Foto: BR | Sophie von der Tann

Das schöne Leben der Siedler

Besuch bei Israelis im besetzten Westjordanland, die sich über Trumps neue Siedlungspolitik freuen

Moderne Häuser, Swimmingpools im Garten: Die Wohnpreise in den Siedlungen sind niedriger als im Zentrum Israels. Das zieht viele junge Israelis hierher. Auch weil für sie feststeht: Das Land gehört ihnen. Ein Beitrag von BR-Reporterin Sophie von der Tann.

Von Studio Tel Aviv
Am 29.11.2019

Schicke Designermöbel in Pastellfarben stehen im Wohnzimmer von Lior Ben-Hamo, vom Balkon aus schaut man in die Weiten des Westjordanlandes. Auf vielen Hügeln reihen sich weiße Häuser mit roten Dächern aneinander – die benachbarten Siedlungen.

Wir sind vor zwei Jahren hierhergezogen, weil wir uns wirklich in diesen Ort verliebt haben, in seine Atmosphäre, in das Umfeld und in die Natur. Und auch, weil es zu Israel gehört und wir der Meinung sind, dass es für uns richtig und gut ist, hier zu wohnen.

— Lior Ben-Hamo, Siedlerin
Designerwohnzimmer auf umstrittenem Gebiet: Die Siedlerin Lior Ben-Hamo. Foto: BR | Sophie von der Tann

Lior ist 30 Jahre alt, ursprünglich kommt sie aus Afula, im Norden Israels und lebt nun mit ihrem Mann und zwei Kindern in Karnei Shomron, einer israelischen Siedlung im Westjordanland.

Im Staat Israel gibt es eine große Wohnungsnot. Vor allem im Zentrum des Landes ist es nicht einfach, ein Haus zu kaufen. Ein junges Ehepaar besitzt solche Summen nicht. Hier haben wir die Möglichkeit, ein Haus in einem Ort zu kaufen, in dem es ein gutes Schulsystem und eine nette, unterstützende Gemeinde gibt. Wenn es also zu einem vernünftigen Preis möglich ist, was sollte dann dagegensprechen?

— Lior Ben-Hamo, Siedlerin

Wer durch die Straßen der Siedlung geht, merkt schnell – es wird kräftig gebaut. Allein in den letzten sechs Jahren ist die Siedlung um ein Drittel gewachsen. Mittlerweile leben etwa 10.000 Israelis hier. Und es sollen noch mehr werden. Karnei Shomron ist gerade einmal 45 Minuten von Tel Aviv entfernt, es gibt ein kleines Einkaufszentrum, Schulen, Kindergärten, ein öffentliches Schwimmbad, Baseball- und Tennisplätze. Drumherum ein Zaun, Palästinenser dürfen nur mit Genehmigung rein. Es kommt immer wieder zu Konflikten. Dennoch ein attraktiver Ort, nicht nur für religiöse, sondern auch für säkulare Israelis. Sie alle eint die Überzeugung, dass es ihr Recht ist, hier zu leben. Nach internationalem Recht sind israelische Siedlungen auf besetzten palästinensischen Gebieten illegal. Dass die amerikanische Regierung die Siedlungen nun als legal anerkennt, freut Lior. Sie hofft, dass sich auch andere Länder anschließen werden. Auch Sondra Oster Baras, gebürtige Amerikanerin und eine der ersten Siedlerinnen hier, sagt:  Die USA würden endlich unterstützen, was schon lange israelische Politik sei.

Das ist immer eine gute Sache und vertieft unsere Beziehung zu den USA. Ich denke, dass Trump ein großartiger Präsident für Israel ist. Und ich kann nur hoffen, dass, wer auch immer im Weißen Haus sitzen wird, fortführt, was Trump auf den Weg gebracht hat, für diese wunderbare Freundschaft mit Israel. 

— Sondra Oster Baras, Siedlerin 
In den Siedlungen entstehen zahlreiche neue Häuser. Foto: BR | Sophie von der Tann

Es sei der Pioniergeist gewesen, der sie und ihre junge Familie Anfang der 1980er Jahre hierher gezogen habe, sagt Sondra Oster Baras. Als Jüdin in den USA habe sie das Gefühl gehabt, dass sich ihre wahre nationale und persönliche Identität erst in Israel voll ausdrücken kann.

Ich glaube, dass die jüdische Geschichte uns hierhin gebracht hat und ich glaube, dass Juden hier wieder hinmüssen. Und besonders in der Generation nach dem Holocaust gab es für mich einfach keinen anderen Ort. 

— Sondra Oster Baras, Siedlerin 

Israel – dazu gehört für Sondra auch das Westjordanland, oder wie die Siedler es nennen: Judäa und Samaria. Sie berufen sich damit auf ihre biblischen Wurzeln hier. Auf der Webseite wirbt Karnei Shomron: Die Siedlung liege auf der biblischen Grenze zwischen den Völkern von Ephraim und Menashe. It’s yours – es gehört dir, das sei Grund Nummer 1, weswegen man laut Webseite nach Karnei Shomron kommen sollte. Aktuell leben in Ostjerusalem und dem Westjordanland etwa 650.000 israelische Siedler. Sondra hofft, dass es bald noch viel mehr werden.

Google Maps-Vorschau - es werden keine Daten von Google geladen.

Kommentare

Kommentare werden vor der Freischaltung geprüft.
Mehr in den Kommentarrichtlinien

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Noch 1000 Zeichen.

3 thoughts on “Das schöne Leben der Siedler”

    Lotte, Dienstag, 03.12.19, 19:58 Uhr

    Ein Exil-Israeli ruft bei Freunden in IL an und fragt: "Was gibt es Neues? Wie ist die Lage im Norden?" "Ach, schrecklich! Die Hisbollah rüstet unter den Augen der UN auf und wir warten nur, dass es w ...

    Ein Exil-Israeli ruft bei Freunden in IL an und fragt:

    „Was gibt es Neues? Wie ist die Lage im Norden?“
    „Ach, schrecklich! Die Hisbollah rüstet unter den Augen der UN auf und wir warten nur, dass es wieder explodiert.“

    „Und wie in Gaza?“
    „Grauenvoll. Der Islamische Jihad schiesst Racketen aus allen Rohren und dass noch keiner tot ist, grenzt an an Wunder!“

    „Hmm, und in der Westbank?“
    „Och, da ist alles ruhig, da haben wir uns ja noch nicht unilateral zurückgezogen!“

    (Witz entnommen Blog von Eliyah Havemann)
    („Wie hältst Du es mit den Siedlungen?“)

    Florian, Montag, 02.12.19, 10:42 Uhr

    Zum schönen Leben der Siedler gehört auch, dass ein arabischer Jugendlicher nachts in eine Siedlung eindringt und ein minderjähriges jüdisches Mädchen mit dem Messer im Bett ermordet. Das angebliche i ...

    Zum schönen Leben der Siedler gehört auch, dass ein arabischer Jugendlicher nachts in eine Siedlung eindringt und ein minderjähriges jüdisches Mädchen mit dem Messer im Bett ermordet.

    Das angebliche internationale Recht besagt zu Westjordanland und den Siedlungen gar nichts. Die Aussage zur Illegalität beruht auf UNO-Resolutionen. Diese antiisraelischen Resolutionen werden verabschiedet von islamischen Staaten und anderen Diktaturen.

    Zum angeblichen Reichtum: Ein Vergleich mit arabischen Häusern im Westjordanland lohnt sich. Schon der Fuhrpark der verarmten Araber ist beeindruckend. Es gibt eine Vorliebe für BMW, Audi und Mercedes.

    So bleibt der Eindruck von Einseitigkeit.

    ariel, Samstag, 30.11.19, 21:45 Uhr

    Das internationale recht behandelt nicht gebiete, welche keinem souveränem staat gehören. Daher können die Siedlungen der Definition nach nicht illegal sein, auch wenn die meisten Staaten der Welt es ...

    Das internationale recht behandelt nicht gebiete, welche keinem souveränem staat gehören. Daher können die Siedlungen der Definition nach nicht illegal sein, auch wenn die meisten Staaten der Welt es anders sehen. Genau so wie man mit einer absoluten Mehrheit die Naturgesetze nicht aufheben kann, kann man nicht die Tatsache ändern, dass das internationales Recht diese gebiete nicht behandelt.

    Das einzige Recht, welche die beiden Seiten rechtlich bindet, sind die Oslo abkommen. Nach diesen Abkommen, welche die palästinensische Seite unterschrieben hat, darf Israel in den C-Gebieten frei bauen.

    Auch die Geschichte mit Swimmingpools, welche das Reichtum und Wasserverschwendung der Siedler zeigen soll, ist eine wiederholtes Blödsinn, was mit google maps leicht wiederlegbar ist.

    Und zum Mitschreiben: Judea und Samaria ist die richtige Bezeichnung der Gebiete, welche von allen und nicht nur von Siedlern, schon immer benutzt wurde.