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Bereit fürs Osterwochenende in Jerusalem

Wie jedes Jahr sind zahlreiche Pilgergruppen angereist – und auch Juden feiern in diesen Tagen das Pessachfest

Die israelischen Sicherheitskräfte sind an diesem Wochenende in erhöhter Alarmbereitschaft, wenn sowohl Juden als auch Christen für ihre jeweiligen Feste zusammenkommen. Der Blick von Polizei und Armee richtet sich vor allem auf die Grenze zum Gazastreifen.

Von Tim Assmann
Am 30.03.2018

Dichtes Gedränge in der Altstadt nahe dem Damaskustor: Einheimische Passanten mischen sich mit Touristen aus aller Welt. Mittendrin eine Reisegruppe aus Aschaffenburg. Eine katholische Kirchengemeinde hat die Tour ins Heilige Land organisiert. Seit Dienstag ist die Gruppe da und diese Frau kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus: „Ich find das Land toll, wahnsinnig faszinierend. Diese Unterschiedlichkeit, die unterschiedlichen Religionen, Kulturen, das Aufeinandertreffen von Orient und Westen. Ich hab mich richtig in das Land verliebt.“ Ostern sei ihr nicht so wichtig, ergänzt die Touristin und eine andere Frau aus der Gruppe stimmt zu.

Das Land, das hat mich eher interessiert, auch der Konflikt, der hier herrscht zwischen den verschiedenen Religionen. Ich will eher das Land kennenlernen und mich befremdet eher diese Frömmigkeit in dieser Grabeskirche. 

— Touristin aus Aschaffenburg
Dichtes Gedränge vor der Grabeskirche: Hierher führt die Via Dolorosa, der Leidensweg Jesu. Hier soll Jesus gekreuzigt und begraben worden sein. Foto: dpa | picture alliance

Aus aller Welt sind auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Pilger nach Jerusalem gekommen. Es ist zwar viel los in der Altstadt, von einem Besucheransturm konnte aber kurz vor Beginn des Osterwochenendes noch keine Rede sein. Am Gründonnerstag begannen die Osterfeierlichkeiten mit den traditionellen Fußwaschungen. Bis zum Sonntag gedenken Christen der Passion und Auferstehung Jesu. Am Karfreitag werden Gläubige im Gedenken an den Leidensweg von Jesus in einer Prozession durch die Via Dolorosa ziehen.  Einige von ihnen werden sich wieder Holzkreuze mieten und sie dann bis zur Grabeskirche tragen.

20 Jahre Ostern im Heiligen Land

Direkt am Prozessionsweg liegt das Österreichische Hospiz inklusive seines Kaffeehauses, das eine Institution in der Jerusalemer Altstadt ist. Die Ordensschwester Bernadette Schwarz führt die Cafeteria. Sie feiert ihr zwanzigstes Osterfest im Heiligen Land. Nach der Entscheidung von US-Präsident Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, war die Sorge aufgekommen, dass Pilger aus Sicherheitsgründen vor einer Reise zurückschrecken könnten. Schwester Bernadette hat diesen Eindruck nicht.

Ich glaub nicht, dass es weniger Gäste sind, eher mehr. Unser Haus ist voll und das schon seit Anfang Februar, auch das Kaffeehaus. Wir haben Gruppen, Gruppen und wieder Gruppen.

— Schwester Bernadette Schwarz
Genug Apfelstrudel steht bereit, sagt Bernadette Schwarz vom Österreichischen Hospiz, das mit seinem Kaffeehaus eine Institution in der Altstadt ist. Die Zimmer sind längst alle ausgebucht. Foto: Tim Assmann | BR

Am Karfreitag und am Osterwochenende wird viel los sein in der Cafeteria. Besonders gefragt im Österreichischen Hospiz ist der Apfelstrudel. „Wir rechnen damit, dass wir so 300 Stück pro Tag verkaufen werden. Vielleicht sind es auch mal 400 Stück. Wir rüsten uns also mit genug Apfelstrudel und auch mit genug Sachertorte. Manchmal ist auch die Sachertorte der Renner.“ In Jerusalem feiern an diesem Wochenende nicht nur Christen. Es beginnt auch das jüdische Pessachfest. Aus Israel und aus aller Welt sind jüdische Gläubige in die Stadt gekommen. Viele Restaurants und Hotels bieten am Abend traditionelle Seder-Essen an.

Marsch der Rückkehr

Für die israelischen Sicherheitskräfte bedeutet dieses Wochenende erhöhte Alarmbereitschaft. In Jerusalem sind zusätzliche Kräfte zusammengezogen worden. Vor allem aber blicken Polizei und Armee mit Sorge auf die Grenze zum Gazastreifen. Dort ist eine Großdemonstration auf der palästinensischen Seite angekündigt. Mit dem sogenannten Marsch der Rückkehr soll an die Vertreibung von Palästinensern nach der israelischen Staatsgründung 1948 erinnert werden. Die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen hat friedliche Proteste angekündigt. Von israelischer Seite wird allerdings befürchtet, dass Palästinenser in großer Zahl versuchen könnten, gewaltsam über die Grenze zu kommen. Die israelische Armee hält unter anderem Drohnen mit Tränengas und Scharfschützen bereit.

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