hunderttausende Juden zusammen und entzünden Feuer

Rabbiner Shimon Bar Yochai, der im zweiten Jahrhundert gelebt hat, soll an diesem Tag geboren und gestorben sein. Auch eine Seuche soll an diesem Tage geendet haben. Ein wichtiger Tag für gläubige Juden: Am Grab des Rabbiners feiern sie ausgelassen. Ein kleines Dorf in Galiläa wird zur Partymeile.

Von Benjamin Hammer
Am 23.05.2019

Mehrere Polizeisperren musste der Bus schon passieren. Nur mit einer Sondergenehmigung durfte eine Gruppe von Journalisten an den Fuß des Meron-Berges fahren. Die Vertreterin der israelischen Pressebehörde, die die Journalisten begleitet, wirkt etwas angespannt.

Ich habe es Euch schon gesagt: Es wird der Wahnsinn. Wahnsinnig viele Leute. Eine halbe Million. Manche sagen, es werden sogar noch mehr. Also: Lasst uns eng beieinander bleiben. Wir schaffen das.

— Vertreterin der israelischen Pressebehörde

Juden aus der ganzen Welt sind gekommen, um hier, im äußersten Norden Israels, das Fest Lag BaOmer zu feiern. Die Ansagen, welche Busse für die Rückfahrt bereitstehen, schallen auch auf Jiddisch aus den Lautsprechern. Die meisten Besucher sind ultraorthodoxe Juden. Wenig später wird es eng. Sehr eng. Das kleine Dorf am Meron-Berg hat sich in eine jüdische Partymeile verwandelt. Ein Mann bläst ins Schofar-Horn. Freiwillige verteilen Wasser. Die Menschen strömen in Richtung des Grabes des Rabbiners Shimon Bar Yochai. Der wurde der Tradition zufolge an Lag BaOmer geboren. An jenem Tag soll er außerdem geheiratet haben und gestorben sein. An Lag Ba Omer feiern die Juden den Rabbiner, der im zweiten Jahrhundert nach Christus lebte. Kurz vor dessen Tod soll Shimon Bar Yochai noch wichtige Lehren der Kaballah aufgeschrieben haben, einer mystischen Lehre.

Ich fühle mich wie auf der Hochzeit von Rabbi Shimon. Heute an Lag BaOmer werden meine Gebete noch deutlicher erhört. Und ich sehe Erlösung und Wunder. Egal, wie schlecht es Dir geht im Leben. Wenn Du zu Rabbi Schimon kommst, kann das eigentlich nur gut für Dich sein.

— Matana, ultraorthodoxe Besucherin
Das Dorf wird zur Partymeile: Hunderttausende Ultraorthodoxe pilgern an Lag BaOmer an das Grab des Rabbiners. Foto: BR | Benjamin Hammer

Matana, Mitte dreißig, lebt ganz in der Nähe: In der für Juden so wichtigen Stadt Safed. Sie hat elf Kinder und sitzt gerade neben ihrem Jüngsten. Das Baby trägt ein gelbes Armband. „Da steht meine Telefonnummer drauf. Damit meine Kinder nicht verloren gehen. Wenn sie jemand findet, kann man mich anrufen.“ Denn am Grab des Rabbiners Shimon sind mittlerweile so viele Menschen, dass man sich sehr schnell aus den Augen verlieren kann. Die Stimmung wird ausgelassener. Männer tanzen in Kreisen. Die wichtigsten Rabbiner des Landes zünden Feuer an. An Lag BaOmer feiern die Juden nicht nur den Rabbiner Shimon. Am gleichen Tag endete der Tradition zufolge eine Seuche. Die soll bis dahin 24.000 Juden getötet haben. Deshalb wird an Lag BaOmer aus Trauer ausgelassene Freude. Das Fest wird auf der ganzen Welt gefeiert. Das Grab des Rabbiners ist aber so etwas wie das Epizentrum. Etwa 750.000 Gläubige kommen innerhalb von 24 Stunden hierhin. Es ist die wohl größte jüdische Party der Welt. Auch Yitzhak Vaknin ist gekommen. Er ist Israels Minister für religiöse Dienste.

Es ist eine große Sache. Mehr als eine halbe Million Menschen. In so kurzer Zeit. Auf so kleinem Raum. Das ist ein Wunder. Es kann nur wegen Rabbi Schimon geschehen, dem Gerechten. Das geht über den Verstand hinaus.

— Yitzhak Vaknin, Minister für religiöse Dienste
Traditionell werden an Lag BaOmer im ganzen Land Feuer entzündet. Foto: BR | Benjamin Hammer

Verstand brauchen Israels Politiker jedoch bei einem recht irdischen Problem: Das Judentum ist gespalten. Vor allem zwischen Ultraorthodoxen und Anhängern des Reform-Judentums gibt es Spannungen. Regelmäßig gibt es Streit über die Frage, wer wie an der Klagemauer in Jerusalem beten darf. An Lag BaOmer tritt der Konflikt für 24 Stunden in den Hintergrund. Zwar sind die meisten Juden, die an den Meron-Berg gekommen sind, Ultraorthodoxe. Doch auch Reform-Juden und sogar säkulare Israelis sind gekommen.

Das hier zeigt, wie sehr wir das Volk Israel vereinen können. Man sieht hier alle Facetten der Gesellschaft. Säkulare, nationale, Ultraorthodoxe. Für mich ist die Gastfreundschaft der Menschen, das Schönste, was ich hier sehe. Überall verteilen die Menschen Essen und Wasser. Du siehst hier die Einheit des ganzen Volkes Israel. Und nicht die Differenzen. Das kann nur einer schaffen: Rabbi Shimon Bar Yochai.

— Yitzhak Vaknin, Minister für religiöse Dienste

Der Minister gehört der ultraorthodoxen Schas-Partei an. Wochenlang, erzählt er, habe er den Feiertag im Norden von Israel vorbereitet. In den nächsten Wochen dürfte den Minister aber wieder die Tagespolitik einholen. Israel ringt um eine neue Regierung, an der auch die Schas-Partei beteiligt werden soll. Im Moment stocken die Gespräche. Ein Grund: Die ultraorthodoxen Parteien können sich nicht auf eine gemeinsame Linie mit säkularen Parteien einigen. Von der Einheit an Lag Ba Omer ist im politischen Israel also nicht viel zu spüren.

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1 thought on “Das wohl größte jüdische Fest der Welt”

    Knut, Donnerstag, 23.05.19, 15:25 Uhr

    Eines der größten Feste also ausgerechnet auf einer jener vielen Bergspitzen im Land, auf denen - strengstens abgeschirmt und gesichert - das Militär sitzt. Ich kam damals als gewöhnlicher Tourist nic ...

    Eines der größten Feste also ausgerechnet auf einer jener vielen Bergspitzen im Land, auf denen – strengstens abgeschirmt und gesichert – das Militär sitzt. Ich kam damals als gewöhnlicher Tourist nicht einmal in die Nähe des Meron-Gipfels… Also wieder einmal nahöstliche Flexibilität anlässlich einer großen religiösen Feier?