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Alles wie geschmiert?

Israel will drei deutsche U-Boote kaufen – doch selbst das Verteidigungs-Establishment ist gegen den Deal

Opposition und Medien in Israel wähnen sich gerade einer ganz großen Geschichte auf der Spur: Der Kauf von Waffen für die Sicherheit des Landes soll mit geschäftlichen Interessen vermischt worden sein.

Von Peter Kapern
Am 20.11.2016

Der Gestank der Korruption geht so tief wie U-Boote tauchen können, schmetterte Yoel Hasson von der oppositionellen Zionistischen Union ins Plenum der Knesset. Die bisherigen Recherchen belegten eine Vermischung von geschäftlichen Interessen mit dem Kauf von Waffen für die Sicherheit des Staates. Worum geht’s? Israel besitzt fünf U-Boote, hergestellt in der Thyssenkrupp-Werft in Kiel. Ein weiteres wird noch ausgeliefert. Bereits jetzt ist absehbar, dass drei der Boote beizeiten aus Altersgründen ersetzt werden müssen – durch drei neue U-Boote aus Deutschland. Eine Absichtserklärung gibt es bereits, nun soll auch bald der Vertrag unterzeichnet werden, verkündete vor zwei Wochen Regierungschef Benjamin Netanjahu in der Knesset.

Selbst aus der Armee kam Gegenwind

Seiter liefern israelische Medien immer neue Details zu dem Deal. Moshe Yaalon, der im Mai dieses Jahres wegen eines Streits mit Netanjahu als Verteidigungsminister zurückgetreten war, sei gegen den Kauf der U-Boote gewesen. Die Armee auch. Kritisiert wurde der immens hohe Kaufpreis von rund 1,8 Milliarden Euro. Dieser wird zwar um die noch auszuhandelnden Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt reduziert, liegt aber dennoch über dem Preis anderer U-Boote. Doch trotz aller gegenteiligen Meinungen in seinem Umfeld: Benjamin Netanjahu entschied, und zwar an der israelischen Marine, am Verteidigungsministerium und am Planungsstab des Militärs vorbei. Die deutschen U-Boote werden gekauft. Nun fragen sich die Beobachter: Warum? Die Antwort auf diese Frage, das legen die Recherchen israelischer Medien nahe, könnte David Shimron lauten. Shimron ist Rechtsanwalt. Zu seinen Mandanten und Geschäftspartnern zählt der Vertreter des Thyssenkrupp-Konzerns in Israel. Und: Shimron ist zugleich der private Rechtsanwalt von Benjamin Netanjahu.

Es geht nicht an, dass der private Rechtsanwalt des Premierministers in Geschäfte des Staates zum Erwerb von deutschen U-Booten involviert ist, in Höhe von anderthalb Milliarden Euro.

— Michael Rozin, Meretz-Partei

David Shimron , Netanjahus Anwalt, ließ wissen, er habe nie mit Vertretern des Staates Israel über den Kauf irgendwelcher Schiffe gesprochen. Und der Ministerpräsident fügte hinzu, sein Anwalt habe nie mit ihm irgendwelche Dinge beredet, die anderen Klienten – also den israelischen Thyssenkrupp-Vertreter – betreffen. Die Zeitung Jedioth Achronoth berichtet unterdessen, Netanjahu habe bereits vor drei Jahren bei der Anschaffung von vier Marinebooten am gesamten Verteidigungs-Establishment vorbei entschieden – zugunsten einer deutschen Werft: Thyssenkrupp.

Kommentare

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2 thoughts on “Alles wie geschmiert?”

    Michael K., Sonntag, 20.11.16, 14:48 Uhr

    Zählen Interessen oder auch Werte? In Deutschlamnd spricht man immer von einer Wertegemeinschaft. Wenn es denn so sei, dann sollte man schnellstens den israelischen Kriegslüsten eine klare Absage erte ...

    Zählen Interessen oder auch Werte? In Deutschlamnd spricht man immer von einer Wertegemeinschaft. Wenn es denn so sei, dann sollte man schnellstens den israelischen Kriegslüsten eine klare Absage erteilen. Einer unterdrückerischen Besatzungsmacht liefert man nun einmal keine U-Boote. Und dann erwartet Israel auch noch einen steuerfinanzierten Rabatt. Die spinnen wohl alle. Schlimm genug, dass die USA generöse Militärgeschenke an eine Besatzungsmacht, ganz ohne Gegenleistung. Und Deutschland macht dieses Spiel einfach mit? Es ist eine Schande! Damit nimmt man es mit der israelischen Siedlungs- und Besatzungspolitik nicht so ganz genau. Welch eine Heuchelei!!! Und dann noch der Korruptionsverdacht. Einfach widerwärtig!

      wombat, Montag, 21.11.16, 9:00 Uhr

      Besatzungsmacht? Sie haben also noch nicht vom Oslo-Friedensprozess und dem Gaza-Jericho Abkommen gehört - aber schon klar, sie finden es falsch, wenn der Judenstaat in der Lage ist, sich zu verteidig ...

      Besatzungsmacht? Sie haben also noch nicht vom Oslo-Friedensprozess und dem Gaza-Jericho Abkommen gehört – aber schon klar, sie finden es falsch, wenn der Judenstaat in der Lage ist, sich zu verteidigen – alle bisherigen Kriege wurden von den Nachbarn begonnen. Keine weiteren Fragen …