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Ein Museum für Arafat

Der ehemalige Palästinenserführer ist für viele eine Ikone – nun wurde in Ramallah sein Museum eröffnet

Im unterirdischen Trakt des Präsidentenpalastes steckte Arafat fast drei Jahre lang fest. Heute können sich Besucher dort auf die Spuren des Nobelpreisträgers begeben.

Von Peter Kapern
Am 12.11.2016

Als Leila Djamal in den bunkerartigen Privattrakt Arafats kommt, wird die elegante, ältere Dame von ihren Gefühlen übermannt. Seit zwölf Jahren war sie nicht mehr hier. Und jetzt, als sie vor der Liege steht, auf der der schwer kranke Jassir Arafat von seinem Arzt behandelt wurde, jetzt kehren die Erinnerungen zurück. Hier unten, im unterirdischen Trakt des Präsidentenpalastes, steckte Arafat 2002 bis 2004 fast drei Jahre lang fest. Belagert von israelischen Panzern, die rundherum alles platt gemacht hatten. Die Israelis warfen ihm vor, den Terror, die Zweite Intifada zu unterstützen. Arafat saß in seiner fast vollständig zerstörten Residenz, umgeben von Beratern, Kämpfern und ein paar Dutzend Zivilisten, die ihn vor dem Zugriff der Israelis schützen wollten. Leila Djamal gehörte dazu:

Wir hatten ein paar Schaumstoffmatratzen, auf denen wir geschlafen haben. Einmal am Tag haben wir etwas Brot bekommen, etwas Humus und manchmal Falafel. Ich war zwei Wochen lang hier drin.

— Leila Djamal

Eröffnung in schwierigen Zeiten

Arafats Zufluchtsort im alten Trakt des Präsidentenpalasts von Ramallah, der Mukata, ist ein Teil des neuen Museums. Die gesamte Führungsriege der Autonomiegebiete ist zur Eröffnung gekommen: Kulturschaffende und alte Kämpfer, das Kabinett und der Präsident, der in seiner Ansprache aus einer berühmten Rede zitierte, die Arafat unten im Bunker vor den Kameras von Al Jazeera hielt. Jeder Palästinenser kann diese Passage mitsprechen: „Sie wollen, dass ich ein Gefangener bin, sie wollen mich deportieren oder mich töten.“ Dann bezeichnet er sich drei Mal als Märtyrer. Das Museum öffnet seine Türen in einer schwierigen Zeit. Wirtschaftlich geht es bergab, die öffentlichen Kassen sind leer. Die Politik: zerstritten bis zur Handlungsunfähigkeit. Der Präsident: extrem unbeliebt bei seinen Bürgern. Und nun auch noch ein gewählter US-Präsident, der den israelischen Siedlungsbau in den besetzten Gebieten als unproblematisch bezeichnet hat. Viele Lichtblicke haben sie derzeit nicht, die Palästinenser. Aber ihre Ikone Jassir Arafat.

Arafat war ein großer Präsident und Rebell. Es ist toll für unser Volk, dass wir jetzt dieses großartige Museum haben.

— Jawad, Student in Ramallah

Jawad sitzt mit seiner Freundin in einem Café in Ramallah, in dem ansonsten nur selten positive Worte über palästinensische Politiker zu hören sind. Seine Freundin Baraa meint, Arafat habe den Palästinensern Hoffnung gegeben. Er habe ihnen zwar nicht den eigenen Staat gebracht, aber die ersten Schritte dorthin habe er sie geführt.  Und zum Dank dafür haben sie ihm jetzt das Museum als Denkmal gesetzt. Dort wird Arafats Leben erzählt, gestützt auf zahlreiche Ausstellungsstücke. Erzählt wird aber auch die palästinensische Perspektive auf den Nahostkonflikt. Mit vielen Details über die Gewalttaten der Israelis. Und mit vielen Lücken in der Darstellung der eigenen. Aber das wird auf der anderen Seite kaum anders gehandhabt.

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Kommentare

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5 thoughts on “Ein Museum für Arafat”

    Axel Stolpe, Montag, 14.11.16, 11:17 Uhr

    Dieses Museum ist eine Lüge, so wie die gesamte Autonomiebehörde eine Lüge ist, inklusive der Propaganda die sie verbreitet. Leider darf ich hier keinen Link veröffentlichen. Doch wer Interesse hat de ...

    Dieses Museum ist eine Lüge, so wie die gesamte Autonomiebehörde eine Lüge ist, inklusive der Propaganda die sie verbreitet. Leider darf ich hier keinen Link veröffentlichen. Doch wer Interesse hat der schaut mal bei Audiatur-Online auf den Artikel von Ulrich Sam. Der war damals Augenzeuge in der Mukarta und hat seine Bilder veröffentlicht.

    Traurig ist immer nur eins. Das die ARD so wenig Nachforschungen betreibt und damit solche Ereignisse nicht richtig einordnen kann. Dadurch wird sie zum Sprachrohr der palästinensischen Seite.

    Lotte, Sonntag, 13.11.16, 12:43 Uhr

    "Arafat war ein großer Präsident und Rebell. Es ist toll für unser Volk, dass wir jetzt dieses großartige Museum haben." Was für eine Realitätsverkennung! Arafat, Aufhetzer, Terrorist, Mörder, - alles ...

    „Arafat war ein großer Präsident und Rebell. Es ist toll für unser Volk, dass wir jetzt dieses großartige Museum haben.“

    Was für eine Realitätsverkennung!
    Arafat, Aufhetzer, Terrorist, Mörder, – alles schon vergessen ? : die Flugzeugentführungen der 70iger Jahre, Attentat in München usw. währenddessen „die Seinigen“ im Luxus lebten(leben).
    Immer wieder „Friedenschancen“ „für sein Volk“ ausgeschlagen, weiter aufgehetzt, Unschuldige getötet … bis heute … sein Photo hängt an noch viel zu vielen Wänden.
    Ende der Realpolitik (s.vorangegangener Artikel) ? :
    Nein, Anfang einer Realpolitik (in der sich ausschliesslich die Beteiligten „bewegen“ und einigen müssen).

    Alexander_aus_Israel, Sonntag, 13.11.16, 9:02 Uhr

    ... interessant auch, ob erwähnt wird, womit sich die Ehefrau von Arafat ihren luxuriösen Lebensstil in Paris finanziert hat. Genau diese Einzelheiten wären doch an so einem Bericht interessant! Was d ...

    … interessant auch, ob erwähnt wird, womit sich die Ehefrau von Arafat ihren luxuriösen Lebensstil in Paris finanziert hat. Genau diese Einzelheiten wären doch an so einem Bericht interessant! Was denken die Palästinenser darüber? Veruntreut Abbas weniger HIlfsgelder?
    Einer meiner Verwandeten ist in der Lebensmittelbranche in Israel tätig und wollte mit einem Sohn von Abbas Geschäfte machen. Besagter Sohn wollte erst Schmiergeld, bevor er das Weitere zu besprechen bereit war. [BItte diesen Abschnittl löschen, falls nicht passend zum Artikelthema.]

    Alexander_aus_Israel, Sonntag, 13.11.16, 6:41 Uhr

    Es wäre vielleicht doch ehrlich zu schreiben, dass Arafat ein Terrorist war, der sehr viele unschuldige Menschen ermordet hat. Den lakonischen Verweis hierauf im vorletzten Satz finde ich nicht ausrei ...

    Es wäre vielleicht doch ehrlich zu schreiben, dass Arafat ein Terrorist war, der sehr viele unschuldige Menschen ermordet hat. Den lakonischen Verweis hierauf im vorletzten Satz finde ich nicht ausreichend.

    ariel, Sonntag, 13.11.16, 6:39 Uhr

    "Mit vielen Details über die Gewalttaten der Israelis. Und mit vielen Lücken in der Darstellung der eigenen. Aber das wird auf der anderen Seite kaum anders gehandhabt." falsch, in israel wird ueber a ...

    „Mit vielen Details über die Gewalttaten der Israelis. Und mit vielen Lücken in der Darstellung der eigenen. Aber das wird auf der anderen Seite kaum anders gehandhabt.“

    falsch, in israel wird ueber alles gesprochen.

    interessant, ob in dem arafat museum auch erwaehnt wird, dass er in kairo geboren wurde. sogar die arabische wikipedia seite erwaehnt diese tatsache. diese tatsache macht ihn stellvertretend fuer die araber welche sowohl in israel als auch in judea und samaria leben. die meisten von ihnen wanderten waehrend des britischen mandats nach palaestina ein.