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Das Hungern hat ein Ende

Der Hungerstreik der Gefangenen ist vorbei, die Palästinenser feiern das als Sieg. Doch was haben sie erreicht?

Die Liste ihrer Forderungen war lang: Unter anderem die Abschaffung der Administrativhaft und Zugang zu öffentlichen Telefonen wollten die hungernden palästinensischen Gefangenen erreichen. Das Rote Kreuz hat nun zwischen beiden Seiten vermittelt – der Hungerstreik ist beendet. Doch die Details des Deals müssen erst noch bekannt gegeben werden.

Von Tim Assmann
Am 29.05.2017

In Ramallah ist die Freude groß: Mit einer Kundgebung haben die Palästinenser das Ende des Hungerstreiks gefeiert – und zwar als Sieg der Gefangenen. Das ist die Lesart auf der palästinensischen Seite und daran ließ auch Jamal Mohsen vom Zentralkomitee der palästinensischen Fatah-Partei keinen Zweifel. Er war in die Gespräche über eine Beendigung des Hungerstreiks eingebunden. „Nach mehr als 20 Stunden Verhandlungen wurde eine Vereinbarung mit der Gefängnisbehörde über die berechtigten humanitären Forderungen geschlossen und die Details werden noch bekannt gegeben“, sagt der Fatah-Funktionär und spricht dann von einem Sieg der Häftlinge und des palästinensischen Volkes.

Glückliche Mütter: Für die Menschen auf den Straßen im Westjordanland ist das Ende des Hungerstreiks ein Erfolg – obwohl noch keine Details der Vereinbarung bekannt sind. Foto: reuters

Erkämpft haben sich die Gefangenen diesen Sieg mit 40 Tagen Hungern. Wie umfassend dieser Sieg ausfällt, ist allerdings noch nicht klar. Zumindest eine zentrale Forderung haben die Häftlinge erreicht: Ihre Angehörigen können sie künftig zweimal statt nur einmal im Monat besuchen, bestätigte die israelische Gefängnisbehörde. Über weitere mögliche Hafterleichterungen würde noch verhandelt, berichten israelische Medien. Auf der ursprünglichen Forderungsliste der Inhaftierten hatte zu Beginn des Massenhungerstreiks am 17. April auch der Zugang zu öffentlichen Telefonen gestanden. Die mehr als 6000 Palästinenser in israelischer Haft sind auf Gefängnisse im ganzen Land verteilt – der Zugang ist für die Angehörigen meist äußerst schwierig, weil die Wege weit sind und sie Sondergenehmigungen brauchen, um das Westjordanland und den Gazastreifen für die Gefangenenbesuche verlassen zu können.

 

Ich kann meine Gefühle nicht in Worte fassen. Wir waren kurz davor, aus Sorge den Verstand zu verlieren. Unser Sohn ist seit 16 Jahren in Haft und seit Juni letzten Jahres haben wir ihn nicht mehr gesehen und wir wissen auch nicht genau, wie es ihm geht. Gott sei Dank.

— Mutter eines inhaftierten Palästinensers auf einer Kundgebung in Ramallah

Die Forderung der Gefangenen nach Abschaffung der sogenannten Administrativhaft, die eine Inhaftierung ohne Prozess erlaubt, wurde ganz offenbar nicht erfüllt. Das hatten die israelischen Behörden von vornherein kategorisch ausgeschlossen. An dem Massenhungerstreik hatten sich nach israelischen Angaben zuletzt rund 800 Häftlinge beteiligt, auf palästinensischer Seite war von mehr als 1000 Teilnehmern die Rede. Die Einigung kam unter Vermittlung des Roten Kreuzes zustande.

Barghouti soll heimlich gegessen haben

Vonseiten der Hungerstreikenden soll auch Marwan Barghouti eingebunden gewesen sein, der wegen Mordanschlägen während der zweiten Intifada verurteilt wurde. Die israelische Gefängnisbehörde bestätigte Barghoutis Teilnahme an den Verhandlungen allerdings nicht. Israel hatte während des Hungerstreiks Videos veröffentlicht, die Barghouti beim heimlichen Essen zeigen sollen. Er hatte das über seinen Anwalt als Lüge bezeichnet.

Heimlich Kekse gegessen? In Israel gingen Bilder und Videos durch die Medien. Barghouti selbst ließ über seinen Anwalt mitteilen, das sei eine Lüge. Foto: reuters

Barghouti ist bei den Palästinensern äußerst beliebt. Obwohl er in Haft sitzt, gilt er als ein möglicher Nachfolger von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Barghouti und Abbas sind politische Rivalen und der Palästinenserpräsident war durch den Hungerstreik unter innenpolitischen Druck geraten. Ihm wurde vorgeworfen, sich nicht genug für die Sache der Hungerstreikenden einzusetzen. Aus Solidarität mit den Gefangenen war es im Westjordanland und an der Grenze zum Gazastreifen in den vergangenen Wochen immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen, es gab Tote und Verletzte. Die israelischen Behörden hoffen nun, dass sich die Lage nach dem Ende des Hungerstreiks wieder beruhigt.

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Kommentare

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6 thoughts on “Das Hungern hat ein Ende”

    Michael K., Freitag, 02.06.17, 14:44 Uhr

    Gunther und Ariel, ich verstehe nicht warum eure Kommentare unwidersprochen stehen bleiben sollen. Was heißt, wenn Abbas den Mund aufmacht, dann lügt er? Warum fällst du über palästinensische Schulbüc ...

    Gunther und Ariel, ich verstehe nicht warum eure Kommentare unwidersprochen stehen bleiben sollen. Was heißt, wenn Abbas den Mund aufmacht, dann lügt er? Warum fällst du über palästinensische Schulbücher her. Und wenn Trump angeblich Abbas angeschrien und der Hetze gegen Israel beschuldigt haben soll, dann wohl nur weil er nicht gerade eine moralische Autorität ist und er sich zuvor von aufdringlicher israelischer Propaganda nicht entziehen konnte.

    Tatsache ist, dass ein Volk von einem anderen Volk beherrscht und in allen Belangen des täglichen Lebens kontrolliert wird. Bisher haben 800000 Palästinenser in israelischen Gefängnissen gesessen. Z.Zt. sind es etwa 7000, davon viele ohne Anklagepunkte. Die Unterdrückung und Vertreibung von Menschen wird mit den merkwürdigsten Lügen verkauft. Klar, wer für Unterdrückung verantwortlich ist, der wird jede Gegenwehr als Hetze und Aufwiegelung brandmarken. Unterdrückung und Enteignung sollen wohl in Schulbüchern verherrlicht werden?

      gunther, Samstag, 03.06.17, 4:47 Uhr

      Hetze gegen Schulbuecher? Seltsame Aussage. Auf Schulkarten existiert der Staat Israel nichty, Rechnen wird gelernt anhand von Strassensperren, ein arabischer Knesset-Abgeordneter sagt ganz klar, Hetz ...

      Hetze gegen Schulbuecher? Seltsame Aussage.
      Auf Schulkarten existiert der Staat Israel nichty, Rechnen wird gelernt anhand von Strassensperren, ein arabischer Knesset-Abgeordneter sagt ganz klar, Hetze gegen Israel ist erlaubt.
      Herr K., Ihnen ist jeder Quark recht, wenn er nur gegen Israel gerichtet ist.

    Michael, Dienstag, 30.05.17, 22:33 Uhr

    Gunther, wer angeblich Wahlkampf macht, will nichts erreichen? Verstehst nur du! Eine einheimische Bevölkerung wird vertrieben, enteignet, wird von einer Besatzungsmacht Jahrzehnte lang kontrolliert u ...

    Gunther, wer angeblich Wahlkampf macht, will nichts erreichen? Verstehst nur du! Eine einheimische Bevölkerung wird vertrieben, enteignet, wird von einer Besatzungsmacht Jahrzehnte lang kontrolliert und bevormundet. Was soll wohl der geschichtliche Sachverhalt in palästinensischen Schulbüchern sein? Soll der Unterdrückte Frieden praktizieren oder der, der mit militärischer Macht ein Volk unterdrückt? Abbas lügt, eine ziemlich bescheuerte Aussage. Du solltest konkreter werden. Nur dir ist es beschieden, von einem Friedensengel und der dazugehörenden Klique regiert zu werden, die nicht länger anderes im Kopf haben, sich selbst genug zu sein und zu jeder Zeit militärische Vormacht sein zu wollen. Mauern, hunderte von Absperrungen, Gefängnisse, menschenverachtende Blockade, ist das dein praktizierter Frieden.

    Lt. Ariel sind Palästinenser doch nur Terroristen.

    Es erfordert grosse Willenstärke sich der permanenten Gehirnwäsche zu entziehen. Nicht jedem ist diese Eiegnschaft gegeben.

    Alexander aus Israel, Montag, 29.05.17, 23:05 Uhr

    Ariel, Sie haben ganz Recht. Das ARD und viele deutsche Medien versuchen durch eine "selektive" Berichterstattung eine "Gleichheit" zwischen den Israelis und den Palästinensern herzustellen, die es nu ...

    Ariel,

    Sie haben ganz Recht. Das ARD und viele deutsche Medien versuchen durch eine „selektive“ Berichterstattung eine „Gleichheit“ zwischen den Israelis und den Palästinensern herzustellen, die es nun mal nicht gibt.
    Es würde mich interessieren, ob es denn Absprachen gibt zwischen den Medien, welche Nachrichten publiziert werden, welche nicht. Wenn ja, wer entscheidet das?
    Über die drei von Ihnen erwähnten Ereignisse habe ich in vielen, nur nicht in den deutschen Medien gelesen.

    gunther, Montag, 29.05.17, 11:11 Uhr

    Es ging auch gar nicht darum, etwas zu erreichen. Es war die große Show von Barghouti als Wahlkampf. Wenn man die Forderungen der angeblich Hungernden erst nimmt, dann sollte die ungehinderte Möglichk ...

    Es ging auch gar nicht darum, etwas zu erreichen. Es war die große Show von Barghouti als Wahlkampf.
    Wenn man die Forderungen der angeblich Hungernden erst nimmt, dann sollte die ungehinderte Möglichkeit für Konspirationskontakte erreicht werden. Öffentliches Telefon im Gefängnis? Geht’s noch?
    Wäre interessant, wenn das Studio die Bedingungen in palästinensischen Gefängnis recherchieren würde.

    Ein weiteres Thema für das Studio: die palästinensischen Schulbücher und die dort praktizierte Erziehung zum Frieden.
    Wenn Abbas den Mund aufmacht, lügt er. Aber das darf man ja nicht sagen, sonst man islamophob, oder noch schlimmer, man steht auf der Seite Israels.

    ariel, Montag, 29.05.17, 10:10 Uhr

    d.h. wohl, dass die in dem haft sitzende terroristen nichts erreicht haben. es gab letzte woche mindestens 3. wichtige nachrichten die es weder in die nachrichten, noch in den blog geschafft haben. 1. ...

    d.h. wohl, dass die in dem haft sitzende terroristen nichts erreicht haben.

    es gab letzte woche mindestens 3. wichtige nachrichten die es weder in die nachrichten, noch in den blog geschafft haben.

    1.) trump soll nach amerikanischen angaben abas angeschriehen haben und ihn als luegner bezeichnet, nach dem sich herausstellte, dass er und seine behoerde personlich fuer die hetze gegen israel verantwortlich ist. in washington hat abas noch behauptet, er wuerde die arabischen kinder zu frieden erziehen.

    2.) norwegen und UN fraunhilfswerk haben die eroffnung eines frauenhauses mit dem namen einer terroristin scharf veruteilt. sowohl norwegen als auch UN haben von der pa verlangt die hochheitszeichen von dem gebaeude zu entfernen. die namesgebende terroristin war fuhrerin einer bande, die 35 israelis ermordet hat, darunter 12 kinder.

    3.)syrien hat die veroeffentlichung einen fuer israel sehr positiven bericht der UN ueber die gesundheit der bevolkerung auf den golanhoehen vermieden.