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Angeschwemmte Katastrophe

An Israels Küste klebt Teer, der Tiere tötet und die Natur zerstört. Und manche Schäden sind wohl noch nicht abzusehen.

Verursacher der Teerklumpen könnten Schiffe sein, die Öl oder Diesel abgelassen haben. Israels Regierung kündigt umgehend Schritte an. Vor Ort sammeln freiwillige Helfer und Soldaten die schwarze Masse – nicht ohne Risiko.

Von Tim Assmann
Am 23.02.2021

Es sind Bilder, die berühren: Eine kleine Meeresschildkröte mit klebriger Teerschicht über Kopf und Panzer. Ein 17 Meter langer Finnwal – tot am Strand angespült. Auf rund 160 Kilometern Länge wurden und werden Teerklumpen angeschwemmt, die im Sand liegen oder an Klippen kleben. Tausende Freiwillige und Soldaten sind im Einsatz, harken die Klumpen zusammen oder sammeln sie mühsam per Hand ein. Auch einige Anwohner am Bonim Strand nahe Haifa sind dabei:

Es sind unheimlich große Mengen an Teer. Es ist ein regelrechter Teerfluss, der sich am Bonim Strand entlang zieht. Das sind keine Mengen, bei den man sagen kann, es reicht, wenn sich eine Person darum kümmert. Das muss der Staat machen. Aber jeder, der eine Harke hat und guten Willens ist, kann herkommen und dabei helfen, zu retten, was zu retten ist.

— Freiwilliger Helfer, Bonim Strand
Ein 17 Meter langer Finnwal ist vermutlich an den Folgen der Teerverschmutzung gestorben. Foto: reuters

Einzelne Helfer klagten über Gesundheitsprobleme nach dem Kontakt mit dem Teer. Für die Öffentlichkeit sind die betroffenen Gebiete gesperrt. Israels Meerwasser-Entsalzungsanlagen, die rund dreiviertel des Trinkwasserbedarfs abdecken, sind nach Regierungsangaben bisher nicht von den Verschmutzungen betroffen. Das genaue Ausmaß der Umweltkatastrophe ist noch nicht absehbar. Experten gehen von verheerenden und jahrelangen Folgen aus, vor allem für die küstennahen Ökosysteme. Von noch nie da gewesenen Schäden an Israels Mittelmeerküste sprach Shaul Goldstein, Direktor der israelischen Nationalpark-Verwaltung, beim Besuch eines Strandes zwischen Haifa und Akko.

Wir erleben die schlimmste Umweltkatastrophe der vergangenen Jahrzehnte in Israel. Der Teer erreicht den Strand und zerstört Lebensräume. Er klebt im Sand und auf den Felsen. Er verklebt Steine und Tiere.

— Shaul Goldstein, Direktor der Nationalpark-Verwaltung
Helfer reinigen eine Meeresschildkröte, die mit Teer überzogen war. Foto: dpa | picture alliance

Auch Israels Regierungschef Netanjahu machte sich vor Ort ein Bild von den Schäden. Er kündigte an, kurzfristig Finanzhilfen bereitzustellen. Außerdem will er mit anderen Anrainerstaaten darauf hinwirken, dass Schiffe mit Erdgas- statt mit Dieselmotoren ausgerüstet werden. Ein Langfrist-Ziel mit aktuell eher begrenzt wirkenden Erfolgsaussichten. Als Verursacher der Teerklumpen wird die Schifffahrt vermutet. Es gibt Hinweise auf einen Ölteppich rund 50 Kilometer vor der israelischen Küste, der wenige Tage vor Beginn der Umweltverschmutzung an den Stränden gesichtet wurde. Hat ein Schiff Öl oder Diesel abgelassen und so die Katastrophe ausgelöst? „Wir werden die Schuldigen finden“, verspricht Israels Umweltministerin Gila Gamliel.

Das ist ein gravierendes Ereignis für die Umwelt. Wir werden die Quelle der Verschmutzung ausfindig machen, die Verantwortlichen finden und strafrechtlich belangen.

— Gila Gamliel, Umweltministerin

Vor Ort geht es weiter darum, die Schäden so gut wie eben möglich zu beseitigen. Schon das Säubern der Strände wird Monate in Anspruch nehmen. Andere Küstenabschnitte sind deutlich schwieriger zu reinigen.

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