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Banksy-Hotel öffnet seine Pforten

Der Streetart-Künstler Banksy hat in Bethlehem gleich neben der Sperranlage das Walled Off Hotel designt

Auch Israelis sind willkommen, heißt es auf der Webseite. Viele Palästinenser finden das weniger gut: Sie fürchten, dass dadurch die Besatzung normalisiert wird. Ansonsten aber ist die Neugier für Banksys neues Walled Off Hotel, das die Besatzung thematisiert, groß.

Von Torsten Teichmann
Am 14.03.2017

Die Touristen kommen. Es sind noch keine Hotelgäste, aber Gruppen von Ausländern, die Bethlehem besuchen. Örtliche Reiseführer führen sie entlang der meterhohen israelischen Sperrmauer und bleiben vor dem Walled Off Hotel stehen: „Ich weiß nicht, ob es schon geöffnet ist oder nicht. Heute wäre der erste Tag für Buchungen und wohl auch für Besucher. Aber nach unserer Pause werde ich fragen. Wenn Sie hier drüben schauen, sehen Sie einen Riss in der Mauer, ein Graffiti.“

Die Präsidentensuite kostet 965 Dollar die Nacht

Seit dem Wochenende lassen sich im Internet Zimmer im Walled Off Hotel – was gesprochen so klingt wie Waldorf-Hotel – buchen. Die Präsidentensuite direkt neben dem israelischen Sperrwall ist ab 965 Dollar die Nacht zu haben. Eine Übernachtung im Doppelstockbett kostet dagegen 30 Dollar. Das ist dann ein Mehrbettzimmer, ausgestattet mit überschüssigen Gegenständen aus israelischen Kasernen. Und die Türen sind jetzt auch für Besucher geöffnet. An der Pianobar des Hotels sitzt Manager Wisam Salsaa. Dunkles Sakko, schmale, schwarze Krawatte, rasierter Kopf und zufriedenes Lächeln – auch wenn zunächst vor allem ausländische Familien zum Tee nach Bethlehem gekommen sind:

Die Leute aus Bethlehem kommen am Nachmittag, wenn die Schule aus ist. Wir bekommen großartige Reaktionen. Die Leute sind so begeistert. Das ist das beeindruckteste Projekt, das es je in Palästina gegeben hat.

— Wisam Salsaa, Hotelmanager

Salsaa stammt aus einer Familie von Kunstschnitzern. Er hat als Reiseführer gearbeitet und im Ausland Vorträge über den palästinensischen Alltag gehalten. Bei einem dieser Vorträge hat er erzählt, wie sich sein Dorf Beit Sahour 1981 weigerte, an die Besatzungsmacht Israel Steuern zu zahlen. Die israelische Armee begann, das Geld einzutreiben, beschlagnahmte Autos, Maschinen und auch Kühe. Als die Palästinenser über einen israelischen Anwalt wissen wollten, warum die Rindviecher konfisziert wurden, hieß es: aus Sicherheitsgründen.
Das Hotel macht die alltägliche Absurdität der israelischen Besatzung nun auch für Besucher erfahrbar – mit Design des britischen Streetart-Künstlers Banksy. In der Pianobar hängen Überwachungskameras montiert wie Hirschgeweihe. Auf einem Bild im Stil britischer Landschaftsgemälde vertreibt ein Bulldozer eine Familie. Es gibt Scones und English Breakfast Tea. Und der Toast, der zum Walled Off Salat serviert wird, ist entlang der Salatschüssel so aufgereiht wie die Mauer vor der Tür.

Wenn Menschen die Realität kennen, die Wahrheit, dann erwarten wir, dass sie handeln. Und wenn sie etwas tun, wird das für alle gut sein, für Palästinenser und Israelis ebenso. Wir wollen Koexistenz auf gerechte Art. Wir wollen, dass alle in Frieden und gleichberechtigt leben.

— Wisam Salsaa, Hotelmanager

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Beitrag: Bernd Niebrügge – Kamera: Tariq Kayal, Regina List – Schnitt: Ethan Spilkin

Für die Geschichte bietet das Hotel ein eigenes Museum. Vier Euro kostet der Eintritt zu den fünf Räumen. So informiert die Ausstellung mit einer Projektion auf einer Reliefkarte über die Rolle der Briten als Mandatsmacht in der Region, die Gründung des Staates Israel und die Geschichte des Sperrwalls, der Palästinenser heute hindert, nach Jerusalem zu kommen. „Das ist sehr gut. Denn wir bekommen sehr viele einseitige Informationen auf israelischer Seite. Es ist hilfreich für Israelis, die andere Seite zu sehen, für einen stärker ausgewogenen Blick“, sagt Anat Zaragusti. Sie ist zur Eröffnung der Ausstellung tatsächlich aus Israel gekommen. Das ist trotz Checkpoint der Armee rein rechtlich möglich. Das Hotel liegt zwar auf palästinensischem Gebiet, steht allerdings vollständig unter israelischer Kontrolle. Doch selbstverständlich ist der Besuch der Israelis nicht: Viele haben Angst, in das Westjordanland zu reisen, oder wenig Interesse an dem, was auf der anderen Seite vor sich geht.

Es war sehr einfach. Niemand hat mich etwas gefragt. Mal sehen, wie es auf dem Rückweg wird ohne Genehmigung. Aber bisher alles easy.

— Anat Zaragusti, Besucherin aus Israel

Der Hinweis auf der Internetseite, dass das Hotel auch Israelis offen stehe, hat in der palästinensischen Bevölkerung für Kritik gesorgt. Viele haben die Hoffnung aufgegeben, dass Begegnungen mit Israelis etwas verändern. Sie fürchten, die israelische Besatzung werde nur normalisiert. Andere Palästinenser kritisieren, das Hotel verwandle die Mauer zu einem Selfie-Hotspot. Das Bild einer Kissenschlacht eines Soldaten und eines Palästinenser in einem der Zimmer finden einigen sogar beleidigend. Dabei ist Banksy keiner, der zum ersten Mal kommt und ahnungslos die Besatzung thematisiert. Hier nahe dem Hotel gibt es sogar einen Banksy-Shop. Der Künstler war vor 12 Jahren zum ersten Mal in Bethlehem. Sein Graffiti eines Esels, der einem Soldaten seine Papiere zeigen muss, wurde später von Kunstsammlern abgetragen, ins Ausland verschifft und für 190.000 Pfund versteigert.

Hotels und Geschäfte mussten bisher schließen

Wie das Walled Off Hotel endet, ist auch noch nicht klar. Bisher mussten Geschäfte und Hotels in diesem Teil der Stadt gerade wegen des Sperrwalls schließen, erklärt Wisam Salsaa: „50 Mitarbeiter arbeiten hier, alle aus der Gegend. Ich bin nicht sicher, ob wir unsere Kosten decken können.  Wir sollten uns um Geldgeber bemühen. Nein, nein ich mache nur Spaß.“ Manager Salsaa spielt auf die Abhängigkeit der palästinensischen Autonomiebehörde von der Hilfe der internationalen Gemeinschaft an. Und sollten europäische Gäste trotzdem glauben, das alles habe mit ihnen nichts zu tun, bekommen sie im Gehen einen Schlag in die Magengrube. Also genau dorthin, wo nach dem Essen Scones in English Breakfast Tea schwimmen. Über dem Kamin vor dem Ausgang hängt ein Triptychongemälde im Stil englischer Seefahrerbilder. Das schäumende Meer treibt aber nur noch orangefarbene Rettungswesten an die Küste. Die Menschen, die Flüchtlinge sind verloren.

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1 thought on “Banksy-Hotel öffnet seine Pforten”

    Axel Stolpe, Mittwoch, 15.03.17, 12:50 Uhr

    Sorry das dort min Mitleid gerade auf Null geht. Da weigert sich ein palästinensisches Dorf steuern zu zahlen, dann sollen die Leute das mal in Deutschland machen. Apropos heißen die Leute hier in DE ...

    Sorry das dort min Mitleid gerade auf Null geht. Da weigert sich ein palästinensisches Dorf steuern zu zahlen, dann sollen die Leute das mal in Deutschland machen. Apropos heißen die Leute hier in DE Reichsbürger. Und das die Mauer hässlich ist, darüber brauchen wir nicht zu reden, sie wird solange bestehen bleiben, solange Fatah und Hamas Gewalt gegen Juden predigen. Durch die Messerattacken ist die Bereitschaft auf israelischer Seite die Mauer abzureissen nicht grösser geworden. Und wenn ich mir so überlege was Khaled Abu Toameh und Bassam Tawil so berichten, dann ist die Mauer das kleinere Problem der Palästinenser. Aber da halten sie es ja wie ihre Kollegen von ZDF, die auf dem zweiten blind sind.

    Sorry für den etwas harschen Ton.