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Das Trump-Dorf

Eine Gemeinde im Golan soll nach dem US-Präsidenten benannt werden – ein Besuch

Aus Bruchim könnte demnächst „Neve Trump“ oder "Ramat Trump“ werden – vorausgesetzt, eine neue israelische Regierung wird bis Mittwochabend noch gebildet. Diese müsste die Umbenennung des Dorfes nämlich anstoßen. Derzeit aber rücken Neuwahlen immer näher. 

Von Benjamin Hammer
Am 28.05.2019

Auf den ersten Blick wirkt das Dorf, das nach Donald Trump benannt werden soll, menschenleer. Ein paar Katzen laufen über schmale Wege. Das Gras ist hochgewachsen und schon länger nicht mehr geschnitten worden. Auf dem Basketballplatz neben dem Dorf hat wohl schon seit Jahren niemand mehr gespielt. Die Basketballkörbe sind völlig verrostet und verbogen. Im Hintergrund ist der Hermon zu sehen, der höchste Berg auf den Golanhöhen. In Bruchim – so heißt das Dorf im Moment noch – stehen viele Gebäude leer. Nur etwa zehn Bewohner leben hier. Doch schon bald soll das Dorf renoviert und ausgebaut werden. Aus Bruchim soll dann „Neve Trump“ werden. Vielleicht auch „Ramat Trump“, was auf Deutsch so etwas wie „Trump-Höhe“ bedeutet.

 

Alle Israelis waren sehr bewegt. Präsident Trump hat die israelische Souveränität über die Golanhöhen anerkannt. Eine historische Entscheidung. Deshalb plant unsere Regierung eine Resolution, wonach eine neue Gemeinschaft auf dem Golan entstehen soll. Benannt nach Präsident Donald J. Trump.

— Premier Benjamin Netanjahu

Vor 52 Jahren eroberte Israel die Golanhöhen von Syrien. Vor 38 Jahren annektierte es das Gebiet – was die Vereinten Nationen nie anerkannt haben. Völkerrechtlich gehören die Golanhöhen zu Syrien. Mit diesem internationalen Konsens hat Donald Trump nun gebrochen. Bei vielen Drusen auf dem Golan kommt das gar nicht gut an. Nicht alle, aber viele Mitglieder der arabischsprachigen Minderheit fühlen sich Syrien zugehörig. Die meisten Israelis freuen sich hingegen über die Entscheidung von Donald Trump. Denn während ein relevanter Teil der israelischen Bevölkerung die Besatzung des Westjordanlandes ablehnt, gehören die Golanhöhen für sie völlig selbstverständlich zu Israel. Menachem Ender lebt hier seit 46 Jahren.

Ich bin seit dem Jom-Kippur-Krieg da. Damals sah ich die Existenz des Staates Israel in Gefahr. Deshalb bin ich hierhergezogen. Die Golanhöhen sind wie ein Tor. Ein Tor zwischen Syrien und Israel, das Israel beschützt.

— Menachem Ender, Einwohner von Bruchim
Menachem Eder freut sich über die Umbenennung seines Dorfes. Foto: BR | Benjamin Hammer

Über 500 Häuser könnten im nach Donald Trump benannten Dorf insgesamt gebaut werden – für Golan-Verhältnisse ein sehr großes Projekt. Vertreter des Landkreises berichten, dass seit Trumps Golan-Entscheidung das Interesse von Investoren gestiegen sei. Menachem Ender findet es gut, dass Bruchim bald nach dem US-Präsidenten benannt werden soll.

Amerika ist der mächtigste Staat der Welt. Donald Trump als Präsident der mächtigste Mann der Welt. Wenn er die israelischen Interessen unterstützt, dann soll dieser mächtige Mann mit seinem Namen in die Geschichte eingehen.

— Menachem Ender, Einwohner von Bruchim

Nach Angaben der Planer auf den Golanhöhen ist die Sache mit dem Trump-Dorf so gut wie durch. Allerdings muss der Prozess zunächst von einer neuen israelischen Regierung angestoßen werden. Und die Bildung einer solchen Regierung um Premier Netanjahu stockt im Moment gewaltig. Wenn sich nicht bald etwas tut, könnte es Neuwahlen geben. Einem Mann im Weißen Haus im fernen Washington dürfte das nicht gefallen. Denn dann würde Bruchim erst einmal weiterhin Bruchim heißen.

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Kommentare

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1 thought on “Das Trump-Dorf”

    Florian, Dienstag, 28.05.19, 17:43 Uhr

    Es gibt noch ein Dorf, das der Erwähnung wert ist: Shoshkhalah im Westjordanland. Ein antikes palästinensisches Dorf, das von der Autonomiebehörde mit Hilfe der EU instand gehalten wird. Dabei fallen ...

    Es gibt noch ein Dorf, das der Erwähnung wert ist: Shoshkhalah im Westjordanland.
    Ein antikes palästinensisches Dorf, das von der Autonomiebehörde mit Hilfe der EU instand gehalten wird.
    Dabei fallen zwei Seltsamkeiten auf: Vor zwei Jahren existierte dieses Dorf noch nicht, auch nicht auf Luftaufnahmen von 1967 und auch nicht auf Karten von 1880.
    In der Antike gab es keine Palästinenser. Das ist historischer Unsinn.
    Das Dorf wurde von der Atonomiebehörde errichtet, um einen Anspruch geltend zu machen.
    All das nennt man Geschichtsfälschung und dümmliche Propaganda. Finanziert von der EU.