Foto: reuters

Abgepfiffen

Argentinien will nicht in Jerusalem spielen

Es sollte ein Highlight für israelische Fußballfans werden: Ein Freundschaftsspiel Israels gegen die argentinische Nationalmannschaft. Aber nach Drohungen sagten die Argentinier ab.

Von Benjamin Hammer
Am 07.06.2018

Im Teddy-Kollek-Stadion in West-Jerusalem sollten am Samstag die Fußball-Nationalmannschaften von Israel und Argentinien spielen – eigentlich. Die Absage ist das Thema des Tages in Jerusalem: „Das ist traurig. Der Sport sollte nie von der Politik überschattet werden. Sport verbindet doch, steht für die Gleichheit aller Menschen. Es macht mich traurig, dass das Spiel nun wegen des Drucks der Palästinenser abgesagt wurde“, sagt ein junger Israeli in der Nähe des Stadions. Die Palästinenser tragen die Schuld daran, dass das Freundschaftsspiel abgesagt wurde – so sehen es viele, aber nicht alle Israelis. Eine Frau meint, die israelische Regierung habe die Absage förmlich provoziert: „Mich freut die Absage. Unsere Kultur- und Sportministerin ist zu weit gegangen. Sie ist ein wenig besessen von dieser Jerusalem-Sache. Immer wieder betont sie, dass Jerusalem unsere Hauptstadt ist. Ich bin froh, dass sie sich diesmal nicht durchgesetzt hat.“

Sportministerin bestand auf Jerusalem

Die Sportministerin, das ist Miri Regev von der Likud-Partei von Premierminister Benjamin Netanjahu. Das Spiel gegen Argentinien sollte eigentlich in Haifa stattfinden, einer Stadt im Norden Israels. Doch Regev passte das nicht. Im 70. Jahr des Bestehens des Staates Israel und kurz nach der Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem sollte auch das prestigeträchtige Match gegen Argentinien in der Jerusalem ausgetragen werden. Sowohl Israel als auch die Palästinenser erheben einen Anspruch auf die Stadt. Vor wenigen Tagen gab sich die Sportministerin noch selbstbewusst. Lionel Messi, der Topstar der Argentinier, werde kommen.

Es gibt für uns keine bessere Publicity. Messi wird die Klagemauer küssen. Von den Gerüchten, dass er nicht bereit sein wird, mir oder Netanjahu die Hand zu geben , habe ich nichts gehört. Lasst uns auf Messi warten, und dann werden wir sehen, wer wem die Hand schütteln wird. Was wirklich zählt ist, dass Messi zusammen mit dem argentinischen Nationalteam in Jerusalem, unserer Hauptstadt spielen wird.

— Miri Regev, israelische Sportministerin
Israels Sportministerin Miri Regev wollte, dass das Spiel in Jerusalem stattfindet. Ursprünglich sollte die Partie in Haifa ausgetragen werden. Foto: dpa | picture alliance

Doch gegen diese Pläne hatten die Palästinenser lautstark protestiert. Aus ihrer Sicht sollte die Veranstaltung den Status quo festigen: Israel kontrolliert ganz Jerusalem und die Regierung schließt aus, dass der Ostteil der Stadt jemals zur Hauptstadt eines palästinensischen Staates wird. Der Chef des palästinensischen Fußballverbandes, Jibril Rajoub, hatte im Vorfeld gedroht: Sollte die Partie tatsächlich stattfinden, würden Trikots und Fotos von Lionel Messi brennen. Vor dem Trainingsquartier der Argentinier in Barcelona hatten Aktivisten Trikots der Argentinier mit blutroter Farbe beschmiert. Für Argentiniens Spieler kurz vor der WM in Russland war das wohl zu viel. Sie begründeten ihre Absage mit Sicherheitsbedenken. Für den palästinensischen Verbandschef Rajoub geht es aber um mehr.

Ich möchte den Argentiniern danken für ihre Entscheidung. Das ist ein Sieg für jene, die die Mission des Sports respektieren: Werte und Normen, die sich nicht politisieren lassen.

— Jibril Rajoub, Chef des palästinensischen Fußballverbandes
Aus Sicht von Jibril Rajoub, Vorsitzender des palästinensischen Fußballverbandes, ist die Absage der Argentinier ein Erfolg. Foto: reuters

Eine Politisierung freilich, an der auch der palästinensische Fußballfunktionär beteiligt war. Die Israelis wollen nun in internationalen Fußballgremien gegen den palästinensischen Verband vorgehen. Jibril Rajoub habe mit seinen Drohungen alle roten Linien überschritten.

Kommentare

Kommentare werden vor der Freischaltung geprüft.
Mehr in den Kommentarrichtlinien

13 thoughts on “Abgepfiffen”

    martina, Montag, 11.06.18, 7:00 Uhr

    hallo ariel. stimmt das, das jüdische israeliss nichtjüdische isrealis in israel nicht heiraten dürfen? das sie außer landes müssen, um das zu tun. und die heirat dann erst anerkannt wird? es wird da ...

    hallo ariel. stimmt das, das jüdische israeliss nichtjüdische isrealis in israel nicht heiraten dürfen? das sie außer landes müssen, um das zu tun. und die heirat dann erst anerkannt wird? es wird da erklärt, dass bei euch nur ein rabbi, iman oder in der kirche gesetzlich geheiratet werden kann.
    und das israelis die einen palästinenser heiraten nicht zusammen in israel leben können? es sei denn der pali mann ist über 35, die pali frau über 25.

    das kommt mir komisch vor, da du sagtest, es gibt keine juristische benachteiligung von arabischen israelis.
    gruß

      Axel Stolpe, Mittwoch, 13.06.18, 15:55 Uhr

      Man muss verstehen dass es keine zivile Eheschliessung nur religiöse. Christen heiraten Christen, Muslime Muslime und Juden Juden. Wenn man das nicht will muss man im Ausland heiraten. Diese wird dann ...

      Man muss verstehen dass es keine zivile Eheschliessung nur religiöse. Christen heiraten Christen, Muslime Muslime und Juden Juden. Wenn man das nicht will muss man im Ausland heiraten. Diese wird dann in Israel anerkannt. Auch bei Homosexuellen. Es gibt Stimmen in Israel die fordern die Zivilehe. Die meisten hier können aber mit dem Status Quo leben.

      Axel Stolpe, Mittwoch, 13.06.18, 16:10 Uhr

      Natürlich können arabische Israelis jüdische heiraten. Nur nicht religiös. Außer sie konvertieren ins Judentum oder der andere in ihre Religion. Bei jüdischen Frauen ist das schon öcters passiert. Hei ...

      Natürlich können arabische Israelis jüdische heiraten. Nur nicht religiös. Außer sie konvertieren ins Judentum oder der andere in ihre Religion. Bei jüdischen Frauen ist das schon öcters passiert. Heiraten können nur Angehörige der gleichen Religionsgemeinschaft. Rechtlich interreligiösen Ehen mit religiösen Ehen gleichgestellt. Ich will gar nicht unterstellen das es eine gewisse gesellschaftliche Diskriminierung und die Leute werden mitunter schief angeschaut.

    gunther, Sonntag, 10.06.18, 15:18 Uhr

    Das Spiel wurde wegen massiver Terror- und Todesdrohungen abgesagt. Ich moechte viel mehr solche sportlichen Ereignisse und Absagen. Da kommt endlich Wuerze in die Sache. Erpressung ist das neue Spiel ...

    Das Spiel wurde wegen massiver Terror- und Todesdrohungen abgesagt.
    Ich moechte viel mehr solche sportlichen Ereignisse und Absagen. Da kommt endlich Wuerze in die Sache. Erpressung ist das neue Spiel.
    Endlich bestimmen die „palaestinensischen“ Terrororganisationen auch den Sport. Waere ja noch mal schoener, wenn jeder machen koennte, was er will.
    Um einen beruehmt-beruechtigten Spruch zu erweitern: Pali first.
    Ich bin auch dafuer, dass die Palis die Mannschaftsaufstellungen bei der WM bestimmen. Das waere dann der Schlag gegen das Weltjudentum, das ja bisher alles beherrscht.
    Erlaubt die Hamas eigentlich, dass Loew Bundestrainer ist? Sollte unbedingt nachgefragt werden.

    ariel, Donnerstag, 07.06.18, 19:00 Uhr

    das ganze hat rein gar nichts mit regev oder netanjahu zu tun, sondern mit der tatsache, dass die bds bewegung und ihre anhaenger dem Messi mit koerperlicher gewalt gedroht haben. die bds bewegung hat ...

    das ganze hat rein gar nichts mit regev oder netanjahu zu tun, sondern mit der tatsache, dass die bds bewegung und ihre anhaenger dem Messi mit koerperlicher gewalt gedroht haben.

    die bds bewegung hat schon laengst die rote linie, zwischen protest und gewalt ueberschritten. diese bewegung gehoert verboten.

      martina, Freitag, 08.06.18, 15:13 Uhr

      hallo ariel, warum bist du dir da so sicher? immerhin sollte das spiel nach jerusalem verlegt werden. deine behauptung musst du schon belegen können. der ard blog ist ja auch belegt. hm. ich finde es ...

      hallo ariel, warum bist du dir da so sicher? immerhin sollte das spiel nach jerusalem verlegt werden.
      deine behauptung musst du schon belegen können. der ard blog ist ja auch belegt.
      hm. ich finde es schade, dass versucht wurde, das spiel von beiden seiten zu instrumentalisieren.
      gruß

      ariel, Samstag, 09.06.18, 21:28 Uhr

      martina, bitte googln. argentina sah die koerperliche versehrheit seiner spieler nicht gewaehrleistet. dass jerusalem israels hautpstadt ist, ist eine unangezweifelte tatsache. erst die nichtanerkennu ...

      martina, bitte googln. argentina sah die koerperliche versehrheit seiner spieler nicht gewaehrleistet.

      dass jerusalem israels hautpstadt ist, ist eine unangezweifelte tatsache. erst die nichtanerkennung oder weigerung anderer das anzuerkennen macht es zu einem politikum.

    Michael K., Donnerstag, 07.06.18, 16:23 Uhr

    Sport verbindet. Militärübingen zwischen Bundeswehr und der Luftwaffe eines Apartheidstaat verbinden auch. Aber es ist auch Zeit einmal Kante zu zeigen und nicht nur Bereitwilligkeit für gute zwischen ...

    Sport verbindet. Militärübingen zwischen Bundeswehr und der Luftwaffe eines Apartheidstaat verbinden auch. Aber es ist auch Zeit einmal Kante zu zeigen und nicht nur Bereitwilligkeit für gute zwischenmenschliche und -staatliche Beziehungen zu praktizieren, während man die gleichzeitig stattfindende Unterdrückung und Besetzung eines Volkes der Einfachheit halber nicht wahrhaben will.

    Ein späktakuläres Fussballspiel in der heiligen Stadt durchzuführen würde Normalität signalisieren. Doch davon ist man weit entfernt. Deswegen war es gut das Spiel nicht stattfinden zu lassen.

      ariel, Samstag, 09.06.18, 21:25 Uhr

      wenn man in einem land, welches teile mindestens drei laender besetzt, eine fussbal wm durchfuehren kann, dann wird man wohl ein fussballspiel in jerusalem spielen duerfen. alles andere waere scheinhe ...

      wenn man in einem land, welches teile mindestens drei laender besetzt, eine fussbal wm durchfuehren kann, dann wird man wohl ein fussballspiel in jerusalem spielen duerfen. alles andere waere scheinheilig.

      Michael K., Sonntag, 10.06.18, 12:51 Uhr

      Ariel, man sollte in der Tat konsequent sein. Da gebe ich dir Recht. Dabei neige ich mehr dazu auchoder genauso kritisch mit anderen Ländern umzugehen.

      Ariel, man sollte in der Tat konsequent sein. Da gebe ich dir Recht. Dabei neige ich mehr dazu auchoder genauso kritisch mit anderen Ländern umzugehen.

      Knut, Sonntag, 10.06.18, 13:56 Uhr

      @ Ariel Jo, u.a. deswegen verstehen sich Bibi und Wladimir ja auch so prächtig, nicht wahr? Eine langjährige Männerfreundschaft auf Basis gleicher Denkstrukturen und ähnlicher politischer Vorgehenswei ...

      @ Ariel

      Jo, u.a. deswegen verstehen sich Bibi und Wladimir ja auch so prächtig, nicht wahr? Eine langjährige Männerfreundschaft auf Basis gleicher Denkstrukturen und ähnlicher politischer Vorgehensweisen…

      ariel, Sonntag, 10.06.18, 20:46 Uhr

      was hat netanjahu grosses gemacht, dass er so gehasst wird? ich kann dir das ganz genau sagen. NICHTS! was hat abas gemacht um im westen als moderat zu gelten? auch nichts! er wird weiterhin als moder ...

      was hat netanjahu grosses gemacht, dass er so gehasst wird? ich kann dir das ganz genau sagen. NICHTS! was hat abas gemacht um im westen als moderat zu gelten? auch nichts! er wird weiterhin als moderat angesehen, obwohl er staendig antisemitisches und israelfeindliches zeug von sich gibt. alles eine sache des rufs.

      putin hat kriege in tschetschenien, dagestan, georgien, krim und syrien gefuehrt. putin ist ein autokrat, der sich angereichert und heute wohl auf kosten russlands einer der reichsten maenner der welt ist. unter putin gedeiht korruption und menschenrechte werden eingeschraenkt.

      die einzige parallele zwischen den beiden ist, dass du beide nicht magst.

      martina, Freitag, 15.06.18, 16:48 Uhr

      hallo ariel. der ruf der beiden liegt am vergleich. bibi ist nachfolger von olmert. olmert war gemäßigter als bibi. abbas ist im vergleich zur hamas gemäßigt. gruß

      hallo ariel. der ruf der beiden liegt am vergleich. bibi ist nachfolger von olmert. olmert war gemäßigter als bibi. abbas ist im vergleich zur hamas gemäßigt.
      gruß