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Bibi, der Pilot

Israels Premier Netanjahu glaubt, dass nur der das Land führen kann – und setzt im Wahlkampf auch auf den Impferfolg

Netanjahu sei besessen vom Impfthema, sagt der Chef des Pharmaunternehmens Pifzer, der ihn kennt. In der Tat hat der Premier Israel zum Impfweltmeister gemacht. Doch Analysten bezweifeln, dass Netanjahu das zum Sieg reicht. 

Von Benjamin Hammer
Am 19.03.2021

Es war ein Termin ganz nach dem Geschmack des israelischen Premierministers: Benjamin Netanjahu empfing in Jerusalem den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz. Und der fand lobende Worte für das Land:

Die Welt schaut voller Bewunderung auf Israel. Unter Ihrer Führung, Herr Premierminister, impft Israel seine Bevölkerung weltweit am schnellsten.

— Österreichs Kanzler Sebastian Kurz
Treffen wie das mit Österreichs Kanzler Kurz nutzt Netanjahu für den Wahlkampf. Foto: reuters

Was der Gast aus Wien sagte, tauchte schon bald in Wahlwerbespots von Netanjahu auf. Benjamin Netanjahu inszeniert sich auch in diesem Wahlkampf als erfahrener Diplomat auf der Weltbühne. Und mittlerweile auch als Vater des israelischen Impferfolges.

30 Staats- und Regierungschefs haben mich angerufen. Sie sagten: Wir ziehen unseren Hut vor Dir. Israel ist das einzige Land, das erfolgreich ist. Weil ich Millionen Impfdosen beschafft habe.

— Premier Benjamin Netanjahu im israelischen Fernsehen
Meister der Inszenierung: Netanjahu im Café nach dem Lockdown. Foto: reuters

Dass Benjamin Netanjahu am Impferfolg seines Landes einen Anteil hat, ist unstrittig. Vor Kurzem gab der Chef des Pharma-Riesen Pfizer ein Interview im israelischen Fernsehen. Netanjahu sei besessen vom Impfthema, sagte er. Manchmal habe ihn der israelische Premier um drei Uhr nachts angerufen. Das Timing für Netanjahu ist gut. Pünktlich zur Neuwahl – die er mit herbeiführte – lockert der Premier die Corona- Beschränkungen immer weiter und begründet das mit der hohen Impfquote.

Netanjahu hat sich ganz genau angeschaut, was in den USA geschehen ist. Donald Trump hat die Wahl dort wegen Covid-19 verloren. Netanjahu glaubt, dass ihm die Impfkampagne helfen wird. Ich glaube aber, dass sich ein großer Teil der Bevölkerung unabhängig von den Impfungen bereits entschieden hat.

— Ayala Hasson, Analystin vom TV-Kanal 13
Vom Misserfolg der anderen lernen: Netanjahu feiert die fünfmillionste Impfung - aber vor allem sich selbst. Foto: reuters

Bei der vergangenen Parlamentswahl kam Netanjahus Likud-Partei auf 36 Mandate. Diesmal könnten es laut Umfragen weniger Mandate werden. Viele Israelis lassen sich von Netanjahus vermeintlichem Impfwunder also eher nicht beeindrucken. An der Ausgangslage hat sich ohnehin nichts geändert: Benjamin wird leidenschaftlich gehasst und geliebt. Seine Gegner nennen ihn „Crime Minister“, einen Minister des Verbrechens. Seine Anhänger sehen in der Korruptionsanklage gegen Netanjahu eine Verschwörung. Der Premier bestreitet die Vorwürfe und versucht, so wenig wie möglich über das Thema zu reden. „Tut es Ihnen leid, dass Sie Geschenke von Geschäftsleuten angenommen haben und Sie deshalb vielleicht scheitern?“, fragte ihn ein TV-Moderator. „Sie können das wieder und wieder fragen“, sagte Netanjahu. Ich antworte darauf mit einer Melodie.“ Der Moderator war konsterniert. So ein Niveau passe einfach nicht zum Amt des Premierministers, sagte er. Falls Netanjahu einen deutlichen Wahlsieg erringt, könnte ihm seine Koalition parlamentarische Immunität verschaffen. Aktuell geben die Umfragen ein solches Szenario aber nicht her. Und so kämpft Netanjahu um mehr als das Amt des Premierministers. Es geht um seine politische, aber immer auch um seine strafrechtliche Zukunft. Sein Hauptargument: Nur er könne Israel führen. Israel sei wie ein Flugzeug. Seine Konkurrenten wüssten nicht, wie man das steuert. Er und seiner Partei hingegen schon.

Wir wissen, wie man das Flugzeug des Staates Israel steuert. Wir haben das bewiesen.

— Premier Benjamin Netanjahu

So oder so ähnlich hat das Netanjahu häufig gesagt in den letzten Jahren. Es sind etwas abgenutzte Formeln, die Netanjahu in der Vergangenheit aber Erfolg gebracht haben. Die große Frage ist, ob das auch bei dieser Wahl der Fall sein wird.

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