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Auf dem Ölberg wird das Geld knapp

Die USA streichen Millionen für Krankenhäuser in Ostjerusalem – auch das Auguste-Viktoria-Krankenhaus ist betroffen

Das Auguste-Viktoria-Krankenhaus auf dem Ölberg in Jerusalem ist seit über 100 Jahren eine Institution. Kaiser Wilhelm der II ließ es errichten. Noch heute gibt es enge Verbindungen nach Deutschland. Viele Palästinenser erhalten hier überlebenswichtige Krebstherapien. Doch jetzt steht die Versorgung auf dem Spiel. 

Von Benjamin Hammer
Am 28.09.2018

Rasi ist acht Jahre alt. Der palästinensische Junge liegt auf einem Bett im Auguste-Viktoria-Krankenhaus im Osten von Jerusalem. Durch die Fenster könnte Rasi auf die Altstadt blicken. Aber der Junge ist blind, weil sich in seinem Kopf ein Hirntumor befindet. „Es geht ihm schon besser“, sagt die Mutter des Jungen. „Er kann die Augen immerhin wieder öffnen.“ Rasi und seine Mutter leben im von Israel und Ägypten weitgehend abgeriegelten Gazastreifen. Die Chemotherapie im Auguste-Viktoria-Krankenhaus soll das Leben des Jungen retten. Schon in zwei oder drei Monaten könnte das Geld für die teuren Medikamente für solche  Therapien ausgehen, sagt die stellvertretende Direktorin des Krankenhauses, Badiah Badschali.

Wir sind hochspezialisiert auf die Krebsbehandlung. Wir sind für fünf Millionen Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen zuständig. Wenn wir jetzt keine Medikamente für die Chemotherapie mehr kaufen können, dann wäre das eine Katastrophe.

— Badiah Badschali, stellvertretende Direktorin des Krankenhauses
Badiah Badschali wirft der US-Regierung vor, die menschlichen Kosten der Entscheidung zu ignorieren. Foto: BR | Benjamin Hammer

Für diese drohende „Katastrophe“ mitverantwortlich ist die Regierung von US-Präsident Trump. Die hatte vor Kurzem verkündet: 25 Millionen US-Dollar, vorgesehen für Krankenhäuser in Ostjerusalem, werden gestrichen. Es ist eine weitere Maßnahme, mit der die US-Regierung die Führung der Palästinenser zu Gesprächen zwingen will. Die Palästinenser lehnen Verhandlungen über einen möglichen Frieden mit Israel ab, seitdem Donald Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hat.

Diese Entscheidung war eine politische Entscheidung. Aber die US-Regierung ignoriert die menschlichen Kosten.

— Badiah Badschali, stellvertretende Direktorin des Krankenhauses

Im Keller des Krankenhauses steht eine hochmoderne Maschine für die Strahlentherapie. Finanziert wurde sie von den USA. Als das teure Gerät nach Jerusalem kam, hieß der US-Präsident noch Barack Obama. In keinem anderen palästinensischen Krankenhaus gibt es so ein Strahlengerät, da Israel den Einsatz im Gazastreifen und im besetzten Westjordanland aus Sicherheitsbedenken verbietet. Die Geräte enthalten radioaktives Material. Und so können krebskranke Palästinenser, die eine Strahlentherapie benötigen, nur auf eine Behandlung in israelischen Krankenhäusern hoffen – oder im Auguste-Viktoria-Krankenhaus. Dafür brauchen sie aber eine Genehmigung der Israelis, das Westjordanland oder den Gazastreifen verlassen zu dürfen. Und dafür muss die palästinensische Autonomiebehörde die Kosten der Behandlung übernehmen. Aber das geschieht nicht immer. Wolfgang Schmidt ist der evangelische Propst von Jerusalem und sitzt im Aufsichtsrat des Auguste-Viktoria-Krankenhauses.

Wenn wir nicht die Probleme mit den Zahlungsverpflichtungen von palästinensischer Seite hätten, dann wäre dieses Krankenhaus bestens aufgestellt.

— Wolfgang Schmidt, evangelischer Propst von Jerusalem
Probst Wolfgang Schmidt spricht von Perspektivlosigkeit und Verzweiflung der Menschen im Westjordanland und im Gazastreifen. Foto: BR | Benjamin Hammer

Die palästinensische Autonomiebehörde schuldet dem Krankenhaus 18 Millionen US-Dollar für die Behandlung von palästinensischen Patienten. Und so sind die Ärzte im Auguste-Viktoria-Krankenhaus von gleich zwei Parteien abhängig: Von der Führung der Palästinenser in Ramallah. Und von der US-Regierung von Donald Trump. Dass diese Parteien nun gemeinsam eine Lösung finden, ist praktisch ausgeschlossen. Das Verhältnis ist auf einem Tiefpunkt, erst kürzlich haben die USA beschlossen, die Vertretung der Palästinenser in Washington zu schließen.

Es erhöht die Perspektivlosigkeit, die sowieso besteht in den palästinensischen Gebieten und im Gazastreifen. Wenn ich nicht weiß, wo ich mit meiner Krankheit noch Hilfe finde, dann führt es in eine tiefe Verzweiflung hinein.

— Wolfgang Schmidt ist der evangelischer Propst von Jerusalem

Eine Verzweiflung, so sieht es Probst Wolfgang Schmidt, die im Nahen Osten schnell zu noch mehr Gewalt führen kann. Den Ansatz der US-Regierung, humanitäre Hilfe zu streichen und so die Führung der Palästinenser zu Gesprächen zu bewegen, hält er für aussichtslos.

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Kommentare

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6 thoughts on “Auf dem Ölberg wird das Geld knapp”

    Alexander, Freitag, 28.09.18, 22:31 Uhr

    Dann wäre es doch ein guter Zeitpunkt für Abbas das Geld dem Krankenhaus zu geben, anstatt es an Mörder und ihre Familien zu verteilen.

    Dann wäre es doch ein guter Zeitpunkt für Abbas das Geld dem Krankenhaus zu geben, anstatt es an Mörder und ihre Familien zu verteilen.

      Pulpo, Freitag, 05.10.18, 8:08 Uhr

      Es wäre an Israel endlich Widergutmachung für Vertreibung, Massaker, Landraub, Folter und Unterdrückung zu zahlen. Es ist an der Zeit, dass die Israelis das rassistische Besatzungsregime beenden und d ...

      Es wäre an Israel endlich Widergutmachung für Vertreibung, Massaker, Landraub, Folter und Unterdrückung zu zahlen. Es ist an der Zeit, dass die Israelis das rassistische Besatzungsregime beenden und den Palästinensern das gestohlene Land zurück geben.

      ariel, Sonntag, 07.10.18, 11:38 Uhr

      Es wäre an Araber endlich Widergutmachung für Vertreibung, Enteignung, Landraub, Mord und Unterdrückung ueber tausend Jahre hinweg bis in die Neuzeit zu zahlen. Es ist an der Zeit, dass die arabisch-i ...

      Es wäre an Araber endlich Widergutmachung für Vertreibung, Enteignung, Landraub, Mord und Unterdrückung ueber tausend Jahre hinweg bis in die Neuzeit zu zahlen. Es ist an der Zeit, dass die arabisch-islamische Welt ihren Judenhass beendet und den Juden und Israelis das gestohlene Land und Geld zurück geben.

    Gerd, Freitag, 28.09.18, 18:03 Uhr

    Halten wir fest: 1. Die Palästinenser wollen einen Staat. 2. Seit 1994 verwaltet die PA Gebiete in denen über 95% der Palästinenser leben. Reichlich Zeit um eine arbeitsfähige Finanzverwaltung aufzuba ...

    Halten wir fest:

    1. Die Palästinenser wollen einen Staat.
    2. Seit 1994 verwaltet die PA Gebiete in denen über 95% der Palästinenser leben.

    Reichlich Zeit um eine arbeitsfähige Finanzverwaltung aufzubauen. Was aber bis heute nicht geschehen ist. Stattdessen lässt man sich vom Ausland alimentieren und zahlt seit Jahren seine Rechnungen nicht.

      Patrick, Montag, 01.10.18, 20:07 Uhr

      Gerd hat Recht. Seit 1994 gibt es ein Abkommen, geschlossen in Oslo, zwischen Israel und der Autonomiebehörde. Und Israel behielt sich darin vor, die Zölle des Aussenhandels der Autonomiegebiete zu ka ...

      Gerd hat Recht.

      Seit 1994 gibt es ein Abkommen, geschlossen in Oslo, zwischen Israel und der Autonomiebehörde. Und Israel behielt sich darin vor, die Zölle des Aussenhandels der Autonomiegebiete zu kassieren. Es verpflichtete sich im Gegenzug, sie an die PA auszuzahlen.
      Doch ständig hält es Zahlungen zurück, weswegen die PA in erheblichem Umfang vom Ausland alimentiert werden muss, um seine Rechnungen zahlen zu können. Womit letztlich auch Israel alimentiert wird, das um seine Verpflichtungen herum kommt.

      Leider wissen das kaum Menschen ausser Gerd.

      Gerd, Dienstag, 02.10.18, 1:15 Uhr

      Andersrum stimmt es. Nachdem die PA zig Jahre lang ihre Rechnungen nicht bezahlt hat, hat Israel einen Teilbetrag der Zölle und Steuern einbehalten.

      Andersrum stimmt es. Nachdem die PA zig Jahre lang ihre Rechnungen nicht bezahlt hat, hat Israel einen Teilbetrag der Zölle und Steuern einbehalten.