Bibis Namensvetter

Als Deutscher in Israel – mit einem jüdischen Vornamen

Benjamin Hammer arbeitet seit einem Jahr als Korrespondent im ARD-Studio in Tel Aviv. Sein Vorname stammt ursprünglich aus der Region. Und er ist immer wieder ein Thema, wenn er auf Israelis trifft. Das liegt auch am israelischen Premierminister, einem berühmten Namensvetter.

Von Benjamin Hammer
Am 22.06.2018

In meiner Schulklasse gab es drei Benjamins. Und ich war einer davon. In meinem Geburtsjahr 1983 war der Vorname in Deutschland ziemlich beliebt. Nun ist mein aktueller Wohnort Israel so etwas wie das Heimatland von Benjamin – einem jüdischen Vornamen. Benjamin war, so steht es in der Bibel, der jüngste von zwölf Söhnen von Jakob. Mein Vorname war also schon sehr lange hier, als ich zum ersten Mal nach Israel kam. Die Sache ist: Anders als in Deutschland, heißen Männer in meinem Alter in Israel so gut wie nie Benjamin. Hier ist das, Verzeihung, ein Name für alte Männer. Wenn ich mich Israelis vorstelle und meinen Vornamen nenne, dann ist mir das manchmal etwas unangenehm. Für sie muss sich das so anfühlen, als ob in Deutschland ein Mann Mitte dreißig vor einem steht und sagt: „Hallo, ich bin Siegfried.“ Oder: „Schön Sie kennenzulernen, ich heiße Eberhard.“ Mein berühmtester Namensvetter wohnt in einer gut bewachten Residenz in Jerusalem. Er ist 68 Jahre alt. Benjamin Netanjahu ist so ein älterer Herr, der meinen Vornamen trägt. Auch wenn ihn hier alle nur „Bibi“ nennen.

Jüdische Namen waren in den 80ern beliebt

Benjamin Netanjahus Frau heißt übrigens Sarah. Genauso wie meine Frau. Als wir, Benjamin und Sarah aus Deutschland, vor einem Jahr auf Wohnungssuche in Tel Aviv waren, wurden wir von den Vermietern ziemlich schnell auf die Netanjahus angesprochen. Und wir erfuhren, ob sie Sarah und Benjamin aus Jerusalem mögen, oder nicht. Die beiden sind nicht unumstritten, zum Beispiel, weil sie teure Geschenke von Geschäftsleuten angenommen haben sollen. Auch Sarah ist ein jüdischer Vorname. Und auch dieser Name war in Deutschland in den 1980er-Jahren beliebt. Überhaupt: In dieser Zeit haben viele deutsche Eltern ihren Kindern jüdische Vornamen gegeben. Benjamin, Sarah, David, Jakob, Rebecca, Hannah, Judith, Lea. Viele deutsche Eltern haben sich ganz bewusst für diese Namen entschieden. Damals rund 40 Jahre nach dem Holocaust. Wenn ich das jüdischen Israelis erzähle, dann rührt sie das sehr. Dann merke ich, wie besonders die Beziehungen zwischen Deutschen und Israelis sind. Der Name „Benjamin“ ist heute übrigens sowohl in Israel als auch in Deutschland aus der Mode gekommen. Ganz anders ist es aber mit einer Kurzform des Namens. In der Kitagruppe meiner Tochter in Tel Aviv  gibt es zwei Jungen, die Ben heißen. Und in Deutschland? War es der beliebteste Jungenname im vergangenen Jahr. Guter Name!

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